Wir möchten euch hiermit herzlich zur letzten Veranstaltung im Jahr 2024 unserer Lesereihe einladen! Diese Ausgabe von „In Guter Nachbarschaft“ findet am 13.12.2024 um 19:00 Uhr in der LiteraturEtage in Weimar statt. Zu Gast ist Ilija Matusko, der sein Debüt Verdunstung in der Randzone (Suhrkamp) vorstellen wird.

»Kein Ruhetag« – so steht es auf der Tafel am Eingang. Ilijas Eltern betreiben eine Gastwirtschaft in Bayern. Er hilft schon als Kind in der Küche, wächst mit Pommes und Fritteusen auf. Wenn das Restaurant nicht mehr läuft, eröffnen die Eltern woanders ein neues. Weil sein Vater gerne Tennis spielt, ermöglicht er seinem Sohn Tennisstunden. Im Verein findet Ilija neue Freunde und will wie sie aufs Gymnasium. Sein Leben entkoppelt sich zunehmend von dem seiner Eltern, besonders als sein Vater nach Kroatien zurückgeht. Doch etwas begleitet ihn durch die Jahre: »Es riecht nach Pommes, Ilija kommt!« Der Satz eines Mitschülers, der ihn bis heute nicht mehr loslässt, wird zum Ausgangspunkt einer Selbstbefragung: Verrät der Geruch die eigene soziale Herkunft? Ilija Matusko verknüpft in seinem Debüt persönliche Erinnerungen mit soziologischen Beobachtungen. In zehn essayistischen Kapiteln erzählt er die Geschichte eines Bildungsaufsteigers – mit wachem Blick für die feinen Unterschiede, mit Witz und literarischer Schlagkraft.
Torben Becker schreibt über dieses Debüt in DIE ZEIT:
»Matusko sucht in einfachen Verhältnissen die Schönheit von Küchendüften und Gastfreundlichkeit und wie sie dem vermeintlich gehobenen Duft bestimmter Parfüms in nichts nachsteht. Im versöhnlichen Blick, mit dem Matusko auf seine Vergangenheit schaut, liegt der Charme dieses Buches. Es ist der eines Aufsteigers, der nicht mit seiner Herkunft gebrochen hat. … Und so liest man Matuskos fragmentarische Collage sehr gerne …«
Ilija Matusko hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert, lebt und arbeitet in Berlin, u. a. für die taz. Er war Stipendiat im Herrenhaus Edenkoben, im Alfred-Döblin-Haus und im Künstlerdorf Schöppingen. Sein Debüt Verdunstung in der Randzone, für das er vor Erscheinen ein Stipendium des Fritz-Hüser-Instituts erhielt, erschien 2023 im Suhrkamp Verlag.
Musikalisch wird der Abend begleitet von Sebastian van Vugt (Baldabiou). Zudem stellt Theresa Kleiner im Rahmen unserer offenen Bühne eigene Texte vor; sie liest gemeinsam mit Miriam Jehle.

„ACCEPTANCE OF SADNESS IS VICTORY OVER SADNESS“, schrieb der Künstler Bas Jan Ader in einem Telegram, kurz bevor er in den Weiten des Atlantiks verschwand. Der in Berlin ansässige Musiker Sebastian van Vugt alias Baldabiou nähert sich auch auf dritten Album „All the things“ Fragen des Abschiednehmens mit einer tiefen Entspannung, die zu keinem Moment an Konzentration verliert. Die Musik von Baldabiou weiß, dass die Antworten auf die tiefgehendsten Fragen des menschlichen Lebens in den Zwischentönen liegen – in der Ruhe und Stille all der Wirklichkeit, die nur gespürt nicht aber beschrieben werden kann. „All the things“ nimmt sich Zeit und Raum, aufrichtig aber nicht zu ernst nachzuspüren. Die Musik Baldabious lässt dabei klangliche Erinnerungen an Notwist-Sänger Markus Acher, Nick Drake oder Elliott Smith wach werden. Das immer ruhige und kontinuierliche Spiel auf der Akustikgitarre, der nie ins Lamentieren oder den Kitsch verfallende, sondern stets hoffende und öffnende Gesang bietet die perfekte Grundlage, um mal tänzelnd mal wuchtig stampfend die emotionalen Untiefen des Lebens auszukundschaften. Dabei ist die Bühnenpräsenz von Baldabiou so unprätentiös, ehrlich wie einnehmend. Bei aller Melancholie wird stets ein positiver Nachklang wachgehalten, der noch lange im Ohr bleibt.
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Theresa Kleiner wurde 1999 in Bremen geboren und studiert seit 2019 Theaterwissenschaft in Leipzig. Seit 2023 ist Kleiner als Autor*in Teil des Theaterkollektivs KLeineR_ex, das kanonisierte Literatur mit popkulturellen Phänomenen remixt, um gegenderte Rollenbilder zu glitchen und zu dekonstruieren. Im Januar 2024 feierte ihr erstes gemeinsames Stück „Cryptobois – Die Leiden der jungen W.s“ am LOFFT-Theater in Leipzig Premiere. Am Jungen Theater Bremen war Theresa Kleiner bereits in der Spielzeit 22/23 als Ko-Autor*in für die Produktion „State of the Heart“ engagiert und schreibt zurzeit die Texte zu „Einsamkeiten“ (Premiere Januar 2025). Thematisch beschäftigt sich Kleiner aktuell insbesondere mit Cyberfeminismus, Doppelgängern, Trad Wives, Body Horror und dem Alleinsein.
Miriam Jehle, 1998 geboren, studiert Malerei/Grafik an der HGB in Leipzig.
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