IN GUTER NACHBARSCHAFT #39 mit Ilija Matusko, Theresa Kleiner und Sebastian van Vugt

Wir möchten euch hiermit herzlich zur letzten Veranstaltung im Jahr 2024 unserer Lesereihe einladen! Diese Ausgabe von „In Guter Nachbarschaft“ findet am 13.12.2024 um 19:00 Uhr in der LiteraturEtage in Weimar statt. Zu Gast ist Ilija Matusko, der sein Debüt Verdunstung in der Randzone (Suhrkamp) vorstellen wird.

Ilija Matusko, © Heike Steinweg

»Kein Ruhetag« – so steht es auf der Tafel am Eingang. Ilijas Eltern betreiben eine Gastwirtschaft in Bayern. Er hilft schon als Kind in der Küche, wächst mit Pommes und Fritteusen auf. Wenn das Restaurant nicht mehr läuft, eröffnen die Eltern woanders ein neues. Weil sein Vater gerne Tennis spielt, ermöglicht er seinem Sohn Tennisstunden. Im Verein findet Ilija neue Freunde und will wie sie aufs Gymnasium. Sein Leben entkoppelt sich zunehmend von dem seiner Eltern, besonders als sein Vater nach Kroatien zurückgeht. Doch etwas begleitet ihn durch die Jahre: »Es riecht nach Pommes, Ilija kommt!« Der Satz eines Mitschülers, der ihn bis heute nicht mehr loslässt, wird zum Ausgangspunkt einer Selbstbefragung: Verrät der Geruch die eigene soziale Herkunft? Ilija Matusko verknüpft in seinem Debüt persönliche Erinnerungen mit soziologischen Beobachtungen. In zehn essayistischen Kapiteln erzählt er die Geschichte eines Bildungsaufsteigers – mit wachem Blick für die feinen Unterschiede, mit Witz und literarischer Schlagkraft.

Torben Becker schreibt über dieses Debüt in DIE ZEIT:     
»Matusko sucht in einfachen Verhältnissen die Schönheit von Küchendüften und Gastfreundlichkeit und wie sie dem vermeintlich gehobenen Duft bestimmter Parfüms in nichts nachsteht. Im versöhnlichen Blick, mit dem Matusko auf seine Vergangenheit schaut, liegt der Charme dieses Buches. Es ist der eines Aufsteigers, der nicht mit seiner Herkunft gebrochen hat. … Und so liest man Matuskos fragmentarische Collage sehr gerne …«       

Ilija Matusko hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert, lebt und arbeitet in Berlin, u. a. für die taz. Er war Stipendiat im Herrenhaus Edenkoben, im Alfred-Döblin-Haus und im Künstlerdorf Schöppingen. Sein Debüt Verdunstung in der Randzone, für das er vor Erscheinen ein Stipendium des Fritz-Hüser-Instituts erhielt, erschien 2023 im Suhrkamp Verlag.

Musikalisch wird der Abend begleitet von Sebastian van Vugt (Baldabiou). Zudem stellt Theresa Kleiner im Rahmen unserer offenen Bühne eigene Texte vor; sie liest gemeinsam mit Miriam Jehle.

Sebastian van Vugt, © Kristina Tschesch

„ACCEPTANCE OF SADNESS IS VICTORY OVER SADNESS“, schrieb der Künstler Bas Jan Ader in einem Telegram, kurz bevor er in den Weiten des Atlantiks verschwand. Der in Berlin ansässige Musiker Sebastian van Vugt alias Baldabiou nähert sich auch auf dritten Album „All the things“ Fragen des Abschiednehmens mit einer tiefen Entspannung, die zu keinem Moment an Konzentration verliert. Die Musik von Baldabiou weiß, dass die Antworten auf die tiefgehendsten Fragen des menschlichen Lebens in den Zwischentönen liegen – in der Ruhe und Stille all der Wirklichkeit, die nur gespürt nicht aber beschrieben werden kann. „All the things“ nimmt sich Zeit und Raum, aufrichtig aber nicht zu ernst nachzuspüren. Die Musik Baldabious lässt dabei klangliche Erinnerungen an Notwist-Sänger Markus Acher, Nick Drake oder Elliott Smith wach werden. Das immer ruhige und kontinuierliche Spiel auf der Akustikgitarre, der nie ins Lamentieren oder den Kitsch verfallende, sondern stets hoffende und öffnende Gesang bietet die perfekte Grundlage, um mal tänzelnd mal wuchtig stampfend die emotionalen Untiefen des Lebens auszukundschaften. Dabei ist die Bühnenpräsenz von Baldabiou so unprätentiös, ehrlich wie einnehmend. Bei aller Melancholie wird stets ein positiver Nachklang wachgehalten, der noch lange im Ohr bleibt.

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Theresa Kleiner. (c) privat.

Theresa Kleiner wurde 1999 in Bremen geboren und studiert seit 2019 Theaterwissenschaft in Leipzig. Seit 2023 ist Kleiner als Autor*in Teil des Theaterkollektivs KLeineR_ex, das kanonisierte Literatur mit popkulturellen Phänomenen remixt, um gegenderte Rollenbilder zu glitchen und zu dekonstruieren. Im Januar 2024 feierte ihr erstes gemeinsames Stück „Cryptobois – Die Leiden der jungen W.s“ am LOFFT-Theater in Leipzig Premiere. Am Jungen Theater Bremen war Theresa Kleiner bereits in der Spielzeit 22/23 als Ko-Autor*in für die Produktion „State of the Heart“ engagiert und schreibt zurzeit die Texte zu „Einsamkeiten“ (Premiere Januar 2025). Thematisch beschäftigt sich Kleiner aktuell insbesondere mit Cyberfeminismus, Doppelgängern, Trad Wives, Body Horror und dem Alleinsein.

Miriam Jehle, 1998 geboren, studiert Malerei/Grafik an der HGB in Leipzig.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

IN GUTER NACHBARSCHAFT #38 mit Mariann Bühler, Martina Jung, Jade Pannier und Lissi

Am 30.11.2024 laden wir euch herzlich zur nächsten Veranstaltung von „In guter Nachbarschaft“ ein! Ausgabe #38 findet am 30.11.2024 um 19 Uhr in der ACC Galerie Weimar statt.

Wir freuen uns riesig, dass Mariann Bühler ihren Debütroman „Verschiebung im Gestein“ vorstellen wird, der Mitte des Jahres im Atlantis Verlag erschienen und bereits für den Schweizer Buchpreis nominiert ist. Außerdem werden Martina Jung und Jade Pannier eigene Texte lesen. Musikalisch begleitet wird der Abend von der Singer-Songwriterin Lissi.

Mariann Bühler (*1982 in der Zentralschweiz) ist Autorin, Literaturvermittlerin und als Veranstalterin in verschiedenen Kontexten tätig. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie mit einem Werkbeitrag des Fachausschusses Literatur beider Basel (2018) und der Zentralschweizer Literaturförderung (2020) ausgezeichnet. Ihr erster Roman „Verschiebung im Gestein“ erschien 2024 im Atlantis Literaturverlag. Sie hat Texte in Literaturzeitschriften veröffentlicht, u.a. in Das Narr, Stoff für den Shutdown und Glitter. Sie lebt schon sehr lange in Basel.

Martina Jung, 1999 geboren und aufgewachsen in der Nähe von Frankfurt am Main, studierte theoretische, mathematische Physik in Frankfurt und München. Sie wurde mehrfach in der Literaturzeitschrift Johnny der Goethe-Universität veröffentlicht; eine dort erschienene Kurzgeschichte wurde außerdem im Rahmen des Podcasts Wortfolgen vertont. 2023 nahm sie am Schreibseminar der Bayerischen Akademie des Schreibens teil. 2024 war sie Hauptpreisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Zuletzt nahm sie im Rahmen von LYRIK ÜBER LAND an einer Lyrikwerkstatt mit Daniela Danz teil. Martina Jung forscht als theoretische Physikerin in Jena.

Jade Pannier, geboren 1998, studierte in Erfurt Staats- und Sprachwissenschaften. Sie war Mitgründerin und Mitherausgeberin des literarisch-künstlerischen Magazins „Conglomerat“. Ihr Leben war immer wechselhaft und verzeichnet Stationen unter anderem in Südamerika, Málaga, Hamburg und auf Amrum. Sie liebt das Beobachten menschlicher Eigenarten. Nach dem Studium zog Jade wieder in ihre Heimatstadt Berlin, im Sommer 2024 kehrte sie unerwartet nach Thüringen zurück. Beharrlich besteht ihre Liebe zum Wort und nimmt sich graduell den Platz, der ihr immer schon gebührte. 

Lissi ist eine junge Singer-Songwriterin aus Jena, die mit ihren gefühlvollen Texten einen kleinen Einblick in ihr Tagebuch gibt.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.