„Raniser Debut“ für Lisa Goldschmidt

Lisa Goldschmidt, die im Juli diesen Jahres bei der „Junges Literaturforum Edition“ von In guter Nachbarschaft in Jena las, ist neue Stipendiatin des „Raniser Debuts“! Wir gratulieren herzlich und wünschen ihr und Lektor Helge Pfannenschmidt eine produktive Arbeitszeit.

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Rückschau: In guter Nachbarschaft #13

2017 ist für unsere Lesereihe ein Jahr der Experimente. Wir gehen verschiedene Kooperationen mit Kulturschaffenden verschiedener Sparten ein und kombinieren bei unseren Veranstaltungen Literatur gleichberechtigt mit anderen Künsten. Die klassische „Wasserglaslesung“ gilt als out. Die Performance nimmt immer mehr Raum bei Literaturveranstaltungen ein. Dennoch wollten wir auch in diesem Jahr nicht auf die traditionelle Lesung mit den Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen verzichten. Also stand am 30. Juni mal wieder ganz der Text im Mittelpunkt von In guter Nachbarschaft, die diesmal in Schillers Gartenhaus in Jena stattfand.

Eröffnet wurde der Abend von Joshua Schößler, der die Erzählungen In den Pyrenäen und Betrug las. Damit sorgte er an diesem Leseabend nicht nur für etwas Swag, wie Peter Neumann in seiner Moderation ankündigte, sondern ließ darüber hinaus keinen Zweifel an seinem erzählerischen Talent, das ihm neben der Auszeichnung vom Jungen Literaturforum jüngst auch den hr2-Literaturpreis einbrachte.

Weiter ging es mit der Lyrikerin Lisa Goldschmidt, die zunächst einen Gedichtzyklus vorstellte, der sich auf die choreografische Arbeit Pina Bauschs bezieht. Goldschmidt unterstrich den Charakter des Textes und ihren beeindruckenden Vortragsstil mit zeichenhaften Gesten, die dem Tanztheater ähnlich sind. Auch sie beschloss ihre Lesung mit einem vom Jungen Literaturforum prämierten Text, dem Gedicht seht mich verschwinden, das mit dem Vers beginnt: „klara, du bist auf eine abergläubische weise/ poetisch“.

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Den Abschluss des Leseabends machte Annika Scheffel, die 2007 vom Jungen Literaturforum ausgezeichnet wurde. Die Autorin lebt mittlerweile in Berlin und veröffentlichte die Romane Ben (kookbooks, 2010) und Bevor alles verschwindet (Suhrkamp, 2013). In Jena las sie aus ihrem noch unveröffentlichten Manuskript mit dem Arbeitstitel Hier ist es schön vor. Eine Geschichte mit Science-Fiction-Anleihen, die sich um die Kolonialisierung eines neuen Planeten dreht.

Wir bedanken uns bei alles Autorinnen und Autoren für den Abend, beim Hessischen Literaturforum im Mousonturm e.V. für die finanzielle Unterstützung und Dr. Helmut Hühn (Leiter Schillers Gartenhaus/ Universität Jena) für die freundliche Zusammenarbeit. Habt einen schönen Sommer!

Vorgestellt: Lisa Goldschmidt

Am 30.6. findet in Schillers Gartenhaus in Jena In guter Nachbarschaft #13 statt. Die Lesung wird sich diesmal den Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen widmen. Mit dabei ist auch Lisa Goldschmidt, die für ihr dreiteiliges Gedicht seht mich verschwinden ausgezeichnet wurde. Wir stellen sie im Kurzinterview vor.

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Lisa Goldschmidt (Foto: privat)

Mario Osterland: Liebe Lisa, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erfolg beim Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen. Das war ja bereits deine dritte Teilnahme. Wie bist du damals auf das Forum aufmerksam geworden und was schätzt du daran besonders, dass dich zu weiteren Einsendungen ermutigt hat?

Lisa Goldschmidt: Erstmals aufmerksam geworden bin ich auf das Junge Literaturforum durch meinen Mitbewohner Nils Brunschede, der mit seinen Gedichten ebenfalls Preisträger des Jahres 2014 war. Über meinen anderen Mitbewohner, Robert Stripling, bin ich im letzten Jahr auf den open mike aufmerksam geworden. In diesem Sinne, so romantisch es auch klingen mag, wäre ich wohl, hätte ich mich für andere Mitbewohner entschieden, vielleicht nicht zum Schreiben gekommen, zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt. Es war schon ein glücklicher Zufall, falls man es so nennen kann. Was ich am Jungen Literaturforum schätze, ist die Förderung junger Autoren/Autorinnen, vor allem im Rahmen der Seminare und Workshops. Was mich zu weiteren Einsendungen bewog und mich auch für kommendes Jahr (was mein letztes sein wird) noch reizt: einmal mit einem Haiku den Hauptpreis zu gewinnen und es so abzuschließen, wie alles begann. (Ein kurzer Dank soll hier auch an meine Mutter gehen, die, vor einem Werk von Barnett Newman stehend, mich zu meinem ersten Haiku inspirierte, was 2015 in der Nagelprobe veröffentlicht wurde)

M.O.: Du warst in diesem Jahr mit dem dreiteiligen Gedicht seht mich verschwinden erfolgreich. Was reizt dich an der Lyrik?

L.G.: Für mich zeichnet sich die Lyrik durch ein völlig anderes Denken aus, das jenseits der Narration und des Verstehens, auf fragmentarische und instabile Weise abstrakte Raum- und Bildwelten schafft, die ohne jeglichen Nutzen Sinnhaftigkeit besitzen.

M.O.: Schreibst du auch Prosa oder Dramatik?

L.G.: Sofern ich im Sommer Zeit haben werde, werde ich mich an Kurzprosa heranwagen. Was Dramatik angeht: ich weiß nicht, ob ich hierfür schon alt genug bin.

M.O.: Du hast an der Akademie für Bildende Kunst in Karlsruhe studiert. Siehst du dich mehr als Künstlerin oder mehr als Autorin?

L.G.: Weder noch. Über diese Begrifflichkeiten und Attributierungen sollten andere entscheiden. Ob und inwiefern diese Bezeichnungen valide sind, kann ich als Psychologin nicht entscheiden, da sie statistisch nicht auf Kausalität zurückgeführt werden können. Aber ja: ich denke, eine Korrelation zwischen beidem besteht durchaus.

M.O.: Gibt es konkrete Pläne die bildenden Künste und die Literatur miteinander zu verbinden? Oder hast du das bereits gemacht?

L.G.: Konkrete Pläne gibt es keine. Viel eher beeinflussen sich beide Sphären intuitiv und gehen fließend ineinander über. Dennoch zeichnen sich, so denke ich, die experimentelleren Gedichte auch durch meine malerisch-abstrakte Ästhetik aus, die sich einer Konkretisierung und Verdinglichung der Sprache (im Sinne einer Vermittlung konkreter Inhalte) entzieht und stärker in ein synästhetisches, mehr-ebenen-förmiges Ganzes integriert: in ein Zusammenspiel aus Form, Klang, Abstraktion und Unbewusstem.

M.O.: Vielen Dank für deine Antworten!

Lisa Goldschmidt, geb. 1993 in Freiburg im Breisgau, studierte von 2011 bis 2013 freie Kunst an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. Seit 2013 studiert sie Psychologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2015 und 2016 war sie Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, 2016 Finalistin des 24. open mike in Berlin.

30.6. – Jena – In guter Nachbarschaft #13 – Junges Literaturforum Edition

IN GUTER NACHBARSCHAFT #13 – Lesung der PreisträgerInnen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2017

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Freitag, 30. Juni 2017 – Schillers Gartenhaus (Schillergäßchen 2, 07745 Jena)

Beginn: 19:30 Uhr

Eintritt: 3,-€ (nur Abendkasse)

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Das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen schreibt jedes Jahr einen Literaturwettbewerb aus, an dem sich 16- bis 25-Jährige mit Wohnsitz in Hessen und Thüringen beteiligen können. Bei der unabhängigen Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ gehört es ebenso zur guten Tradition, die aktuellen PreisträgerInnen aus ihren prämierten Texten lesen zu lassen: Texte, die unserer eigenen Gegenwart auf der Spur sind, Stimmen, die uns von jetzt an begleiten werden.

Eingeladen in diesem Jahr sind Lisa Goldschmidt (Frankfurt/Main), die für ihren Text seht mich verschwinden ausgezeichnet wurde, und Joshua Schößler (Jena), der mit seinem Text Betrug die Jury überzeugen konnte. Annika Scheffel (Berlin), ehemalige Preisträgerin des Jungen Literaturforums und mittlerweile eine feste Stimme der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, wird an diesem Abend aus ihrem aktuellen Romanprojekt „Hier ist es schön“ lesen, für das sie 2015 mit Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichent wurde.

Eine Veranstaltungen der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. in Kooperation mit Schillers Gartenhaus (Universität Jena), mit freundlicher Unterstützung vom Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

LISA GOLDSCHMIDT, 1993 in Freiburg im Breisgau geboren, studierte von 2011 bis 2013 freie Kunst an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. Seit 2013 studiert sie Psychologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2015 und 2016 war sie Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, 2016 Finalistin des 24. open mike in Berlin.

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Lisa Goldschmidt (Foto: privat)

JOSHUA SCHÖßLER, 1992 in Düsseldorf geboren, studiert Philosophie und Germanistische Literaturwissenschaft in Jena. Er schreibt seit seiner Jugend hauptsächlich kürzere Prosa, nachzulesen auf: http://www.skklnt.wordpress.com

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Joshua Schößler (Foto: Julia Hauck)

ANNIKA SCHEFFEL, 1983 in Hannover geboren, ist Prosa- und Drehbuchautorin. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Stipendium der Drehbuchwerkstatt München und dem Förderpreis zum Grimmelshausen-Preis für ihren 2010 erschienen Debütroman BEN (kookbooks). Im Februar 2013 erschien ihr neuer Roman Bevor alles verschwindet (Suhrkamp). Für ihr aktuelles Romanprojekt Hier ist es schön wurde sie 2015 mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet. Annika Scheffel lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #13 ist eine Kooperation mit Schillers Gartenhaus (Friedrich-Schiller-Universität Jena) mit freundlicher Unterstützung des Hessischen Literaturforums im Mousonturm e.V.