Rückschau: IN GUTER NACHBARSCHAFT #22

Am 30.10. waren wir mit unserer Lesereihe endlich wieder in Jena. In der Galerie am Stadtspeicher lasen mit Konstantin Petry (Weimar) und Christoph Renner (Jena) zwei der aktuellen Hauptpreisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Nach einer kurzen Pause stellte dann der in Wien lebende Marko Dinić seinen Debütroman „Die guten Tage“ vor. Dinić erzählte von den Gastarbeiterbussen, die zwischen Wien und Belgrad verkehren und inzwischen auch zu einem beliebten Verkehrsmittel für Touristen geworden sind. Darüber hinaus betonte er die Schwierigkeiten im Aufarbeitungsprozess des serbischen Nationalismus. Gestenreich und wortgewaltig nahm er das Publikum in seiner Lesung mit ins heutige Belgrad, in dem die Narben des Krieges noch immer sicht- und spürbar sind.

Musikalisch gerahmt und begleitet wurde der Abend mit einem Solokonzert des Wahl-Berliners Sebastian van Vugt. Der Songwriter der Band Baldabiou spielte akustische Folksongs und überzeugte nicht zuletzt durch seinen eindrucksvollen Gesang.

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(Fotos: Anne Osterland)

Wir bedanken uns herzlich bei allen Beteiligten des Abends, insbesondere den aufgetretenen Künstlern und dem Jenaer Kunstverein. IN GUTER NACHBARSCHAFT verabschiedet sich nun in den Winterschlaf. Die nächste Veranstaltung findet 2020 in Weimar statt.

30.10. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #22 – mit Marko Dinić, Baldabiou u.a.

Am 30.10. kehrt IN GUTER NACHBARSCHAFT zurück in die heiligen Hallen des Jenaer Kunstvereins. Zu Gast ist der Wiener Schriftsteller Marko Dinić, der aus seinem Debütroman Die guten Tage lesen wird. Darin erzählt er vom Aufwachsen in Belgrad während der Jugoslawienkriege und der schweren Rückkehr in einen Serbien, das der Ich-Erzähler am liebsten für immer hinter sich lassen wollte. „In beeindruckenden Bildern erzählt Marko Dinic zwanzig Jahre nach dem Bombardement von Belgrad von einer traumatisierten Generation, die sich weder zu Hause noch in der Fremde verstanden fühlt, die versucht die eigene Vergangenheit zu begreifen und um eine Zukunft ringt.“

Auf offenen Mikrophon begrüßen wir diesmal Konstantin Petry (Weimar) und Christoph Renner (Jena). Sie beide sind aktuelle Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

Begleitet und gerahmt wird der Abend vom Alternative Pop des Musikers Sebastian van Vugt, besser bekannt als BALDABIOU.

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30. Oktober 2019 – 19:30 Uhr

Galerie im Stadtspeicher/Jenaer Kunstverein e.V. – Markt 16 – 07743 Jena

Eintritt: 5,-€ / ermäßigt 3,- €

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Marko Dinić wurde 1988 in Wien geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Belgrad. Er studierte in Salzburg Germanistik und Jüdische Kulturgeschichte. 2016 las er bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt im Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Sein 2019 erschienenes Debüt Die guten Tage ist für den Österreichischen Buchpreis nominiert.

Sebastian van Vugt singt mit unverwechselbarem Timbre über die Freuden und Leiden des Werdens und Seins. Seine Lieder und Stimme verfügen über ein hochaufgelöstes Gespür für Form und Dynamik. Seine Bühnenpräsenz ist so unprätentiös wie einnehmend. Beinahe aus Versehen wird ein eben noch aufgekratztes Mischpublikum aus Eingeladenen, Mitgebrachten und Kulturtouristen mausestill und der Raum füllt sich mit den unaufgeregten Songs van Vugts, die bei aller Wärme und Intimität nie dem Kitsch verfallen oder stereotyp verflachen. Sie lassen tief blicken und hören sich gut an. Im Oktober 2019 erscheint das Album Hélène auf dem Label Viel Erfolg mit der Musik

Konstantin Petry, geb. 1997 in Eisenach, studiert Philosophie und Westslavistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2019 gewann er im Literaturwettbewerb des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen einen der Hauptpreise.

Christoph Renner studierte Deutsch und Geschichte auf Lehramt in Tübingen und Jena. Derzeit promoviert er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2018 gewann der den Hauptpreis beim Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb, 2019 folgte einer der Hauptpreis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

Critical Westdeutschness – Peter Neumann und Matthias Warkus im Gespräch

„Es gibt einen blinden Fleck in der westdeutschen Geschichtsbetrachtung.“ Peter Neumann und Matthias Warkus umkreisen ihn und andere Aspekte im Gespräch über Critical Westdeutschness. Äußerst Lesenswert!

Teil 1/3 gibt es hier

Teil 2/3 gibt es hier

Teil 3/3 erscheint erscheint voraussichtlich am 31. August

13. September – Nürnberg – IN GUTER NACHBARSCHAFT beim Festival der unabhängigen Lesereihen (ULF)

Am Freitag, den 13. September präsentiert sich die Thüringer Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT mit einer Poetryfilm-Edition auf dem unabhängigen Lesereihenfestival ULF in Nürnberg. Gezeigt werden sechs Poetryfilme, die im Rahmen des Projekts lab/p – poetry in motion 2018/19 entstanden sind.

lab/p – poetry in motion ist ein Projekt, das organisiert vom OSTPOL e.V. Leipzig und den FigLeaf Studios Alexandria, ägyptische und deutsche Schriftsteller*innen und Filmemacher*innen zusammenbrachte, um gemeinsam internationale-interkulturelle Poetryfilme entstehen zu lassen. Zu den zahlreichen Kooperationspartnern des Projkets zählten auch der Weimarer Poetryfilmkanal sowie die Bauhaus Universität Weimar.

IN GUTER NACHBARSCHAFT präsentiert einen Abend lang auf gewohnt interdisziplinäre Weise literarische Formen abseits der üblichen „Wasserglaslesung“. In screening, Lesung und Gespräch stellen vier Künstler*innen ihre Filme vor, sprechen über das Genre des Poetryfilms und geben einen Einblick in ihre aktuelle Arbeit.

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13. September 2019 – 22 Uhr

Z-Bau (Roter Salon) – Frankenstr. 200, 90461 Nürnberg

Tagesticket Freitag: 22,-€ / ermäßigt 16,-€

Festivalticket (4 Tage): 38,-€ / ermäßigt 30,-€

Alle Infos zum Festival inkl. des Gesamtprogramms gibt es hier.

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In Nürnberg mit dabei:

 

Alina Cyranek, geb. 1979 in Racibórz (Polen), absolvierte den Doppel-Master in Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar und der Tongji University Shanghai mit dem Schwerpunkt Dokumentar- und Experimentalfilm. Ihre Arbeiten werden auf internationalen Filmfestivals und Kunstausstellungen gezeigt und wurden mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet als freie Autorin und Regisseurin in Leipzig.
www.alinacyranek.com

Özlem Özgül Dündar, geb. 1983 in Solingen, lebt in Leipzig. Die vielfach ausgezeichnete Autorin schreib Lyrik, Prosa und Theatertexte. Zuletzt erschien ihr Gedichtband „gedanken zerren“ (Elif Verlag, 2018)

Rika Tarigan, geb. 1988 in Bandung/Westjava (Indonesien), lebt in Weimar. Sie studiert Medienkunst an der Bauhaus Universität Weimar. Ihr Film „The Right To Fall Apart“ wurde mit dem Weimarer Poetryfilmpreis 2019 ausgezeichnet.

Dennis Trendelberend, geb. 1992 in Gütersloh, lebt in Leipzig. Neben der Sprache und dem Schreiben, das er in Wien und Leipzig studierte, ist er auch an Malerei interessiert.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

 

12. – 15. September – Nürnberg – ULF – das unabhängige Lesereihenfestival

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn,

die Initiative Unabhängige Lesereihen veranstaltet vom 12. bis 15. September erstmals ein Festival bei dem 25 Lesereihen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnehmen und Literaturveranstaltungen nach ihren jeweiligen Vorstellungen präsentieren werden.

Als Teil der Initiative werden wir mit IN GUTER NACHBARSCHAFT natürlich mit dabei sein und eine Veranstaltung rund um das Genre des Poetryfilms auf die Beine stellen. Wie das genau aussehen wird, werden wir hier in Kürze verkünden.

ULF – das unabhängige Lesereihenfestival

12. – 15. September 2019

im Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur (Frankenstr. 200) in Nürnberg

Rückschau: IN GUTER NACHBARSCHAFT #21

Für die 21. Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT kehrten wir am 17. Mai in die ACC Galerie nach Weimar zurück. Die Leipziger Autorin Deniz Ohde stellte im Gespräch mit Moderator Gorch Maltzen ihr Romanprojekt „Silberfarm“ vor und las anschließend aus dem noch unveröffentlichten Manuskript.

Zuvor las die Weimarerin Sina Stolp aus ihrer Sammlung von Prosaminiaturen. Kathleen Kröger teilte mit Text und Bildprojektionen ihre Beobachtungen aus der Erfurter Graffiti-Landschaft.

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Gerahmt und begleitet wurde der Abend mit den Songs und Musikperformances des Weimarer Medienkünstlers Tommy Neuwirth, der mit vollem Körpereinsatz und spektakulärer Lichtshow für bleibenden Eindruck sorgte.

Wir bedanken uns bei allen beteiligten Künstler*innen, Förder*innen und Freund*innen, die den Abend ermöglicht haben! (Alle Fotos: Anne Osterland)

„Also eigentlich will ich David Bowie oder Madonna sein. Aber das scheitert an mir. Und das Scheitern zeige ich dann.“

Am Freitag, den 17. Mai kehrt unsere Lesereihe nach Weimar zurück. In der ACC Galerie lesen Deniz Ohde, Sina Stolp und Kathleen Kröger aus ihren Texten. Wie immer wird die Veranstaltung von ausgesuchter Musik begleitet und gerahmt. Diesmal haben wir den Weimarer Musiker, Performance- und Medienkünstler Tommy Neuwirth dabei, den wir hier im Kurzinterview vorstellen. http://tommyneuwirth.de/

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Tommy Neuwirth (Foto: Duygu Atçeken)

Lieber Tommy, du arbeitest an den Schnittstellen von Medienkunst, Performance und Musik. Wie greifen diese Bereiche innerhalb deiner Arbeit zusammen?

Ich komme von der Musik. Das ist sozusagen das Element, das mich antreibt. Das Performative hat sich eher so mit der Zeit eingeschlichen. Wenn es darum geht seine Musik auf einer Bühne zu präsentieren, dann kommt man im besten Fall dahin sich zu fragen, was das heißt auf einer Bühne zu stehen. Und wenn man dann ein paar Mal auf eine Bühne gestanden hat, hat das wiederum Einfluss auf die zukünftige Musik. Viele Lieder lassen sich fast gar nicht mehr von der Performance trennen, was es wieder schwerer macht die Lieder allein auf einen Tonträger zu übertragen. Ja, und ich lasse mich auch gern von Sachen – anderer Musiker z.B. – die ich sehr mag beeinflussen bzw. tatsächlich auch ermutigen.

Du bist für unsere Veranstaltung mit deinem bürgerlichen Namen angekündigt, tritts aber auch unter dem Namen „Das weltweite Netzwerk für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ auf. Kannst du einen kurzen Überblick über deine verschiedenen Projekte und Auftrittsweisen geben?

Das fliest ja alles ineinander über. Auftreten tue ich seit 2007. Damals noch zu zweit unter dem Namen THE!. Das war experimentelle elektronische Tanzmusik mit viel Pop-Appeal. Im Studium an der Bauhaus-Uni hatte es sich allhalbjährlich so ergeben, dass wir – ein loser und wechselnder Haufen an Musikbegeisterten – im Rahmen der Bauhaus FM 48 Stunden Sendung längere bis stundenlange Musikimprovisationen veranstaltet haben. Irgendwann saß ich dann nachts allein im Radiostudio und habe 4 Stunden Musik improvisiert. Das hieß dann irgendwann »The Art of Boredom«. Ja, und Langeweile lässt sich heutzutage eigentlich nur mit einem Grundeinkommen realisieren.
Schließlich trete ich seit 2013 unter den Namen »DwNfebG« auf – im Blaumann auf einem Bierkasten stehend, mit Songs, keine Improvisationen. Ich bin nämlich ein Pop-Musiker. Also eigentlich will ich David Bowie oder Madonna sein. Aber das scheitert an mir. Und das Scheitern zeige ich dann. So in etwa.

Tja, und was der Unterschied zwischen Tommy Neuwirth und »DwNfebG« ist? – Vielen Veranstaltern ist der Name zu kryptisch. Oder manchmal ist er einfach viel zu lang für einen Flyer. Haha. Und ich bin dann einfach zu freundlich und sage: Ja dann nehmt halt Tommy Neuwirth.

Das Format im Jenaer Kunsthof war ein Versuch Improvisation zu wagen. Ich werde das jetzt wahrscheinlich auch mehr in meine Konzerte einbauen. Und ich fand das wortlose Improvisieren passender für eine Lesung. Meine vorbereiteten Songs und ihr performativer Charakter sind teilweise zu knallig oder zu plakativ.

Das „weltweite Netzwerk für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ ist für dich sicher mehr als nur ein Name, sondern auch ein tatsächliches Anliegen, oder?

Michael Bohmeyer von »Mein Grundeinkommen« sah mich im Dezember auf dem CCC in Leipzig und schrieb mich kurz danach an, ob ich nicht Lust habe, mal im Rahmen von »Mein Grundeinkommen« aufzutreten. Das fand ich sehr lustig. Ich bewundere den Aktionismus (weis gerade nicht, ob das das richtige Wort ist) von solchen Projekten – von utopischen oder politischen Projekten im Allgemeinen. Aber ich habe mir den Namen eher einfach so angeeignet, einfach weil es möglich ist. Das ist, glaube ich, noch so ein Rest postmoderner Quatsch, aber es kommt auch der Art, wie ich Musik mache sehr nah – also viel Sampling, Bezüge und Preset-Klänge. Nichtsdestotrotz finde ich ein Grundeinkommen eine utopische (im positiven Sinne) und streitbare (im positiven Sinne) Idee.

Bei deinen Musikperformances im Jenaer Kunstverein im März konnte man schnell den Eindruck bekommen, dass DADA-Elemente eine Rolle in deiner Kunst spielen. Ist der Eindruck völlig falsch? Welche Einflüsse prägten oder prägen dich bei der Erarbeitung deiner Stücke?

Ich hatte am 3. Mai einen Auftritt im Retronom in Erfurt zur tollen Ausstellung von Christoph Blankenhain. Danach saß ich mit zwei Bekannten zusammen und es stand die Frage im Raum, ob es Helge Schneider Einflüsse gibt, oder nicht und ob man sich dem Einfluss von Helge Schneider überhaupt verwehren kann und wenn ja ob das überhaupt schlimm ist, weil dieser tolle Künstler einfach, was das Clowneske angeht so viele Sachen vorgelegt hat.

Ich glaube, ich nutze die Bühne, um für mich die Möglichkeit des Scheiterns zu üben, weil mir das im Alltag sehr schwer fällt. Und Scheitern auf der Bühne hat dann sowas Clownhaftes und das kann man ja auch verstärken und übertreiben. Dann kann es schon sehr DADA werden. Es ist aber eher so, dass mich Sachen – wie oben schon mal angedeutet – die ich sehr mag, zu Handlungen ermutigen. Zum Beispiel zu sagen, dass ich mich auf einen Bierkasten stelle und wie ein Alleinunterhalter meine Lieder singe, dass ist der Einfluss von John Maus – ein amerikanischer Popmusiker, der bei Auftritten über die Vollplaypack!!!-Versionen seiner Songs einfach nochmal drüber singt und teilweise schreit. Aber es ist so, dass er mir gezeigt hat, dass man auch ohne Instrument seine Lieder performen kann, dass da ganz viel über den Körper geht. Also ich brauche hin und wieder kleine oder große Anstupser und ich suche dann mit diesen Anstupsern oder unabhängig davon meinen eigenen Ausdruck.

Du stehst ja auch öfter im Zusammenhang mit Literaturveranstaltungen auf der Bühne. Wie ist denn dein Verhältnis zur Literatur, gerade auch in Wechselwirkung mit deiner Kunst? Welche Rolle spielt bspw. Text für dich?

Tolle Frage! Ich tue mich schwer mit Text. Ich möchte hier, glaube ich, gar nicht ausführen, warum das so ist. Das hat auf jeden Fall viel mit Vorsicht zu tun. Viele meiner Texte sind ja oft nur ein Satz, den ich dann wiederhole. Oder wo im Laufe des Song nur ein weiteres Wort hinzukommt, damit die Aussage kippt oder eine Wendung entsteht (»Halte mich, halte mich, … halte mich aus«). Wo ich herkomme, wurde nicht bis sehr wenig gelesen. Und heute lese ich auch eher z.B. soziologische Texte. Und die dann aber auch eher in der naiven Hoffnung, dass sie mir Lebensratgeber sind. Hahahaha. Literatur und Poesie kommen mir aber immer näher und näher. Es ist ja auch so, dass ich hin und wieder kleinere Sachen schreibe. Durch mein Studium ist sogar das kleine Büchlein »Everything Is Alright« entstanden.

Was für Texte sind darin erschienen?

Das Buch versammelt Beobachtungen, die ich in einem herstellenden Betrieb, in dem hohe Reinheitsvorschriften herrschen, sammeln konnte. Da geht es viele um Langeweile und Absurdität. Letzteres habe ich dann in den Texten manchmal noch sehr überspitzt. Die Texte oszillieren zwischen beobachtend, phantastisch und poetisch.

Das werde ich auf jeden Fall lesen. Vielen Dank für deine Antworten!

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #21

Lesung, Gespräch, Musik mit Deniz Ohde, Sina Stolp, Kathleen Kröger und Tommy Neuwirth

17. Mai 2019 – 19:30 Uhr

ACC Galerie Weimar (Burgplatz 1-2, 99423 Weimar)

Eintritt: 5,-€ / ermäßigt 3,-€ (nur Abendkasse)