Rückschau: IN GUTER NACHBARSCHAFT #20

Am 11. April 2019 fand im Franz Mehlhose in Erfurt IN GUTER NACHBARSCHAFT bereits zum 20. Mal statt. Die Leipziger Autorin Isabelle Lehn las dabei aus ihrem aktuellen Roman „Frühlingserwachen“ und sprach mit Moderator Mario Osterland über die Entstehung des Romans, dem Verhältnis von Fakt und Fiktion, sowie gesellschaftliche Tabuisierungen.

Außerdem überzeugten mit ihren teilweise noch unveröffentlichten Texten die Autorinnen Antje Lampe und Sandra Blume. Musikalisch begleitet, gerahmt und wunderbar untermalt wurde der Abend von yanzzon, der nicht nur mit seinem Gitarrenspiel, sondern auch am E-Piano überzeugte.

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Herzlichen Dank an alle Beteiligten Künstler*innen, Förder*innen und Freund*innen! (Alle Fotos © Anne Osterland)

Die nächste Ausgabe IN GUTER NACHBARSCHAFT gibt es am 17. Mai 2019 in der ACC Galerie in Weimar. Dann mit Deniz Ohde, Tommy Neuwirth u.a. Weitere Infos folgen in Kürze hier.

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„Thüringen ist mit tollen Autoren gesegnet und der Freistaat schätzt dieses Potential auch.“

Am 11. April kehrt „In guter Nachbarschaft“ einmal mehr ins Franz Mehlhose nach Erfurt zurück. Dann wird neben Isabelle Lehn und Antje Lampe auch Sandra Blume aus ihren Texten lesen. Wir stellen die Autorin aus Marksuhl im Kurzinterview vor. Ihre Website mit zahlreichen Gedichten und Fotos ist hier zu finden.

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Sandra Blume hat Geschichte, Kulturwissenschaften und Journalistik studiert. Sie arbeitet seit 2005 als freie Texterin, PR-Beraterin und Theaterdramaturgin. Seit 2013 ist sie Pressesprecherin des Wartburgkreises in Thüringen. Im August 2018 erschien der Wandkalender „Beginnende Tage“ mit Texten und Fotografien der Autorin beim Thüringer Landstreicher Verlag. (Foto: Yvonne Bartsch)

Liebe Sandra, auf deiner Website gibst du die Selbstauskunft „[Die] Dichterin lebt mit ihrer kleinen Tochter in einem kleinen Haus auf einem kleinen Hof im Thüringer Wald.“ Das klingt nach einem recht idyllischen Leben.

In gewisser Weise ist das natürlich idyllisch. Ich brauche es ruhig und grün und mit eher weniger Menschen. Ich bin sehr nah an der Natur und registriere die kleinsten Veränderungen im Wechsel der Jahreszeiten, selbst im Licht des Tages. Das brauche ich sehr – wobei ich auch Momente der Ruhe finden muss, das aufzunehmen und vor allem schreibend umzusetzen. Leben im ländlichen Idyll bedeutet nämlich auch: viel Arbeit in Haus und Garten. Obwohl ich durchaus sehr gern in der Erde rumwühle, Blumen pflanze oder Steine schleppe.

Wie nimmst du das literarische Leben oder das Literaturland Thüringen von außerhalb der größeren Städte wahr?

Ich bin dankbar, dass es facebook gibt. Ich habe mich hierüber mit anderen, die schreiben und veröffentlichen vernetzt. Mit Autoren, Verlagen, Initiativen und Einrichtungen. Das ist ungemein bereichernd. Das literarische Leben in den größeren Städten kam mir immer ein wenig elitär vor und ich habe mich als die „Provinzdichterin“, als die ich mich lange empfunden habe, ein bisschen davor versteckt. Unterdessen verbinden mich doch eine Reihe von literarischen Freundschaften mit „Stadtkollegen“. Ich finde, Thüringen ist mit tollen Autoren gesegnet und in meiner Wahrnehmung schätzt der Freistaat dieses Potential auch.

Dein Schreiben folgt einem recht sensitiven, im Grunde romantischen Ansatz. Woher kommt das deiner Meinung nach?

Ich bin ein sehr sensitiver oder noch besser: sehr sinnlicher Mensch. Ich bin wie ein Schwamm, der die kleinsten Details aufsaugt. Und dann kommt das Gefühl dazu und irgendwann später (oder auch gar nicht ;-)) setzt der Verstand ein. Und ja, ich bin romantisch. Ich finde das Leben tatsächlich schön und ich halte mich vorzugsweise an das Schöne.

Sind dir als Dichterin die Klassiker*innen und Romantiker*innen etwas näher, als z.B. zeitgenössische Lyriker*innen?

Nein überhaupt nicht. Ich mag natürlich Rilke – das war meine erste Lyrikliebe und ich mag noch heute diese starken, singenden Gedichte. Meine literarischen Wurzeln liegen aber eher bei Hilde Domin und vor allem bei Eva Strittmatter, deren bodenständige, treffsichere Texte mir viel bedeuten. Ich lese viel zeitgenössische Lyrik und gehe auch gern zu Lesungen in die größeren Städte, wenn ich irgendwie dafür Zeit finde.

Du teilst deine Gedichte bisher vor allem online und häufig in Verbindung mit Naturfotografien. Welchen Stellenwert hat diese zweite Kunst für dich bzw. die Verbindung von Bild und Text?

Die Sache mit den Fotos ist eigentlich nur ein Mittel zum Zweck gewesen, weil ich meine Texte in den Sozialen Medien bebildern musste. Ich bin keine wirklich leidenschaftliche Fotografin und von der Technik habe ich fast gar keine Ahnung. Aber mir haben viele gestandene Fotografen gesagt, dass ich einen ungewöhnlichen Blick für den richtigen Moment hätte. Ich habe zum Fotografieren noch weniger Zeit als zum Schreiben. Auf dem Weg zur Arbeit kurz anhalten, in zwei Minuten festhalten, was mich zum Anhalten gebracht hat und dann weiter eilen, weil das Kind im Auto zur Schule muss und schon die Augen verdreht. Ich mag allerdings diese Verbindung, die ich dann schaffen kann – zwischen Fotos und Texten. Manchmal entsteht beides im gleichen Moment, oft illustriert sich so ein Text dann später wie von selbst mit dem richtigen Foto.

Vielen Dank für deine Antworten. Wir freuen uns auf deine Lesung in Erfurt!

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #20

Lesung, Gespräch, Musik mit Isabelle Lehn, Sandra Blume, Antje Lampe und yanzzon

11. April 2019 – 19:30 Uhr

Franz Mehlhose (Löberstr. 12, 99089 Erfurt)

Eintritt: 5,- € / ermäßigt 3,- € (nur Abendkasse)