Peter Neumann auf dem blauen Sofa

Unser Nachbar Peter Neumann hat kürzlich sein Sachbuch Jena 1800 – Die Republik der freien Geister im Siedler Verlag veröffentlicht. Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stellte er das Buch vor und sprach darüber unter anderen auf dem blauen Sofa. In der Mediathek des ZDF kann man das interessante Gespräch nachsehen.

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Fünf Fragen an Lennardt Loß

Am Freitag, den 29. Juni findet die 17. Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT statt. Diesmal gibt es, wie in jedem Sommer, wieder eine Lesung mit Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Mit dabei ist u.a. Lennardt Loß, der für seinen Text Das Ascheroda Rindermassaker ausgezeichnet wurde. In diesem kleinen Interview erzählt er von seinem literarischen Weg zwischen Jena und Frankfurt/Main.

 

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Lennardt Loß (Foto: Viet Duc Le)

 

Wenn du an deine, wenn auch kurze Zeit in Jena zurückdenkst, was fällt dir dann spontan ein?

Meine erste Lesung, natürlich. Premiere, sozusagen. Bei Euer Summer Edition im August 2016, glaube ich. In so einem Pavillon im Paradies Park, so ein Glas- und Stahlgebäude. Draußen: kaum Wind, bestimmt 32 Grad Celsius. Drinnen: gar kein Wind, gefühlt 42 Grad Celsius. Und ich war abwechselnd brutal nervös und dann wahnsinnig euphorisiert. Nach der Lesung ging’s für einen Sprung in die Saale, schwimmen. Ich freu‘ mich deshalb nach zwei Jahren endlich wieder bei Euch zu lesen. Und aufs Mitternachtbaden in der Saale.

Welche Rolle hat das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen auf deinem bisherigen Weg als Autor gespielt?

Eine große! Für eine meiner ersten Short Stories, die ich geschrieben habe, gab’s 2016 den Anthologiepreis des Jungen Literaturforums-Hessen-Thüringen. Ich dachte damals: Hey, irgendwer scheint das gar nicht so mies zu finden, was du da schreibst. Und hab‘ weitergemacht. Mit dem Literaturforum hat also alles begonnen. Auf einem Workshop, den mir das Literaturforum vor fast zwei Jahren vermittelt hat, habe ich dann meinen Lektor Rainer Weiss kennengelernt. Er hat mich dann auch zu weissbooks.w in Frankfurt am Main vermittelt, wo im Januar 2019 mein Debüt erscheinen wird. Ich habe dem Literaturforum also sehr viel zu verdanken. Und bin auch ein bisschen traurig, dass ich nächstes Jahr nicht mehr teilnehmen kann, weil ich jetzt älter als 25 bin. Das ist Altersgrenze für die Teilnahme beim Wettbewerb.

Wie hat sich dein literarischer Weg verändert, seitdem du in Frankfurt/Main lebst?

In Frankfurt ist alles so richtig in Fahrt gekommen. Dort habe ich meine Verlegerin Anya Schutzbach und eben meinen Lektor Rainer Weiss kennengelernt. Dort habe ich meinen ersten Buchvertrag unterschrieben, mich für Klagenfurt beworben und die Zusage gefeiert. Der Grundstein aber, der wurde in Jena gelegt.

Wie kam es zu deiner Teilnahme beim diesjährigen Bachmannpreis und was hast du gedacht, als du eingeladen wurdest?

Klagenfurt, das war eine Idee meiner Verlegerin. Als sie gefragt hat, ob ich mich da bewerben möchte, dachte ich nur: Ne, das mache ich nicht, mir diesen Stress antun. Dann dachte ich: Lennardt, du eitle Dreckssau, du wirst doch eh nicht eingeladen, mach halt. Jetzt ist es nicht mal mehr ein Monat bis zum Wettlesen. Und ich bin immer noch erstaunt, dass es geklappt hat.

Kannst du schon etwas über deinem kommenden Roman verraten?

Das Buch wird eine Robinsonade ohne Robinson. Eine junge Frau überlebt einen Flugzeugabsturz über dem Pazifik und lebt 25 Jahre auf einer einsamen Insel, bis sie dort gefunden wird. Der Clou ist: Wir erfahren fast nichts über sie. Und das brauchen wir auch nicht, denn das Motiv der Robinsonade ist so tief in unserem kollektiven Bewusstsein verankert, dass wir diese Leerstelle problemlos füllen können. Sie wird vermutlich Nahrung suchen, eine Hütte bauen, ein Stück Land kultivieren. Was man auf einer einsamen Insel halt so macht. Stattdessen lesen wir Short Stories über Figuren, deren Lebenswege mit dem der jungen Frau verknüpft sind. Das kann enger gefasst sein, wie eine Story, die von ihren Eltern erzählt. Das kann aber auch weiter gefasst sein, wie eine Story über den Kapitän, der sie schließlich von ihrer Insel rettet. Wie gesagt: Eine Robinsonade ohne Robinson.

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LENNARDT LOSS, geb. 1992 in Braunschweig, Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Jena und Frankfurt am Main. Seit 2017 arbeitet er als freier Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er wurde beim diesjährigen Jungen Literaturforum für Das Aschenroda Rindermassaker ausgezeichnet und ist in diesem Jahr Teilnehmer beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Sein Debüt erscheint im Frühjahr 2019 bei weissbooks.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€

hr2-Literaturpreis 2018 für Mirandolina Babunashvili

Mirandolina Babunashvili, die bereits beim offenen Mikrofon unserer Lesereihe zu Gast war, erhält für ihren Text Dreizehn den diesjährigen hr2-Literaturpreis. Die in Erfurt lebende Autorin gewann die Online-Abstimmung um den Publikumspreis, für den die Gewinner*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2018 nominiert waren.

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Mirandolina Babunashvili (Foto: privat)

Den Gewinnerinnentext kann man in einer Vertonung des Hessischen Rundfunks unter diesem Link nachhören.

Wir gratulieren Mirandolina Babunashvili herzlich und freuen uns auf ihre Lesung bei der kommenden Ausgabe von In guter Nachbarschaft in Jena.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€

 

Bücherschau: Hier ist es schön

Vergangenen Sommer war Annika Scheffel bei uns in Jena zu Gast. In Schillers Gartenhaus las sie aus dem damals noch unveröffentlichten Manuskript Hier ist es schön. Das Buch ist jetzt bei Suhrkamp erschienen und verbindet gekonnt den Gesellschaftsroman mit Science-Fiction-Elemente, die persönlichen Dramen des modernen Menschen mit den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

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Der Verlag über das Buch:

An einem Tag im August beschließt Irma, die Erde zu verlassen, ihren Eltern und Freunden für immer den Rücken zu kehren und eine Heldin zu werden. Gemeinsam mit dem rätselhaften Sam wird sie in einer spektakulären Fernsehshow dafür ausgewählt, einen neuen Planeten zu besiedeln. Doch dann entscheidet sich Sam plötzlich anders. Er, der abgeschirmt von der Welt aufwuchs, ergreift die Flucht. Er will endlich Antworten auf die Fragen nach seiner Herkunft, nach seiner Geschichte. Und so begeben sich Sam und Irma auf eine Reise – nicht ins All, sondern durch abgestorbene Wälder, lebensfeindliche Städte, entlang leerer Straßen. Sie entdecken eine kaputte Welt von surrealer Schönheit, verfolgt – oder doch gelenkt? – von Mächten, die Puppenspielern gleich im Hintergrund die Fäden ziehen.
Hier ist es schön ist ein so phantastischer wie gegenwärtiger Roman über den Größenwahn der Menschen, die Ausbeutung der Natur, die totale Überwachung, den Zynismus von Reality-Shows – vor allem aber ist es ein Roman über das Wünschen und das Träumen, ein zärtliches Porträt zweier junger Menschen und ihres Kampfes um Freiheit und Selbstbestimmung.

Annika Scheffel – Hier ist es schön. Roman, geb. 389 Seiten, Suhrkamp: Berlin, 2018. 22,-€, ISBN 978-3-518-42794-1 Link zum Buch.

 

 

DSCHERMANS

Peter Neumann hat ein literarisches Blog gestartet. Unter dem Titel DSCHERMANS führt er seine literarische Methode des „deep mapping“, die die Gedicht seines aktuellen Bandes areale & tage bestimmen, mit erzählerischen und essayistischen Mitteln fort. In der Traditionslinie von Walter Benjamins Deutsche Menschen (1936) entsteht einen Folge von Texten und Dokumenten zur deutschen Geschichte von 1883 bis 1983. Im ersten Beitrag Requistorium wird die Projektidee genauer erläutert.

»Dschermans« hat überhaupt kein »Deutschland« zu präsentieren. Es will in die Tiefengeschichte seiner wechselnden Obsessionen eindringen. Was es dort, in der Tiefe, zu finden glaubt? Die Bekanntschaft mit den eigenen Absichten, das wusste Benjamin schon am besten, erfolgt immer erst später, im Nachhinein.

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Peter Neumann (Foto: Dirk Skiba)

Bücherschau im Frühjahr – Teil 8

Im letzten Teil unserer Bücherschau widmen wir und noch einmal einer Neuerscheinung eines ehemaligen Nachbarschafts-Machers. Christian Wölleckes Erzählung Der Durchbruch erschien im Februar bei SuKuLTuR. Darin lernt der Leser Koschottka kennen. In dessen Leben bewegt sich nur noch die Modelleisenbahn durch liebevoll gebastelte Tunnel. Ansonsten herrscht Stillstand. Für Koschottka ist die Sache klar: ein Durchbruch muss her!

Wölleckes Durchbruch ist ein unaufdringliches Portrait, eine Erzählung vom Einsamsein, ein lesenswertes Genrebild.

„Koschottka, der immer geglaubt hatte, auf der richtigen Seite der Mauer zu stehen, fand sich plötzlich auf der falschen Seite wieder. Nicht den Eingang zur Vergangenheit hatte er vermauert, sondern sich selbst den Ausgang aus ihr versperrt.“

SL 165: Christian Wöllecke: Der Durchbruch

 

Das Buch im Verlag bestellen.

Bücherschau im Frühjahr – Teil 7

Bereits bei der Summer Edition der Nachbarschaft 2016 las Demien Bartók am offenen Mikrofon aus seinem Text Die fröhliche Abschaffung von Erfurt-Nord, der damals einige Besucher hellhörig werden lies. Nun ist endlich das Debut des Erfurter Autors erschienen. Neben einem weiteren Auszug aus der Abschaffung finden sich darin zwei weitere Prosatexte auf der Kante zwischen Essay, Erzählung und confessional poetry.

Bartók erzählt von einer langen Phase der Schlaflosigkeit, in der sich seine Wahrnehmung der Wirklichkeit veränderte, reflektiert das Leben in der Thüringer Landhauptstadt und versucht sich darin zu verorten – oder sich zu verweigern.

„Ostdeutschland ist ein grauer Schrottplatz, auf dem man glühende, buntqualmende Partys feiern muss, die die Erdkruste durchstoßen und neue Träume entfachen.“

Eine kompromisslosere und ehrlichere Prosa wird in Thüringen derzeit kaum zu finden sein.

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Blumen & Löcher von Demian Bartók ist als 16. Jahresgabe der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. erschienen. Das Buch kostet 4,50€ und ist direkt über den Verein oder den Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-936305-52-4.