Mirandolina Babunashvili bei hr2-Kultur

Bereits im Juni hatten wir voller Freunde darauf hingewiesen, dass Mirandolina Babunashvili den diesjährigen hr2-Literaturpreis gewonnen hat. Im Nachgang der Frankfurter Buchmesse war sie bei hr2-Kultur zu Gast. Das 25-minütige Gespräch über ihren Werdegang, ihr Schreiben und die literarischen Szenen Hessens und Thüringens kann man unter diesem Link nachhören.

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Mirandolina Babunashvili (Foto: Dirk Skiba)
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Nachlese: Niklas L. Niskate

Kreuzschlag

hungrige wanderer. gestanzt in
orientierung am tag. aber nachts
fetzen. sezierte zensuren
überreste. sanft abgeschlagen

synonyme der zeitdiktatur. in fenstern
sitzende leere. blinde
auf immerfort wachsenden gipfeln
tanzende kinder die gesichter grimassen

optionssinne ausgefahren
zugänglich. ausgerechnete bäume

drehst du diesen körper zu
mir wird es abend. fast bodenlos ich seh dich
verschwommen dreimal die dämmerungen
schlagen die hände die köpfe zum

Dopplungen, fließende

Niklas L. Niskates neuem Gedichtband liegt eine Doppelstruktur des Schreibens zugrunde, wie man aus einer Selbstauskunft des Autors erfährt. Er ließ beim Schreiben der Texte erst einmal alles zu, häufte so sehr viel Textmaterial an, aus dem dann die eigentlichen Gedichte herausgearbeitet wurden. Der Doppelsinn des Titels deutet das schon an. Jeder aufzulösende Knoten muss erst einmal geknüpft werden oder zumindest geknüpft sein. Niskates Knoten sind seine Gedichte, gemacht aus einer Sprache, die auf dem Prüfstand steht, die nicht feststeht, sondern sich im Fließen befindet. Assoziativ erscheinen seine Aneinanderreihungen, assoziativ auch die Brüche innerhalb der Texte.

Dieses Changieren zwischen Gewiss- und Ungewissheiten bestimmen nicht nur sein neues Buch, das im Grunde nur die halbe Wahrheit ist, sondern auch seine Auftritte. Fern der klassischen Lyriklesung performt Niskate seine Texte mit einer Loopstation, die ihm erlaubt, auf der Grundlage des Geschriebenen Musik entstehen zu lassen. Denn wenn die Sprache durchlässig ist, sind es die künstlerischen Gattungen erst recht. So ist es nur konsequent, dass der Autor seine Gedichte zudem in Computergrafiken übersetzt und zur Illustration seines Bandes verwendet hat.

Entwicklung der Knoten ist ein komplexes Unterfangen, das durch seine Offenheit jedoch einlädt, hier und da ein Stück herauszupicken und selbst weiterzuspinnen, weiterzuweben, weiterzu(ent)wickeln.

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Hier geht’s zum Buch.

Peter Neumann zurück bei Blaubart & Ginster – und Lesung in Jena am 16.11.

Peter Neumann war kürzlich zum zweiten Mal Gast in der Radiosendung Blaubart & Ginster. Mit den Moderatoren Ralf Schönfelder und Mario Osterland sprach er über seinen aktuellen Gedichtband areale & tage, seine Prosatechnik des „deep mapping“ und natürlich über sein Erfolgssachbuch Jena 1800 – Die Republik der freien Geister. Die Sendung inkl. zweier Kurzlesungen kann man auf YouTube nachhören und -sehen.

Außerdem liest Peter Neumann am 16.11. in der Villa Rosenthal in Jena aus seinem aktuellen Buch. Alle Informationen dazu gibt es hier.

Robert Wenzl beim 26. open mike

Wir freuen uns sehr darüber, dass unser Nachbar Robert Wenzl zum diesjährigen open mike eingeladen wurde. Auf dem Wettbewerbsblog gibt er Auskunft über sich und sein Schreiben – und erinnert sich auch an uns zurück.

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Robert Wenzl (Foto: Julia Hauck)

Wer liest Deine Texte zuerst?
Ein paar enge Freunde lesen meine Texte meist zuerst. Man muss sich ja ein wenig kennen, um ernsthafte Kritik üben zu können. Manchmal stelle ich meine Texte auch anderen jungen Autoren vor, die ich aus meiner Jenaer Zeit kenne und die sich um die Lesereihe In guter Nachbarschaft um Mario Osterland und Peter Neumann zusammengefunden haben.

Nach einem aktuellen Literaturtipp gefragt antwortet Robert:

Gorch Maltzens »Sträuben«. Nicht nur ist dieses Buch verdammt schlau, sondern auch verdammt gut und unterhaltsam erzählt. Die Dialoge und Erzählungen darin haben in mir einen starken Eindruck einer absurden bis komischen Verlorenheit hinterlassen. Wer also gern über den postmodernen Abgrund schaut, darf sich eingeladen fühlen, dieses Buch zu kaufen.

Da schließen wir uns natürlich an, drücken Robert die Daumen und senden liebe Grüße nach Berlin!

Der open mike ist ein jährlich stattfindender Wettbewerb für junge deutschsprachige Lyrik und Prosa. Er findet in diesem Jahr vom 16. bis 18. November im „Heimathafen Neukölln“ statt. Alle Infos dazu gibt es hier.

Das ganze Interview mit Robert Wenzl kann man hier nachlesen.

Peter Neumann auf dem blauen Sofa

Unser Nachbar Peter Neumann hat kürzlich sein Sachbuch Jena 1800 – Die Republik der freien Geister im Siedler Verlag veröffentlicht. Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stellte er das Buch vor und sprach darüber unter anderen auf dem blauen Sofa. In der Mediathek des ZDF kann man das interessante Gespräch nachsehen.

https://ngp.zdf.de/miniplayer/embed/?mediaID=%2Fzdf%2Fkultur%2Fdas-blaue-sofa%2Fneumann-peter-blaues-sofa-14-10-2018-100

Fünf Fragen an Lennardt Loß

Am Freitag, den 29. Juni findet die 17. Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT statt. Diesmal gibt es, wie in jedem Sommer, wieder eine Lesung mit Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Mit dabei ist u.a. Lennardt Loß, der für seinen Text Das Ascheroda Rindermassaker ausgezeichnet wurde. In diesem kleinen Interview erzählt er von seinem literarischen Weg zwischen Jena und Frankfurt/Main.

 

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Lennardt Loß (Foto: Viet Duc Le)

 

Wenn du an deine, wenn auch kurze Zeit in Jena zurückdenkst, was fällt dir dann spontan ein?

Meine erste Lesung, natürlich. Premiere, sozusagen. Bei Euer Summer Edition im August 2016, glaube ich. In so einem Pavillon im Paradies Park, so ein Glas- und Stahlgebäude. Draußen: kaum Wind, bestimmt 32 Grad Celsius. Drinnen: gar kein Wind, gefühlt 42 Grad Celsius. Und ich war abwechselnd brutal nervös und dann wahnsinnig euphorisiert. Nach der Lesung ging’s für einen Sprung in die Saale, schwimmen. Ich freu‘ mich deshalb nach zwei Jahren endlich wieder bei Euch zu lesen. Und aufs Mitternachtbaden in der Saale.

Welche Rolle hat das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen auf deinem bisherigen Weg als Autor gespielt?

Eine große! Für eine meiner ersten Short Stories, die ich geschrieben habe, gab’s 2016 den Anthologiepreis des Jungen Literaturforums-Hessen-Thüringen. Ich dachte damals: Hey, irgendwer scheint das gar nicht so mies zu finden, was du da schreibst. Und hab‘ weitergemacht. Mit dem Literaturforum hat also alles begonnen. Auf einem Workshop, den mir das Literaturforum vor fast zwei Jahren vermittelt hat, habe ich dann meinen Lektor Rainer Weiss kennengelernt. Er hat mich dann auch zu weissbooks.w in Frankfurt am Main vermittelt, wo im Januar 2019 mein Debüt erscheinen wird. Ich habe dem Literaturforum also sehr viel zu verdanken. Und bin auch ein bisschen traurig, dass ich nächstes Jahr nicht mehr teilnehmen kann, weil ich jetzt älter als 25 bin. Das ist Altersgrenze für die Teilnahme beim Wettbewerb.

Wie hat sich dein literarischer Weg verändert, seitdem du in Frankfurt/Main lebst?

In Frankfurt ist alles so richtig in Fahrt gekommen. Dort habe ich meine Verlegerin Anya Schutzbach und eben meinen Lektor Rainer Weiss kennengelernt. Dort habe ich meinen ersten Buchvertrag unterschrieben, mich für Klagenfurt beworben und die Zusage gefeiert. Der Grundstein aber, der wurde in Jena gelegt.

Wie kam es zu deiner Teilnahme beim diesjährigen Bachmannpreis und was hast du gedacht, als du eingeladen wurdest?

Klagenfurt, das war eine Idee meiner Verlegerin. Als sie gefragt hat, ob ich mich da bewerben möchte, dachte ich nur: Ne, das mache ich nicht, mir diesen Stress antun. Dann dachte ich: Lennardt, du eitle Dreckssau, du wirst doch eh nicht eingeladen, mach halt. Jetzt ist es nicht mal mehr ein Monat bis zum Wettlesen. Und ich bin immer noch erstaunt, dass es geklappt hat.

Kannst du schon etwas über deinem kommenden Roman verraten?

Das Buch wird eine Robinsonade ohne Robinson. Eine junge Frau überlebt einen Flugzeugabsturz über dem Pazifik und lebt 25 Jahre auf einer einsamen Insel, bis sie dort gefunden wird. Der Clou ist: Wir erfahren fast nichts über sie. Und das brauchen wir auch nicht, denn das Motiv der Robinsonade ist so tief in unserem kollektiven Bewusstsein verankert, dass wir diese Leerstelle problemlos füllen können. Sie wird vermutlich Nahrung suchen, eine Hütte bauen, ein Stück Land kultivieren. Was man auf einer einsamen Insel halt so macht. Stattdessen lesen wir Short Stories über Figuren, deren Lebenswege mit dem der jungen Frau verknüpft sind. Das kann enger gefasst sein, wie eine Story, die von ihren Eltern erzählt. Das kann aber auch weiter gefasst sein, wie eine Story über den Kapitän, der sie schließlich von ihrer Insel rettet. Wie gesagt: Eine Robinsonade ohne Robinson.

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LENNARDT LOSS, geb. 1992 in Braunschweig, Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Jena und Frankfurt am Main. Seit 2017 arbeitet er als freier Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er wurde beim diesjährigen Jungen Literaturforum für Das Aschenroda Rindermassaker ausgezeichnet und ist in diesem Jahr Teilnehmer beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Sein Debüt erscheint im Frühjahr 2019 bei weissbooks.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€

hr2-Literaturpreis 2018 für Mirandolina Babunashvili

Mirandolina Babunashvili, die bereits beim offenen Mikrofon unserer Lesereihe zu Gast war, erhält für ihren Text Dreizehn den diesjährigen hr2-Literaturpreis. Die in Erfurt lebende Autorin gewann die Online-Abstimmung um den Publikumspreis, für den die Gewinner*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2018 nominiert waren.

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Mirandolina Babunashvili (Foto: privat)

Den Gewinnerinnentext kann man in einer Vertonung des Hessischen Rundfunks unter diesem Link nachhören.

Wir gratulieren Mirandolina Babunashvili herzlich und freuen uns auf ihre Lesung bei der kommenden Ausgabe von In guter Nachbarschaft in Jena.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€