hr2-Literaturpreis 2018 für Mirandolina Babunashvili

Mirandolina Babunashvili, die bereits beim offenen Mikrofon unserer Lesereihe zu Gast war, erhält für ihren Text Dreizehn den diesjährigen hr2-Literaturpreis. Die in Erfurt lebende Autorin gewann die Online-Abstimmung um den Publikumspreis, für den die Gewinner*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2018 nominiert waren.

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Mirandolina Babunashvili (Foto: privat)

Den Gewinnerinnentext kann man in einer Vertonung des Hessischen Rundfunks unter diesem Link nachhören.

Wir gratulieren Mirandolina Babunashvili herzlich und freuen uns auf ihre Lesung bei der kommenden Ausgabe von In guter Nachbarschaft in Jena.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€

 

Bücherschau: Hier ist es schön

Vergangenen Sommer war Annika Scheffel bei uns in Jena zu Gast. In Schillers Gartenhaus las sie aus dem damals noch unveröffentlichten Manuskript Hier ist es schön. Das Buch ist jetzt bei Suhrkamp erschienen und verbindet gekonnt den Gesellschaftsroman mit Science-Fiction-Elemente, die persönlichen Dramen des modernen Menschen mit den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

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Der Verlag über das Buch:

An einem Tag im August beschließt Irma, die Erde zu verlassen, ihren Eltern und Freunden für immer den Rücken zu kehren und eine Heldin zu werden. Gemeinsam mit dem rätselhaften Sam wird sie in einer spektakulären Fernsehshow dafür ausgewählt, einen neuen Planeten zu besiedeln. Doch dann entscheidet sich Sam plötzlich anders. Er, der abgeschirmt von der Welt aufwuchs, ergreift die Flucht. Er will endlich Antworten auf die Fragen nach seiner Herkunft, nach seiner Geschichte. Und so begeben sich Sam und Irma auf eine Reise – nicht ins All, sondern durch abgestorbene Wälder, lebensfeindliche Städte, entlang leerer Straßen. Sie entdecken eine kaputte Welt von surrealer Schönheit, verfolgt – oder doch gelenkt? – von Mächten, die Puppenspielern gleich im Hintergrund die Fäden ziehen.
Hier ist es schön ist ein so phantastischer wie gegenwärtiger Roman über den Größenwahn der Menschen, die Ausbeutung der Natur, die totale Überwachung, den Zynismus von Reality-Shows – vor allem aber ist es ein Roman über das Wünschen und das Träumen, ein zärtliches Porträt zweier junger Menschen und ihres Kampfes um Freiheit und Selbstbestimmung.

Annika Scheffel – Hier ist es schön. Roman, geb. 389 Seiten, Suhrkamp: Berlin, 2018. 22,-€, ISBN 978-3-518-42794-1 Link zum Buch.

 

 

DSCHERMANS

Peter Neumann hat ein literarisches Blog gestartet. Unter dem Titel DSCHERMANS führt er seine literarische Methode des „deep mapping“, die die Gedicht seines aktuellen Bandes areale & tage bestimmen, mit erzählerischen und essayistischen Mitteln fort. In der Traditionslinie von Walter Benjamins Deutsche Menschen (1936) entsteht einen Folge von Texten und Dokumenten zur deutschen Geschichte von 1883 bis 1983. Im ersten Beitrag Requistorium wird die Projektidee genauer erläutert.

»Dschermans« hat überhaupt kein »Deutschland« zu präsentieren. Es will in die Tiefengeschichte seiner wechselnden Obsessionen eindringen. Was es dort, in der Tiefe, zu finden glaubt? Die Bekanntschaft mit den eigenen Absichten, das wusste Benjamin schon am besten, erfolgt immer erst später, im Nachhinein.

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Peter Neumann (Foto: Dirk Skiba)

Bücherschau im Frühjahr – Teil 8

Im letzten Teil unserer Bücherschau widmen wir und noch einmal einer Neuerscheinung eines ehemaligen Nachbarschafts-Machers. Christian Wölleckes Erzählung Der Durchbruch erschien im Februar bei SuKuLTuR. Darin lernt der Leser Koschottka kennen. In dessen Leben bewegt sich nur noch die Modelleisenbahn durch liebevoll gebastelte Tunnel. Ansonsten herrscht Stillstand. Für Koschottka ist die Sache klar: ein Durchbruch muss her!

Wölleckes Durchbruch ist ein unaufdringliches Portrait, eine Erzählung vom Einsamsein, ein lesenswertes Genrebild.

„Koschottka, der immer geglaubt hatte, auf der richtigen Seite der Mauer zu stehen, fand sich plötzlich auf der falschen Seite wieder. Nicht den Eingang zur Vergangenheit hatte er vermauert, sondern sich selbst den Ausgang aus ihr versperrt.“

SL 165: Christian Wöllecke: Der Durchbruch

 

Das Buch im Verlag bestellen.

Bücherschau im Frühjahr – Teil 7

Bereits bei der Summer Edition der Nachbarschaft 2016 las Demien Bartók am offenen Mikrofon aus seinem Text Die fröhliche Abschaffung von Erfurt-Nord, der damals einige Besucher hellhörig werden lies. Nun ist endlich das Debut des Erfurter Autors erschienen. Neben einem weiteren Auszug aus der Abschaffung finden sich darin zwei weitere Prosatexte auf der Kante zwischen Essay, Erzählung und confessional poetry.

Bartók erzählt von einer langen Phase der Schlaflosigkeit, in der sich seine Wahrnehmung der Wirklichkeit veränderte, reflektiert das Leben in der Thüringer Landhauptstadt und versucht sich darin zu verorten – oder sich zu verweigern.

„Ostdeutschland ist ein grauer Schrottplatz, auf dem man glühende, buntqualmende Partys feiern muss, die die Erdkruste durchstoßen und neue Träume entfachen.“

Eine kompromisslosere und ehrlichere Prosa wird in Thüringen derzeit kaum zu finden sein.

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Blumen & Löcher von Demian Bartók ist als 16. Jahresgabe der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. erschienen. Das Buch kostet 4,50€ und ist direkt über den Verein oder den Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-936305-52-4.

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 6

Im Jahr 2014 gründete Moritz Gause gemeinsam mit Romina Nikolic die unabhängige Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ in Jena. Es war nur eines der zahlreichen Literaturprojekte, die der 1986 in Berlin geborene Autor von 2009 bis 2015 in Thüringen initiierte. Mit Lesereihen, literarische Werkstätten, Ausstellungen etc. wurde Gause in dieser Jahren schnell zu einer der kreativsten Gestalter der Literaturszene im Freistaat.

Nach seinem zweijährigen Aufenthalt als Sprachassistent in Bishkek/Kirgistan veröffentlicht Moritz Gause nun den Gedichtband Meditationen hinterm Supermarkt, in dem er den Orten nachspürt, die in den letzten zehn Jahren besonders prägend für ihn waren. Vom Jenaer Stadtteil Winzerla, über Berlin, Istanbul und Russland, bis schließlich in die zentralasiatische Steppe reichen die stimmungsvollen Meditationen Gauses.

Der Verlag über das Buch:

wo geht die Erde zuende / wo fangen die Geschichten an: Für Moritz Gause ist die asiatische Steppe Poesie gewordene Landschaft. Zwischen kargen Horizonten, unterwegs in Trolleybussen und Taxen, verstrickt in uferlose Küchengespräche entdeckt er im Verloren-Gehen den eigentlichen Sinn des Reisens. Und wer das einmal weiß, kann überall herrlich fremd sein: In Bishkek, Kirgistan und Jena-Winzerla, an einer Imbissbude in Berlin oder in einer Patisserie in Istanbul.
Gauses Gedichte sind verwackelte Schnappschüsse von unterwegs, die mit wenigen Bildern eine ganze Geschichte erzählen. Oder ein ganzes Märchen. Genau so sollte ein Debüt sein: maßlos in seiner Hingabe an Menschen, Landschaften und Dinge, pathetisch und cool zugleich.

Im Verlagsblog der Edition AZUR illustriert der Autor mit Fotos und Videos die Entstehung des Buches.

Moritz Gause im Interview aus Bishkek/Kirgistan.

Moritz Gause liest aus Meditationen hinterm Supermarkt am 15. Mai 2018 in Berlin (ORi Projektgalerie, Friedelstraße 8)

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 5

Den Weimarer Autor Gorch Maltzen lernten wir 2016 als Gast am offenen Mikrofon von „In guter Nachbarschaft“ kennen. Seither verfolgen wir sein literarisches Schreiben und freuen uns sehr nun sein Debut Sträuben (Edition Muschelkalk) vorstellen zu können. Der Band enthält 11 Erzählungen und einen dramatischen Text, der in drei Akte aufgegliedert ist und die einzelnen Kapitel der Textsammlung einleitet.

Gorch Maltzen hat einen Weg gefunden von der unmittelbaren Gegenwart zu erzählen und es geschafft dabei angegriffene Sprachformen hinter sich zu lassen. Inhaltslose Ironie oder zynische Lakonie wird man in Sträuben ebenso wenig finden, wie pseudophilosophische Generationenbilder und postmoderne Knalleffekte. Stattdessen gilt es hier einen neuen erzählerischen Sound zu entdecken, der vielfältige Themen und Phänomene von Arbeitsverhältnissen, Männlichkeitskonzepten oder Paarbeziehungen genau jetzt, genau hier verhandeln.

Gorch Maltzen im Interview auf unserer Website.

Gorch Maltzen zu Gast bei Blaubart & Ginster im Radio OKJ am Montag, den 2. April um 15 Uhr.

Die Website des Autors.

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 4

Seit 2016 ist Peter Neumann einer der Organisatoren von „In guter Nachbarschaft“ und längst eine der interessantesten Stimmen in der literarischen Landschaft Thüringens und darüber hinaus. Kürzlich wurde er für seine Prosacollage Abwerts Fallen mit dem Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 17. April im Kulturhaus Dacheröden in Erfurt statt.

Als Schriftsteller hat Peter Neumann sich vor allem mit Gedichten einen Namen gemacht. Seinem Debut Schonung (2009) folgte 2014 der Band geheuer. In diesem Frühjahr erscheint sein dritter Lyrikband areale & tage in der Dresdner Edition AZUR, in dem er unter anderem das in der deutschsprachigen Literatur noch weitgehend unbekannte Verfahren des „deep mapping“ (dt. Tiefenkartierung) einführt und sogleich für die Lyrik nutzbar macht.

Der Verlag über das Buch:

Peter Neumann ist der skeptische Romantiker der Gegenwartslyrik. In seinen neuen Gedichten spürt er den magischen Momenten nach, in denen die Begrenzungen von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind – wenn Geschichte sich in eine Region einschreibt, in ganz bestimmten Arealen kristallisiert. Hier formieren sich sterbende Hummeln zu einem Schlachtengemälde tübkeschen Ausmaßes, dort haben sich die Spuren von Planierraupen tief in den Stein hineingefräßt. An den Rändern der Landschaft fluoresziert das Digitale. Dazwischen detonieren Augenblicke geräuschlos nacheinander.

Die Geschichte ist zurück – oder war sie niemals weg? Peter Neumann nimmt in seinen neuen Gedichten Dinge in den Blick, welche die Zeit in einem Zustand der Latenz überdauert haben: Landschaftsdichtung als Tiefenkartierung.

Peter Neumann liest aus areale & tage am:

24. März 2018 in Jena (Galerie im Stadtspeicher, Markt 16)

15. Mai 2018 in Berlin (ORi Projektgalerie, Friedelstraße 8)

 

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 3

Anlässlich unserer Summer Edition im Juli 2016 las Anja Kampmann aus ihrem Gedichtband Proben von Stein und Licht, erschienen im Hanser Verlag. Allerdings kündigte sich damals bereits ein Debut-Roman an, der nun unter dem Titel Wie hoch die Wasser steigen im gleichen Verlag erschienen und für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist. Wir freuen uns riesig für Anja Kampmann und drücken ihr für die Preisverleihung die Daumen!

Der Verlag über das Buch:

Wenzel Groszak, Ölbohrarbeiter auf einer Plattform mitten im Meer, verliert in einer stürmischen Nacht seinen einzigen Freund. Nach dessen Tod reist Wenzel nach Ungarn, bringt dessen Sachen zur Familie. Und jetzt? Soll er zurück auf eine Plattform? Vor der westafrikanischen Küste wird er seine Arbeitskleider wegwerfen, wird über Malta und Italien aufbrechen nach Norden, in ein erloschenes Ruhrgebiet, seine frühere Heimat. Und je näher er seiner großen Liebe Milena kommt, desto offener scheint ihm, ob er noch zurückfinden kann. Anja Kampmanns überraschender Roman erzählt in dichter, poetischer Sprache von der Rückkehr aus der Fremde, vom Versuch, aus einer bodenlosen Arbeitswelt zurückzufinden ins eigene Leben.

Anja Kampmann liest mehrmals aus Wie hoch die Wasser steigen im Rahmen der Leipziger Buchmesse und ist anschließend auf Lesereise in Deutschland und der Schweiz. Alle Termine hier.

 

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 2

Im November 2016 war der Siegener Dichter Crauss bei uns zu Gast und begeisterte im Franz Mehlhose in Erfurt mit einer leidenschaftlichen Lesung seiner Gedichte und Prosa. Dabei trug er auch Texte aus einem damals noch unveröffentlichten Manuskript mit Fliegergedichten vor. Diese Gedichte sind jetzt in Form seines neues Buches Die harte Seite des Himmels im Verlagshaus Berlin erschienen!

Darin spürt Crauss den Pilotmythen der Moderne nach, erzählt von ihren Nachtflügen, von Fern- und Heimweh nach wartenden und zurückgelassenen Lieben, vom Spiel elementarer Kräfte am Boden und in der Luft — das alles mit einer unverwechselbaren Sprache, deren poetische Sinnlichkeit längst zum Markenzeichen des Autors geworden ist.

wir suchten schutz / vor scheinwerfern, die unseren blicken folgten. / wir waren piloten, bruchschatten / krachten auf uns herab, nie haben wir wieder / dermaszen gezittert, geküsst und überlebt / unter dem viel zu kleinen frotteehimmel.

Außerdem erscheint demnächst von Crauss unter dem Titel Schundfaktor. Hybride & Destillate eine Sammlung mit Essays, Literatur- und Filmkritiken im Verlag Dreiviertelhaus.

Der Verlag über das Buch:

Wir beobachten den Autor beim intimen Gedankengespräch mit gehemmten oder wütenden Kollegen, Ikonen, Fetischen. Wir folgen ihm durch tote Orte des heimatlichen Westfalens über Gleitstufen einer globalisierten Stadtbeschleunigung in eine Textwelt, die sich nicht fürchtet, als Sekundärliteratur synästhetisch und sinnlich zu wirken.

Crauss liest im Rahmen der Leipziger Buchmesse. Infos und Termine gibt es hier.