12.10. – Frankfurt am Main – „Was ich verschwieg ist diese Landschaft“ – Neue Lyrik und Prosa

Am 12.10.2018 finden im Rahmen der Frankfurt Buchmesse verschiedene Lesungen unter dem Titel Was ich verschwieg ist diese Landschaft – Neue Lyrik und Prosa am Gemeinschaftsstand des Freistaats Thüringen statt.

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Gemeinschaftsstand des Freistaat Thüringen – Halle 3.1 / Stand F65

11:00 – 11.45 Lennardt Loß und Romina Nikolic
13:00 – 13:45 Mirandolina Babunashvili und Joshua Schößler
15:00 – 15:45 Peter Neumann und Kinga Tóth
17:00 – 17:45 Crauss und Andra Schwarz

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Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2018 stellen sich acht Schriftsteller*innen in Lesung und Gespräch vor, die in Thüringen leben oder durch ihre enge Zusammenarbeit mit der Lesereihe In guter Nachbarschaft mit dem literarischen Leben im Freistaat verbunden sind. Die Autor*innen lesen aus ihren aktuellen Veröffentlichungen und teilweise noch unpublizierten Werken und geben so einen Einblick in ihr aktuelles Schaffen. Darüber hinaus diskutiert der Erfurter Autor und Moderator Mario Osterland mit den Lesenden u.a. über die Möglichkeiten der Literatur im 21. Jahrhundert, über deren politische und gesellschaftliche Relevanz, sowie ihre Anerkennung auch über die Buchbranche hinaus.

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MIRANDOLINA BABUNASHVILI, geb. 1996 in Kaiserslautern, wuchs in Darmstadt auf und studierte von 2015 bis 2018 Internationale Beziehungen und Sozialwissenschaften an der Universität Erfurt. 2017 war sie Teilnehmerin am Literaturlabor Wolfenbüttel. 2018 wurde sie u.a. mit dem hr2-Literaturpreis ausgezeichnet.

CRAUSS, geb. 1971, ist im hauptleben dichter, daneben dozent für sprachpraxis an der universität siegen. er wurde mitte der 1990er jahre durch neue, produktive verfahren einer videoclip-ästhetik in der lyrik einem breiteren publikum bekannt. Crauss wurde mit wichtigen stipendien gefördert, mit literaturpreisen ausgezeichnet und seine dichtung in die 10+ wichtigsten sprachen der welt übersetzt. Zuletzt erschien von ihm der Gedichtband „Die harte Seite des Himmels“ (Verlagshaus Berlin) und der Essayband „Schundfaktor“ (Verlag Dreiviertelhaus). http://crauss.de/

LENNARDT LOSS, geb. 1992 in Braunschweig, Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Jena und Frankfurt am Main. Seit 2017 arbeitet er als freier Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er war in diesem Jahr Teilnehmer beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Sein Debüt erscheint im Frühjahr 2019 im Weissbooks Verlag.

PETER NEUMANN, geb. 1987 in Neubrandenburg, lebt als freier Schriftsteller in Weimar und lehrt Philosophie mit Schwerpunkt Deutscher Idealismus an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2018 wurde er mit dem Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm der Gedichtband „areale & tage“ in der edition AZUR und das Sachbuch „Jena 1800 – Die Republik der freien Geister“ (Siedler Verlag).

ROMINA NIKOLIC, geb. 1985 in Suhl. Sie studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Jena. Derzeit arbeitet sie an ihrer Dissertation zum Werk Paulus Böhmers an der TU Braunschweig. Sie war zweimal Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen und erhielt das Walter-Dexel-Stipendium der Stadt Jena.

JOSHUA SCHÖßLER, geb. 1992 in Düsseldorf, studierte Philosophie und Germanistische Literaturwissenschaft in Jena, lebt derzeit in Offenbach. 2017 gewann er u.a. den hr2-Literaturpreis. http://www.skklnt.wordpress.com

ANDRA SCHWARZ, geb. 1982 in der Oberlausitz, lebt in Leipzig. Nach einer Instrumentalausbildung in klassischer Gitarre am Musikgymnasium Schloss Belvedere in Weimar und einem längeren Aufenthalt in Südafrika studierte sie Kunstgeschichte und Germanistische Literaturwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle. Später folgte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2017 gewann sie den Leonce-und-Lena Preis beim 20. Literarischen März in Darmstadt. Im Herbst 2017 erschien ihr Debüt „Am morgen sind wir aus glas“ (Poetenladen).

KINGA TÓTH, geb. 1983 in Sarvar/Ungarn, ist u.a. Sprachwissenschaftlerin und Sound-Poetin. Sie ist aktives Mitglied in verschiedenen Kulturverbänden, darunter dem József Attila Kör. Sie schreib auf Englisch, Deutsch und Ungarisch und ist besonders für ihre Live-Performances bekannt. 2016 war sie Jenaer Stadtschreiberin (Rosenthal-Stipendium), derzeit ist sie Stipendiatin der Stadt Graz. Auf deutsch erschien von ihr zuletzt der Gedichtband „Wir bauen eine Stadt“ (Parasitenpresse).

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Die Veranstaltung wird gefördert durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft & Digitale Gesellschaft.

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Rückschau: In guter Nachbarschaft #17

Auch in diesem Jahr gab es im Rahmen unserer Lesereihe wieder eine Veranstaltung mit aktuellen und früheren Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Am 29.6. lasen Stefan Petermann, Mirandolina Babunashvili und Lennardt Loß im schönen Café Paradise Birds in Jena.

Die Kooperation mit dem Jungen Literaturforum ist für uns nicht nur zur schönen Tradition geworden, sondern bedeutet für uns eine nachhaltige und langfristige Förderung des literarischen Nachwuchses im Freistaat und darüber hinaus.

Lennardt Loß, der vor zwei Jahren bei unserer Summer Edition im Jenaer Paradies seine allererste Lesung bestritt, kehrte zu uns zurück und las nicht nur seinen jüngst prämierten Text Das Ascheroda Rindermassaker, sondern auch seinen vormaligen Preistext Russischer Tango. „So schließt sich also der Kreis“, sagte er an diesem Abend, bevor er zum Bachmannpreis nach Klagenfurt aufbrach.

Mirandolina Babunashvili las ihren aktuellen Preisträgerinnentext Dreizehn, für den sie zudem mit dem hr2-Literaturpreis 2018 ausgezeichnet wurde. Sie setzte sich damit in einer Publikumsabstimmung gegen die anderen Preisträger*innen des diesjährigen Jungen Literaturforums durch. Zudem stellte sie ihren berührenden Text Im März vor, der von der existentiellen Not einer jungen Mutter im Krieg erzählt.

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Der Weimarer Autor Stefan Petermann, dessen literarischer Weg als Preisträger des Jungen Literaturforums 2004 begann, stellte schließlich einige seiner literarischen Facebook-Postings vor. Darin kommentiert er auf satirische, tiefgehende und sprachlich raffinierte Weise Ereignisse aus dem aktuellen Politik- und Mediengeschehen. Zudem las er aus einem noch unveröffentlichten Text, der von einem ebenso traurigen wie absurden Lebensweg eines Asylsuchenden in Deutschland erzählt.

Beschlossen wurde der Abend mit einem Autor*innengespräch in dem Loß, Babunashvili und Petermann von ihren Erfahrungen mit dem Jungen Literaturforum erzählten und Einblicke in ihre aktuellen Arbeitsprozesse gaben.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Zuhörer*innen, den Autor*innen und dem Team vom Paradise Birds für den gelungenen Abend. Die Literarische Gesellschaft Thüringen, die Thüringer Staatskanzlei und das Hessischen Literaturforum im Mousonturm haben diese Veranstaltung großzügig gefördert. Auch dafür ein herzlicher Dank.

(Fotos: Anne Osterland)

Die nächste Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT findet am 26.10. in Erfurt (Franz Mehlhose) statt. Es lesen und performen dann Niklas L. Niskate und Robert Prosser.

hr2-Literaturpreis 2018 für Mirandolina Babunashvili

Mirandolina Babunashvili, die bereits beim offenen Mikrofon unserer Lesereihe zu Gast war, erhält für ihren Text Dreizehn den diesjährigen hr2-Literaturpreis. Die in Erfurt lebende Autorin gewann die Online-Abstimmung um den Publikumspreis, für den die Gewinner*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2018 nominiert waren.

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Mirandolina Babunashvili (Foto: privat)

Den Gewinnerinnentext kann man in einer Vertonung des Hessischen Rundfunks unter diesem Link nachhören.

Wir gratulieren Mirandolina Babunashvili herzlich und freuen uns auf ihre Lesung bei der kommenden Ausgabe von In guter Nachbarschaft in Jena.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€

 

29.6. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

Lesung mit Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2018.

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Freitag, 29. Juni 2018 – 19:30 Uhr

Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt: 5,-€/ ermäßigt 3,-€ (nur Abendkasse)

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Das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen schreibt jedes Jahr einen Literaturwettbewerb aus, an dem sich 16- bis 25-Jährige mit Wohnsitz in Hessen und Thüringen beteiligen können. Bei der unabhängigen Lesereihe In guter Nachbarschaft gehört es zur guten Tradition, die aktuellen Preisträger*innen aus ihren prämierten Texten lesen zu lassen: Texte, die unserer eigenen Gegenwart auf der Spur sind, Stimmen, die uns von jetzt an begleiten werden.

In diesem Jahr freuen wir uns besonders auf das Wiedersehen mit Autor*innen, die bereits zuvor bei uns zu Gast waren oder durch verschiedene Kooperationen mit unserer Lesereihe mit uns verbunden sind.  Durch den nachhaltigen Kontakt den wir mit eingeladenen Autor*innen pflegen, ergibt sich für das Publikum in diesem Jahr die Möglichkeit sowohl Entwicklungen zweiter Nachwuchsautor*innen, als auch die Fortschreibungen eines bereits etablierten Schriftstellers nachzuvollziehen.

LENNARDT LOSS, geb. 1992 in Braunschweig, Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Jena und Frankfurt am Main. Seit 2017 arbeitet er als freier Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er wurde beim diesjährigen Jungen Literaturforum für Das Aschenroda Rindermassaker ausgezeichnet und ist in diesem Jahr Teilnehmer beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Sein Debüt erscheint im Frühjahr 2019 bei weissbooks.

MIRANDOLINA BABUNASHVILI, geb. 1996 in Kaiserslautern, wuchs in Darmstadt auf und studiert seit 2015 Internationale Beziehungen und Sozialwissenschaften an der Universität Erfurt. 2017 war sie Teilnehmerin am Literaturlabor Wolfenbüttel.

STEFAN PETERMANN, geb. 1978 in Werdau, studierte an der Bauhaus-Universität in Weimar. 2009 erschien sein Debütroman Der Schlaf und das Flüstern. Er erhielt verschiedene Stipendien und Auszeichnungen. 2015 war er Stadtschreiber im österreichischen Wels. Für seinen Roman Das Gegenteil von Henry Sy erfand er die Hauptfigur auf Facebook. Zuletzt erschien der Erzählband Der weiße Globus.

Der Abend wird moderiert von Peter Neumann und Mario Osterland.

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Die Reihe In guter Nachbarschaft ist ein Projekt der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. und wird unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei. Mit freundlicher Unterstützung des Hessischen Literaturforums im Mousonturm e.V.

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In guter Nachbarschaft ist Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen: http://lesereihen.org/

Vorgestellt: Mirandolina Babunashvili

Mirandolina Babunashvili, geb. 1996 in Kaiserslautern. Sie wuchs in Darmstadt auf und studiert seit 2015 Internationale Beziehungen und Sozialwissenschaften an der Universität Erfurt. Sie ist Teil des jungen Autorenkollektivs sexyunderground in Frankfurt/Main.

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Mario Osterland: Liebe Mira, du hast im Dezember 2015 bei uns am offenen Mikrofon gelesen. Wie bist du damals auf In guter Nachbarschaft aufmerksam geworden?

Mirandolina Babunashvili: Ich habe im Dezember 2015 auch bei einer Lesung an der Universität Erfurt teilgenommen (Poetry & Prosa), da hat mich der Autor Stefan Petermann angesprochen und mich auf In guter Nachbarschaft aufmerksam gemacht. Daraufhin habe ich Peter kontaktiert.

M.O.: Die Mundpropaganda zwischen den Thüringer Städten funktioniert also. Du bist ja erst seit 2015 in Erfurt. Hast du dich sozusagen gleich auf die Suche nach einer „jungen“ Literaturszene gemacht?

M.B.: Genau. Zunächst hatte ich ein wenig Bedenken, als ich für mein Studium nach Thüringen gezogen bin, ob es hier genügend Möglichkeiten gibt literarisch aktiv zu sein, wie im Rhein-Main-Gebiet zum Beispiel. Aber ich habe zum Glück sehr bald junge Menschen kennengelernt, die in der Thüringer Literaturszene aktiv sind.

M.O.: Da gibt es sicher einige Unterschiede.

M.B.: Sicher ist im Rhein-Main-Gebiet „mehr los“, um das einfach zu formulieren. Aber das liegt natürlich daran, dass die Kultur- und Literaturszene der Stadt Frankfurt am Main eine lange Tradition hat, dementsprechend finden nicht nur mehr Events statt, sondern auch die Förderangebote für junge Schreibende sind zahlreicher. Da gibt es im Osten Aufholbedarf. Aber trotzdem gibt es auch hier viele junge Kreative die sich in ihrer Freizeit engagieren und sich darum bemühen die Thüringer Literaturszene aufleben zu lassen.

M.O.: Förderangebote für junge Schreibende ist ein Stichwort. Du bist Teil des jungen Autorenkollektivs sexyunderground aus Frankfurt/Main. Was hat es damit auf sich?

M.B.: Das ist die junge Abteilung des Frankfurter Literaturhauses. Mitglieder des Autorenkollektivs sind die ehemaligen Teilnehmer des Workshops namens Schreibzimmer, der auch am Literaturhaus stattfindet. Die Idee war einen Raum herzustellen, in dem die jungen Schreibenden miteinander in Kontakt bleiben und gemeinsam an ihren Texten arbeiten können. Einmal im Jahr stellen wir unsere Ergebnisse dann bei einer Lesung im Literaturhaus vor. Hauptsächlich geht es bei unseren Treffen, die einmal im Monat stattfinden, um Textbesprechung bzw. Textkritik, aber ab und zu erhalten wir auch Besuch von Menschen aus dem Literaturbetrieb (Autoren, Lektoren etc.) die ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit uns teilen.

M.O.: Da kommt es dir sicher gelegen, dass die Textwerkstatt Poesie & Praxis in Jena gerade wiederbelebt wurde, an der du ja auch teilnimmst.

M.B.: Auf jeden Fall. Ich schätze Schreibwerkstätten sehr. Mit 17 Jahren habe ich zum ersten Mal an einer Werkstatt teilgenommen und das hat mein Schreiben komplett verändert. Wenn ich meine Texte vor und nach der Schreibwerkstatt vergleiche, staune ich selbst wie sehr ich mich verändert habe. Ich denke das wird auch den Teilnehmern von Poesie & Praxis so ergehen, vor allem denjenigen die zum erstenmal an einer Textwerkstatt teilnehmen. Aber ich freue mich auch darauf Neues zu lernen und meinen „literarischen Blick“ zu schärfen. Denn bei Textwerkstätten geht es ja meistens vordergründig um das „Handwerkliche“, also quasi „Do’s & Don’ts“ beim Schreiben, die es trotz aller Freiheit, die die Kunst einem bietet, gibt. Da ist es auch interessant zu sehen, welche Tipps die Leiter der Textwerkstätten den Teilnehmern an die Hand geben, da es auch in diesem Bereich unterschiedliche Auffassungen geben kann. Aber ich möchte sagen, dass ich auch an Poesie & Praxis teilnehme, weil es mir großen Spaß macht über Literatur zu sprechen und ich neugierig bin, was denn die anderen jungen Autoren schreiben. Auch das ist eine Möglichkeit sich inspirieren zu lassen.

M.O.: Ich habe dich jetzt als Prosaautorin kennengelernt. Was reizt dich am Erzählen?

M.B.: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nie lange darüber nachgedacht habe, welche Form des Ausdrucks ich wählen soll. Es ist mehr eine intuitive Entscheidung. Ich schreibe, wenn ich etwas bestimmtes zu sagen habe und die Form die in der Vergangenheit am Besten dazu gepasst hat war Prosa. Wenn ich einmal das Gefühl haben sollte, dass ich mich in einem Gedicht besser ausdrücken kann, dann werde ich das tun. Dazu kommt auch, dass ich am liebsten Prosa lese.

M.O.: Welche Prosa hat dich zuletzt beeindruckt?

M.B.: Eine sehr schwierige Frage, weil mich vieles auf seine Art und Weise beeindruckt. Aber um ein paar Beispiele zu nennen: Ich habe Eugénie Grandet von Honoré de Balzac gelesen, da hat mich natürlich Balzacs Art zu erzählen beeindruckt, er hat einen unverwechselbaren eigenen Ton, wie auch die unglaublich plastische Ausgestaltung der Figuren. Zudem beeindruckt mich Dostojewski immer wieder. Zuletzt habe ich die Brüder Karamasow von ihm gelesen. Was mich an ihm beeindruckt sind nicht nur seine psychoanalytischen Fähigkeiten, sondern auch die ausschweifende, ich würde fast sagen „russische“ Art zu erzählen. Er schafft es passagenweise nur zu beschreiben, ohne das man sich langweilt. Mein deutscher Lieblingsautor ist Erich Maria Remarque. Was mich an ihm beeindruckt ist, dass er es schafft gefühlvoll zu sein, zu berühren, aber gleichzeitig sehr kühl und schlicht zu sein.

M.O.: Mit der „russischen Art“ des Erzählens geht der Blick nach Osten. Ein Teil deiner Familie stammt aus Georgien. Verfolgst du die georgische Literatur? Kannst du vielleicht sogar jemanden empfehlen, den es in Deutschland noch zu entdecken gilt?

M.B.: Richtig, ich bin halb Georgierin und lese auch sehr gerne auf georgisch. Ich kann die georgische Literatur sehr empfehlen, da sie sich unterscheidet von der westlich-europäischen, russischen aber auch orientalischen Literatur, aufgrund der Eigenheiten der Kultur und Sprache die sich keiner dieser Regionen zuordnen lassen. Da gibt es also etwas Neues zu entdecken. Georgisch sprechen leider nicht sehr viele Menschen, sodass ein Großteil der Literatur noch nicht übersetzt wurde, aber daran wird gerade gearbeitet. Vor allem die Übersetzungen ins Deutsche haben zugenommen und 2018 ist Georgien Gastland auf der Frankfurter Buchmesse, sodass spätestens da deutsche Leser die Möglichkeit haben werden mit der georgischen Literatur in Berührung zukommen.
Was die Empfehlung angeht, da muss ich zunächst Schota Rustaweli erwähnen, er ist sozusagen der Nationaldichter Georgiens und hat Der Recke im Tigerfell verfasst, ein Epos das jeder Georgier zumindest passagenweise auswendig kennt und dessen Stellung in der georgischen Literatur in etwa mit der von Goethes Faust in der deutschen zu vergleichen wäre. Von den Schriftstellern der Gegenwart kann ich Lascha Bugadze empfehlen, sein Buch Der Literaturexpress ist kürzlich auf Deutsch erschienen, aber auch Esma Oniani oder Anastasia Kordsaia-Samadashvili.

M.O.: Klingt so, als könne man sich auf die Buchmesse 2018 freuen. Bist du selbst daran interessiert georgische Literatur ins Deutsche zu übersetzen?

M.B.: Um ehrlich zu sein, kann ich mir selbst nicht vorstellen als Literaturübersetzerin tätig zu sein, da ich mich dieser höchst anspruchsvollen Aufgabe zumindest im Moment noch nicht gewachsen fühle. Was ich mir aber sehr wohl vorstellen kann ist Themen und Eigenheiten der georgischen und deutschen Literatur beim Schreiben miteinander zu vereinen, um sie so Lesern in Deutschland etwas näher zu bringen.

M.O.: Das passt ja auch gut mit deiner Studienwahl zusammen.

M.B.: Ja, in der Tat. Auch wenn Literatur da weniger eine Rolle spielt.

M.O.: Dann lass uns vorerst hier enden. Vielen Dank!