Peter Neumann auf dem blauen Sofa

Unser Nachbar Peter Neumann hat kürzlich sein Sachbuch Jena 1800 – Die Republik der freien Geister im Siedler Verlag veröffentlicht. Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stellte er das Buch vor und sprach darüber unter anderen auf dem blauen Sofa. In der Mediathek des ZDF kann man das interessante Gespräch nachsehen.

https://ngp.zdf.de/miniplayer/embed/?mediaID=%2Fzdf%2Fkultur%2Fdas-blaue-sofa%2Fneumann-peter-blaues-sofa-14-10-2018-100

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12.10. – Frankfurt am Main – „Was ich verschwieg ist diese Landschaft“ – Neue Lyrik und Prosa

Am 12.10.2018 finden im Rahmen der Frankfurt Buchmesse verschiedene Lesungen unter dem Titel Was ich verschwieg ist diese Landschaft – Neue Lyrik und Prosa am Gemeinschaftsstand des Freistaats Thüringen statt.

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Gemeinschaftsstand des Freistaat Thüringen – Halle 3.1 / Stand F65

11:00 – 11.45 Lennardt Loß und Romina Nikolic
13:00 – 13:45 Mirandolina Babunashvili und Joshua Schößler
15:00 – 15:45 Peter Neumann und Kinga Tóth
17:00 – 17:45 Crauss und Andra Schwarz

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Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2018 stellen sich acht Schriftsteller*innen in Lesung und Gespräch vor, die in Thüringen leben oder durch ihre enge Zusammenarbeit mit der Lesereihe In guter Nachbarschaft mit dem literarischen Leben im Freistaat verbunden sind. Die Autor*innen lesen aus ihren aktuellen Veröffentlichungen und teilweise noch unpublizierten Werken und geben so einen Einblick in ihr aktuelles Schaffen. Darüber hinaus diskutiert der Erfurter Autor und Moderator Mario Osterland mit den Lesenden u.a. über die Möglichkeiten der Literatur im 21. Jahrhundert, über deren politische und gesellschaftliche Relevanz, sowie ihre Anerkennung auch über die Buchbranche hinaus.

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MIRANDOLINA BABUNASHVILI, geb. 1996 in Kaiserslautern, wuchs in Darmstadt auf und studierte von 2015 bis 2018 Internationale Beziehungen und Sozialwissenschaften an der Universität Erfurt. 2017 war sie Teilnehmerin am Literaturlabor Wolfenbüttel. 2018 wurde sie u.a. mit dem hr2-Literaturpreis ausgezeichnet.

CRAUSS, geb. 1971, ist im hauptleben dichter, daneben dozent für sprachpraxis an der universität siegen. er wurde mitte der 1990er jahre durch neue, produktive verfahren einer videoclip-ästhetik in der lyrik einem breiteren publikum bekannt. Crauss wurde mit wichtigen stipendien gefördert, mit literaturpreisen ausgezeichnet und seine dichtung in die 10+ wichtigsten sprachen der welt übersetzt. Zuletzt erschien von ihm der Gedichtband „Die harte Seite des Himmels“ (Verlagshaus Berlin) und der Essayband „Schundfaktor“ (Verlag Dreiviertelhaus). http://crauss.de/

LENNARDT LOSS, geb. 1992 in Braunschweig, Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Jena und Frankfurt am Main. Seit 2017 arbeitet er als freier Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er war in diesem Jahr Teilnehmer beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Sein Debüt erscheint im Frühjahr 2019 im Weissbooks Verlag.

PETER NEUMANN, geb. 1987 in Neubrandenburg, lebt als freier Schriftsteller in Weimar und lehrt Philosophie mit Schwerpunkt Deutscher Idealismus an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2018 wurde er mit dem Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm der Gedichtband „areale & tage“ in der edition AZUR und das Sachbuch „Jena 1800 – Die Republik der freien Geister“ (Siedler Verlag).

ROMINA NIKOLIC, geb. 1985 in Suhl. Sie studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Jena. Derzeit arbeitet sie an ihrer Dissertation zum Werk Paulus Böhmers an der TU Braunschweig. Sie war zweimal Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen und erhielt das Walter-Dexel-Stipendium der Stadt Jena.

JOSHUA SCHÖßLER, geb. 1992 in Düsseldorf, studierte Philosophie und Germanistische Literaturwissenschaft in Jena, lebt derzeit in Offenbach. 2017 gewann er u.a. den hr2-Literaturpreis. http://www.skklnt.wordpress.com

ANDRA SCHWARZ, geb. 1982 in der Oberlausitz, lebt in Leipzig. Nach einer Instrumentalausbildung in klassischer Gitarre am Musikgymnasium Schloss Belvedere in Weimar und einem längeren Aufenthalt in Südafrika studierte sie Kunstgeschichte und Germanistische Literaturwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle. Später folgte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2017 gewann sie den Leonce-und-Lena Preis beim 20. Literarischen März in Darmstadt. Im Herbst 2017 erschien ihr Debüt „Am morgen sind wir aus glas“ (Poetenladen).

KINGA TÓTH, geb. 1983 in Sarvar/Ungarn, ist u.a. Sprachwissenschaftlerin und Sound-Poetin. Sie ist aktives Mitglied in verschiedenen Kulturverbänden, darunter dem József Attila Kör. Sie schreib auf Englisch, Deutsch und Ungarisch und ist besonders für ihre Live-Performances bekannt. 2016 war sie Jenaer Stadtschreiberin (Rosenthal-Stipendium), derzeit ist sie Stipendiatin der Stadt Graz. Auf deutsch erschien von ihr zuletzt der Gedichtband „Wir bauen eine Stadt“ (Parasitenpresse).

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Die Veranstaltung wird gefördert durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft & Digitale Gesellschaft.

DSCHERMANS

Peter Neumann hat ein literarisches Blog gestartet. Unter dem Titel DSCHERMANS führt er seine literarische Methode des „deep mapping“, die die Gedicht seines aktuellen Bandes areale & tage bestimmen, mit erzählerischen und essayistischen Mitteln fort. In der Traditionslinie von Walter Benjamins Deutsche Menschen (1936) entsteht einen Folge von Texten und Dokumenten zur deutschen Geschichte von 1883 bis 1983. Im ersten Beitrag Requistorium wird die Projektidee genauer erläutert.

»Dschermans« hat überhaupt kein »Deutschland« zu präsentieren. Es will in die Tiefengeschichte seiner wechselnden Obsessionen eindringen. Was es dort, in der Tiefe, zu finden glaubt? Die Bekanntschaft mit den eigenen Absichten, das wusste Benjamin schon am besten, erfolgt immer erst später, im Nachhinein.

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Peter Neumann (Foto: Dirk Skiba)

In aufsteigender Tiefe

Am Dienstag bekam Peter Neumann das Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach verliehen. Er nutzte die Gelegenheit, um im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt eine Dankesrede zu halten, die Einblick in seine aktuelle Arbeit gibt und Stellung zur aktuellen Provinzialisierung des Geistes bezieht.

[…] Ich würde heute, auch vor dem Hintergrund der politischen Diskursverschiebungen der letzten Jahre – einer in diesem Ausmaß nie für möglich gehaltenen Provinzialisierung des Geistes –, von magmatischen Landschaften sprechen: Areale, irgendwo zwischen dem Phlegma, dass alles so bleiben möge, wie es immer war, und dem besinnungslosen Taumel, die Trägheit nach eigenen Maßstäben zu verteidigen. Ränder, die auf einmal zu Zentren werden, Zentren der Abwehr, der selbsternannten Hüter einer immer schon vorherbestimmten – wer bestimmte sie, wann? – Identität: Leitkultur, ick hör dir trapsen. Gruppen, die wutentbrannt, Nase schnaufend, durch die Straßen ziehen und den Normalzustand proklamieren. Denn was da gerade passiert, gehört neutralisiert, unschädlich gemacht, eingemeindet, oder gerade ausgemeindet. Die Provinzialisierung des Geistes ist heute mitten unter denen angekommen, die sich als seine Fürsprecher verstehen. Oder wie ist die Nationaltümelei zu verstehen, mit der sogenannte Intellektuelle sich dieser Tage per Erklärung, die an sprachlicher und geistiger Erbärmlichkeit kaum zu über-/unterbieten ist, in die Grenzen desjenigen Landes einzumieten versuchen, das es so, in dieser Form, schon lange nicht mehr gibt. Good old Dschermani, isch over. Oder wie ist die Vermessenheit zu verstehen, mit der von eben denselben Personen Demokratien zu Diktaturen und Diktaturen zu Demokratien erklärt werden, während in anderen Ländern Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Journalistinnen und Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten inhaftiert werden, Menschen, die jede öffentliche Unterstützung gebrauchen könnten. […]

Der Text ist in voller Länge auf den Seiten von Fixpoetry zu finden.

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 4

Seit 2016 ist Peter Neumann einer der Organisatoren von „In guter Nachbarschaft“ und längst eine der interessantesten Stimmen in der literarischen Landschaft Thüringens und darüber hinaus. Kürzlich wurde er für seine Prosacollage Abwerts Fallen mit dem Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 17. April im Kulturhaus Dacheröden in Erfurt statt.

Als Schriftsteller hat Peter Neumann sich vor allem mit Gedichten einen Namen gemacht. Seinem Debut Schonung (2009) folgte 2014 der Band geheuer. In diesem Frühjahr erscheint sein dritter Lyrikband areale & tage in der Dresdner Edition AZUR, in dem er unter anderem das in der deutschsprachigen Literatur noch weitgehend unbekannte Verfahren des „deep mapping“ (dt. Tiefenkartierung) einführt und sogleich für die Lyrik nutzbar macht.

Der Verlag über das Buch:

Peter Neumann ist der skeptische Romantiker der Gegenwartslyrik. In seinen neuen Gedichten spürt er den magischen Momenten nach, in denen die Begrenzungen von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind – wenn Geschichte sich in eine Region einschreibt, in ganz bestimmten Arealen kristallisiert. Hier formieren sich sterbende Hummeln zu einem Schlachtengemälde tübkeschen Ausmaßes, dort haben sich die Spuren von Planierraupen tief in den Stein hineingefräßt. An den Rändern der Landschaft fluoresziert das Digitale. Dazwischen detonieren Augenblicke geräuschlos nacheinander.

Die Geschichte ist zurück – oder war sie niemals weg? Peter Neumann nimmt in seinen neuen Gedichten Dinge in den Blick, welche die Zeit in einem Zustand der Latenz überdauert haben: Landschaftsdichtung als Tiefenkartierung.

Peter Neumann liest aus areale & tage am:

24. März 2018 in Jena (Galerie im Stadtspeicher, Markt 16)

15. Mai 2018 in Berlin (ORi Projektgalerie, Friedelstraße 8)

 

Feature über das literarische Jena im Deutschlandfunk Kultur

Deutschlandfunk Kultur hat ein Feature über das literarische Leben in Jena produziert und gesendet. Darin kommt u.a. auch Peter Neumann, Mitorganisator von In guter Nachbarschaft, zu Wort.

Besonders freut uns auch das Statement der Erfurter Dichterin Nancy Hünger, das unsere Idee von der guten Nachbarschaft schön zusammenfasst.

„Jena ist quasi nicht isoliert zu denken. Man nennt die Autobahn auch liebevoll A4 Kulturschiene, die Erfurt, Jena und Weimar verbindet, weil all diese Städte mehr oder minder zusammenhängen. Erst recht, was die Kultur anbelangt.“

Das Feature ist hier nachzuhören.

Nach der Sommerpause fahren wir wieder die Kulturschiene und sind nach der letzten Nachbarschaft in Jena mal wieder zu Gast in Erfurt.