Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 6

Im Jahr 2014 gründete Moritz Gause gemeinsam mit Romina Nikolic die unabhängige Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ in Jena. Es war nur eines der zahlreichen Literaturprojekte, die der 1986 in Berlin geborene Autor von 2009 bis 2015 in Thüringen initiierte. Mit Lesereihen, literarische Werkstätten, Ausstellungen etc. wurde Gause in dieser Jahren schnell zu einer der kreativsten Gestalter der Literaturszene im Freistaat.

Nach seinem zweijährigen Aufenthalt als Sprachassistent in Bishkek/Kirgistan veröffentlicht Moritz Gause nun den Gedichtband Meditationen hinterm Supermarkt, in dem er den Orten nachspürt, die in den letzten zehn Jahren besonders prägend für ihn waren. Vom Jenaer Stadtteil Winzerla, über Berlin, Istanbul und Russland, bis schließlich in die zentralasiatische Steppe reichen die stimmungsvollen Meditationen Gauses.

Der Verlag über das Buch:

wo geht die Erde zuende / wo fangen die Geschichten an: Für Moritz Gause ist die asiatische Steppe Poesie gewordene Landschaft. Zwischen kargen Horizonten, unterwegs in Trolleybussen und Taxen, verstrickt in uferlose Küchengespräche entdeckt er im Verloren-Gehen den eigentlichen Sinn des Reisens. Und wer das einmal weiß, kann überall herrlich fremd sein: In Bishkek, Kirgistan und Jena-Winzerla, an einer Imbissbude in Berlin oder in einer Patisserie in Istanbul.
Gauses Gedichte sind verwackelte Schnappschüsse von unterwegs, die mit wenigen Bildern eine ganze Geschichte erzählen. Oder ein ganzes Märchen. Genau so sollte ein Debüt sein: maßlos in seiner Hingabe an Menschen, Landschaften und Dinge, pathetisch und cool zugleich.

Im Verlagsblog der Edition AZUR illustriert der Autor mit Fotos und Videos die Entstehung des Buches.

Moritz Gause im Interview aus Bishkek/Kirgistan.

Moritz Gause liest aus Meditationen hinterm Supermarkt am 15. Mai 2018 in Berlin (ORi Projektgalerie, Friedelstraße 8)

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Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 4

Seit 2016 ist Peter Neumann einer der Organisatoren von „In guter Nachbarschaft“ und längst eine der interessantesten Stimmen in der literarischen Landschaft Thüringens und darüber hinaus. Kürzlich wurde er für seine Prosacollage Abwerts Fallen mit dem Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 17. April im Kulturhaus Dacheröden in Erfurt statt.

Als Schriftsteller hat Peter Neumann sich vor allem mit Gedichten einen Namen gemacht. Seinem Debut Schonung (2009) folgte 2014 der Band geheuer. In diesem Frühjahr erscheint sein dritter Lyrikband areale & tage in der Dresdner Edition AZUR, in dem er unter anderem das in der deutschsprachigen Literatur noch weitgehend unbekannte Verfahren des „deep mapping“ (dt. Tiefenkartierung) einführt und sogleich für die Lyrik nutzbar macht.

Der Verlag über das Buch:

Peter Neumann ist der skeptische Romantiker der Gegenwartslyrik. In seinen neuen Gedichten spürt er den magischen Momenten nach, in denen die Begrenzungen von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind – wenn Geschichte sich in eine Region einschreibt, in ganz bestimmten Arealen kristallisiert. Hier formieren sich sterbende Hummeln zu einem Schlachtengemälde tübkeschen Ausmaßes, dort haben sich die Spuren von Planierraupen tief in den Stein hineingefräßt. An den Rändern der Landschaft fluoresziert das Digitale. Dazwischen detonieren Augenblicke geräuschlos nacheinander.

Die Geschichte ist zurück – oder war sie niemals weg? Peter Neumann nimmt in seinen neuen Gedichten Dinge in den Blick, welche die Zeit in einem Zustand der Latenz überdauert haben: Landschaftsdichtung als Tiefenkartierung.

Peter Neumann liest aus areale & tage am:

24. März 2018 in Jena (Galerie im Stadtspeicher, Markt 16)

15. Mai 2018 in Berlin (ORi Projektgalerie, Friedelstraße 8)

 

13.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #16

Lesung und Konzert mit Luise Boege und Mark Weschenfelder

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13. April 2018 – 20 Uhr

Galerie im Stadtspeicher (Markt 16, Jena)

Eintritt: 3,-/5,- € (nur Abendkasse)

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Kühn wie lustig. Listig wie verstörend. Mit Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste (parasitenpresse) erscheint ein Jahr nach den Erzählungen Bild von der Lüge (Reinecke & Voß) ein neuer Prosaband von Luise Boege, welcher der Experimentierfreudigkeit des Vorgängerbandes in nichts nachsteht. Latenz und Varianz, Durchstreichung und copy and paste sind die Verfahren dieses Textes, in dem es um Sonnenuntergänge im November geht, um Beobachtungs- und Kommunikationsschlaufen, um generationale Neurosen und Beziehungen in ihren zeittypischen Erscheinungsformen. Begleitet wird Luise Boege an diesem Abend im Jenaer Kunstverein von dem Saxofonisten und Klarinettisten Mark Weschenfelder, der sich am liebsten in den Genres der improvisierten und experimentellen Ton- & Klangkünste bewegt. Was ihn als Spieler dabei besonders interessiert und auszeichnet sind die dynamischen Prozesse, die während der Improvisation ablaufen, geradezu beiläufig geschehen. Seine Lieblingsfarben sind alle Farben.

LUISE BOEGE, geboren 1985 in Würzburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt. Auszeichnungen u.a. Open Mike 2006, Alfred-Döblin-Stipendium 2012, Aufenthaltsstipendium am LCB und in Prag. 2015 erschien der Roman Kaspers Freundin, 2017 der Erzählband Bild von der Lüge und 2018 der Prosatext Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste.

MARK WESCHENFELDER, geboren 1982 in Neuhaus am Rennweg, ist Saxofonist, Klarinettist und Komponist. Seit 2006 hat er elf Alben und Einspielungen mit diversen Bandprojekten veröffentlicht, zu denen KITE, Peuker 8, SENSOR, The Shouting Men, Ornette! 2.0 gehören. Im Februar 2014 schloss er sein künstlerisches Studium an der Musikhochschule in Dresden mit Auszeichnung ab, im Februar 2017 die Meisterklasse der Dresdner Musikhochschule, wo er im Anschluss Komposition, Improvisation und Saxophon bei Prof. Thomas Zoller und Prof. Eric Schäfer studierte. Er ist Gründungsmitglied des „OFFTRACKS e.V.“ und Mitorganisator des „OFFTRACKS Festivals“, dass im Juli 2012 in Dresden Premiere feierte.

Der Abend wird moderiert von Peter Neumann.

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Die Reihe „In guter Nachbarschaft“ ist ein Projekt der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. und wird unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Jenaer Kunstverein e.V. und dem Kunsthof Jena e.V.

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„In guter Nachbarschaft“ ist Teil der Initiative „Unabhängige Lesereihen“: http://lesereihen.org/

„Raniser Debut“ für Lisa Goldschmidt

Lisa Goldschmidt, die im Juli diesen Jahres bei der „Junges Literaturforum Edition“ von In guter Nachbarschaft in Jena las, ist neue Stipendiatin des „Raniser Debuts“! Wir gratulieren herzlich und wünschen ihr und Lektor Helge Pfannenschmidt eine produktive Arbeitszeit.

Robert Sorg bei „Blaubart & Ginster“

Robert Sorg, Vorsitzender des Jenaer Kunstvereins, verhalf unserer Lesereihe im April 2017 einer wunderbaren Veranstaltung, indem er die Räume im Stadtspeicher am Markt für uns öffnete. Jetzt war er zu Gast bei der Jenaer Literatursendung Blaubart & Ginster im Radio OKJ und sprach mit den Moderatoren Ralf Schönfelder und Mario Osterland u.a. über die Schwierigkeiten bei der Findung von Veranstaltungsorten in Jena.

Die Sendung kann in einer Podcastversion auf Soundcloudnachgehört werden.

Neue Lyrik: „heimische Arten“ von Mario Osterland

Nachbarschafts-Mitorganisator Mario Osterland hat sein zweites Buch veröffentlicht. Der Gedichtband heimische Arten erscheint, wie schon sein Debut In Paris (2014), im Kölner Independent-Verlag parasitenpresse. Weitere Informationen und die Möglichkeit das Buch zu bestellen, findet ihr im Link ganz unten.

Die Doppel-Buchpremiere mit André Schinkel, der seinen neuen Gedichtband Bodenkunde vorstellt, findet in Jena statt am:

14. Oktober 2017 – 20 Uhr 

Galerie im Stadtspeicher (Markt 16, Jena)

Eintritt: 5,-€

Musikalisch begleitet wird der Abend von einem guten Bekannten unserer Lesereihe: littlemanlost! [Alle Infos zur Veranstaltung hier.]

Außerdem liest Mario Osterland bei der diesjährigen Ausgabe der Erfurter Spätlese im Rahmen der Erfurter Herbstlese.

20. Oktober 2017 – 20 Uhr

Haus Dacheröden (Anger 37, Erfurt)

[Alle Infos dazu auf der Website der Erfurter Herbstlese.]

Der LeseZeichen e.V. hat außerdem ein Video produziert in dem ihr das Gedicht fossile Gewässer aus dem Band heimische Arten hören könnt:

Private wie urbane Räume, die hier bedichtet werden, sind trostlos, das Rurale beiläufig, aber zunehmend rituell. Die Zeichen vergletschern! Was der Mensch nicht wahrnimmt: die Ränder zur ungewissen Zukunft als auch zur dunklen Vorvergangenheit zerfasern, es entstehen Fraßbilder, irgendwo im Düsteren schließt sich der Kreis … Mario Osterland gelingt es, uns wie nebenbei Beklemmung und […]

über Mario Osterland: heimische Arten — parasitenpresse

Feature über das literarische Jena im Deutschlandfunk Kultur

Deutschlandfunk Kultur hat ein Feature über das literarische Leben in Jena produziert und gesendet. Darin kommt u.a. auch Peter Neumann, Mitorganisator von In guter Nachbarschaft, zu Wort.

Besonders freut uns auch das Statement der Erfurter Dichterin Nancy Hünger, das unsere Idee von der guten Nachbarschaft schön zusammenfasst.

„Jena ist quasi nicht isoliert zu denken. Man nennt die Autobahn auch liebevoll A4 Kulturschiene, die Erfurt, Jena und Weimar verbindet, weil all diese Städte mehr oder minder zusammenhängen. Erst recht, was die Kultur anbelangt.“

Das Feature ist hier nachzuhören.

Nach der Sommerpause fahren wir wieder die Kulturschiene und sind nach der letzten Nachbarschaft in Jena mal wieder zu Gast in Erfurt.