Vorgestellt: Lea Weiß und Franziska Bergholtz

2020 ist ein Jahr in dem sich einiges geändert hat. Mitten in die Zeit der Pandemie fiel auch ein Wechsel der Projektleitung von IN GUTER NACHBARSCHAFT. Mario Osterland sprach mit Lea Weiß (Jena) und Franziska Bergholtz (Erfurt), die nun an der Seite von Gorch Maltzen die Lesereihe organisieren.

Liebe Franzi, liebe Lea, willkommen an Bord von IN GUTER NACHBARSCHAFT. Wisst ihr noch wie der Kontakt zu Gorch Maltzen zustande kam?

Franzi: Den Kontakt zu Gorch habe ich über Lea bekommen. Lea und ich waren beide in der Schreibwerkstatt „Poesie & Praxis“ mit Peter Neumann und Nancy Hünger und haben uns auf Anhieb ziemlich gut verstanden. Letzten Sommer hat sie mich gefragt, ob ich Interesse hätte, bei „In guter Nachbarschaft“ mitzumachen und den Kontakt zu Gorch hergestellt. Ich hatte in Ulm schon ein paar kleinere Literaturveranstaltungen organisiert und hatte große Lust, das in Thüringen ausdauernder und professioneller zu machen. Nachdem ich Gorch getroffen und wir uns auch gut verstanden hatten, war relativ schnell klar, dass wir als Team gut funktionieren. Ich freue mich sehr, dabei zu sein!

Lea: Genau, Gorch hat mir, das müsste so Mitte letzten Jahres gewesen sein, auf Facebook geschrieben und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, bei „In guter Nachbarschaft“ mitzumachen. Ich war dann noch für ein Auslandssemester in Finnland, sodass wir uns erst im Winter zum ersten Mal zusammengesetzt haben. Da wussten wir auch noch gar nicht, dass die Lesereihe bald erst einmal digital stattfinden würde!

Hattet ihr zuvor eigentlich schon mal von der Lesereihe gehört? Wie nehmt ihr die Literaturszene in Thüringen im Allgemeinen wahr?

Lea: Der Name war mir auf jeden Fall ein Begriff, ich kannte auch die Webseite – war aber tatsächlich vorher noch nie bei einer der Lesungen! Das ist bei Franzi glaube ich auch so, weshalb es ganz lustig war, als wir gemeinsam nach Leipzig gefahren sind zum Treffen der unabhängigen Lesereihen und dort „In guter Nachbarschaft“ vertreten haben, die wir so noch gar nicht selbst erlebt hatten.

Franzi: Ich glaube, ich hatte schon über „In guter Nachbarschaft“ gelesen, aber ich wusste nicht viel über die Lesereihe und ich war auch vorher noch nie da. In Thüringen war ich allgemein noch nicht auf vielen literarischen Veranstaltungen. Ich glaube, wie überall wo ich bisher gelebt habe, sind es einige wenige, die sich sehr viel Mühe geben, ein vielfältiges Angebot zu organisieren und die Thüringer Literaturszene möglichst aktiv zu gestalten. Allerdings kann ich da auch nur für meinen recht oberflächlichen Eindruck der Städtekette sprechen.

Lea: Da würde ich mich anschließen! Ich habe das Gefühl, es gibt eine kleine, aber sehr aktive und gut vernetzte Literaturszene, man kennt sich gegenseitig und es wird viel veranstaltet. Ich denke da vor allem an die Literarische Gesellschaft Thüringen und den Lesezeichen e.V. Vor allem gibt es einiges an Förderung für junge Schreibende, Schreibwerkstätten aber auch Ausschreibungen wie das Junge Literaturforum oder den Eobanus-Hessus-Wettbewerb.

Ihr seid beide aus den „alten Bundesländern“ zum studieren nach Thüringen gekommen. Welche Unterschiede v.a. im Hinblick auf die kulturelle Szene waren für euch auffällig?

Lea: Das ist schwierig. In NRW leben natürlich viel mehr Menschen, in den Großstädten gibt es meist eigene Literaturhäuser und -büros, über die viel organisiert wird. Ich komme aus Bonn, und mein Gefühl ist, dass es dort eher Einzelveranstaltungen gibt, die zum Teil auch an die Uni angebunden sind, als eine wirklich vernetzte Literaturszene. Spontan würde ich sagen: Hier sind die Veranstaltungen vielleicht etwas kleiner, das Angebot überschaubarer, dadurch aber auch näher und leichter zugänglich.

Franzi: Ich bin in München aufgewachsen und habe dann ein Jahr in Ulm gelebt bevor ich nach Erfurt gezogen bin. Ich denke der Unterschied von Erfurt/Weimar/Jena zu München ist einfach der zwischen Groß- und Kleinstadt. In Ulm bin ich dagegen ziemlich schnell in das Herz der literarischen und kulturellen Szene gerutscht und habe viel mitbekommen, was ich jetzt vielleicht noch verpasse. Allgemein kommt mir die Szene der Kulturschaffenden in Thüringen auf jeden Fall jünger vor. Ich habe das Gefühl, dass es weniger etablierte Institutionen gibt und stattdessen viele junge Menschen, die Bock haben, etwas auf die Beine zu stellen. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass ich jetzt Studentin bin und Kontakt zu diesen jungen Menschen habe.

Lea, du hast in diesem und im letzten Jahr jeweils einen der Hauptpreise beim Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen gewonnen. Das Literaturforum versteht sich als Förderer und Türöffner für junge Schreibende. Was bedeutet das für dich bzw. wie nimmst du das wahr?

Lea: Ich nehme es auf jeden Fall als „Türöffner“ wahr. Einerseits, weil man natürlich aus dem eigenen Raum heraustritt und andere Leute trifft, gemeinsam deren Texte liest und bespricht… das fand ich sehr schön. Auch, weil Schreiben an sich ja eine eher „einsame“ Tätigkeit ist, und die Möglichkeit zum Austausch dann wirklich wertvoll. Andererseits, weil neue Kontakte entstehen, etwa zu den Thüringer Literaturtagen auf Burg Ranis. Und Gorch ist damals glaube ich auch wegen des Literaturforums auf mich zugekommen!

Franzi, du hast bereits im letzten Jahr mit dem Gedichtband Kolumbianischer Winter debütiert. Welche Förderungen hast du auf dem Weg zum ersten Buch erfahren?

Franzi: Die Veröffentlichung von Kolumbianischer Winter war ein ziemlicher Glücksfall. Ich habe nach dem Abi ein Jahr in Ulm gewohnt und am Aicher-Scholl-Kolleg eine Art „Orientierungsstudium“ absolviert, wobei ich einfach verschiedene Seminare besuchen und mich ausprobieren konnte. Unter anderem waren da auch das Literaturseminar bei Rasmus Schöll und das Seminar für Kreatives Schreiben bei Florian Arnold. Es hat sich bald herausgestellt, dass unser Jahrgang Lust auf literarische Veranstaltungen hatte. Wir haben im Rahmen des Schreibseminars einige ziemlich coole, junge Literaturabende in Rasmus‘ Buchhandlung Aegis veranstaltet. Irgendwann im Frühjahr 2018 kamen Rasmus und Florian auf mich zu und haben gefragt, ob ich nicht Lust hätte, in ihrem Verlag Topalian & Milani einen Gedichtband zu veröffentlichen. Ich habe also vor allem ideelle Unterstützung von Rasmus und Florian erhalten, aber das zunächst unabhängig von Kolumbianischer Winter. Das kam erst später.

Mit zwei Organisator:innen in Erfurt und einer Organisatorin in Jena ist im Team von IN GUTER NACHBARSCHAFT wieder eine ähnliche Konstellation eingetreten, wie es sie schon einmal gab, als mit Peter Neumann, Julia Hauck und mir die Städte Weimar, Jena und Erfurt je einmal vertreten waren. Wir haben die Lesereihe damals auch abwechselnd in den drei Städten stattfinden lassen. Wie werdet ihr das in Zukunft machen, sobald wieder richtige Live-Veranstaltungen möglich sind?

Franzi: Bis jetzt sind wir noch gar nicht dazu gekommen, viele konkrete Pläne für die Zukunft zu machen, weil Corona dazwischen kam. Tatsächlich haben wir uns außerhalb von Skype noch nie zu dritt getroffen. Aber ich denke unser Ziel ist es schon, möglichst alle drei Städte zu bespielen und damit einerseits ein breites Publikum abzuholen und andererseits dem Namen „In guter Nachbarschaft“ gerecht zu werden. Erfurt, Weimar und Jena bieten sich da ja schon sehr gut an. Und wer weiß, welche Orte sich in Zukunft noch finden.

Lea: Ich denke, es bietet sich auf jeden Fall an, sich erst einmal auf die drei Städte zu konzentrieren. Da bestehen natürlich auch schon Kontakte zu den Veranstaltungsorten, auf die wir zurückgreifen können, und wir kennen uns aus! Wir haben auch schon mit dem Gedanken gespielt, vielleicht mal in eine kleinere Stadt in Thüringen zu gehen, wo es vielleicht noch nicht so viel Angebot gibt… mal schauen, unsere erste Live-Veranstaltung steht ja noch aus!

Seid ihr vor der Coronazeit viel auf der Städtekette unterwegs gewesen, um in der jeweils anderen Stadt Konzerte, Lesungen usw. zu besuchen oder andere Kulturschaffende zu sehen?

Franzi: Tatsächlich war ich bisher immer nur in Weimar und Jena, um kulturelle Events zu besuchen. Schreibwerkstatt, Lesungen, Konzerte, Kunstaustellungen – ich glaube, ich habe die Städte noch nie einfach so besucht. Teilweise habe ich sie noch nicht einmal richtig bei Tag gesehen. Ich dachte immer, wie praktisch, ich kann kostenlos und ohne viel Zeitaufwand noch in zwei anderen schönen Städten leben, aber irgendwie hat ein Ausflug sich bisher noch nie ergeben.

Lea: Das ist bei mir ähnlich – ich muss gestehen, dass ich eher selten aus Jena herauskomme! Ich bin hin und wieder in Weimar, war dort auch mal im Theater, in Erfurt auf einem Konzert – aber das ist auf jeden Fall eher selten. Schade, dass man momentan die Zeit nicht nutzen kann, um da mehr zu entdecken. Ich würde zum Beispiel gern mal in die ACC Galerie in Weimar, wo ja „In guter Nachbarschaft“ auch schon stattgefunden hat.

Die erste Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT unter eurer Mitarbeit wird als Radiosendung bzw. Podcast ausgestrahlt. Was wird die Hörer:innen erwarten?

Lea: Der Versuch, einen Abend mit „In guter Nachbarschaft“ als Hörfassung nachzustellen! Wir haben die eingeladenen Künstlerinnen gebeten, uns Tonspuren zu schicken, ein Interview über Skype geführt, im Tonstudio die Moderation eingesprochen…

Franzi: … wir waren alle ein bisschen nervös bei dem Gedanken daran, die nächste Lesung als Sendung zu gestalten, weil niemand von uns dreien Erfahrung damit hatte. Aber es hat wirklich Spaß gemacht, die Sendung vorzubereiten und aufzunehmen und sie ist meiner Meinung nach richtig schön geworden. Was euch erwartet sind tolle Lesungen von Helene Bukowski und Lea Weiß, einmal mit Helenes Romanauszug und einmal mit Leas feinen Gedichten. Mit Helene haben wir außerdem ein spannendes Gespräch zu ihrem Debüt Milchzähne geführt. Zwischendurch gibt es schöne musikalische Untermalung von der Musikerin Sofie Thon. Und als kleines Special, das wir nur in dieser Form überhaupt mitnehmen konnten, gibt es ein witziges Kurzhörspiel von Vivien Schütz. Was euch also erwartet ist etwas zum Mitfiebern und Mitlachen, aber auch zum Träumen und einfach mal abschalten. Hört gerne hin!

Alle Infos gibt es auch noch einmal gebündelt hier auf der Website. Vielen Dank euch beiden für eure Antworten und viel Spaß in Zukunft mit IN GUTER NACHBARSCHAFT!

18.08. Radio LOTTE Weimar – IN GUTER NACHBARSCHAFT #23 – mit Helene Bukowski, Sophie Thon, u.a.

Am 18.08. kehrt IN GUTER NACHBARSCHAFT zurück und feiert Premiere als Podcast, der erstmalig ausgestrahlt wird im Radio LOTTE Weimar, danach verfügbar über die Mediathek der Literarischen Gesellschaft Thüringen.

Zu Gast ist die die Schriftstellerin Helene Bukowski, die aus ihrem Debütroman Milchzähne lesen wird.  Der Roman handelt von einer Mutter-Tochter-Beziehung in einer zerstörten Welt, der Suche nach Zuflucht in einer abgeschotteten Überlebensgemeinschaft, die alle Brücken zu sich gesprengt hat. Helene Bukowski erzählt von Vertrautem und Fremden, von dem Wunsch dazuzugehören und der Angst vor Unbekanntem und den Bedrohungen eines unkontrollierbaren Klimas, schwebt dabei „zwischen Postapokalypse und Robinsonade“ (Spiegel Online).

Außerdem begrüßen wir die Hörspielautorin Vivien Schütz (Berlin, Weimar), Preisträgerin des Nachwuchshörspielpreises der ARD und die Autorin Lea Weiß (Jena), diesjährige Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

Die Sendung wird musikalisch begleitet von der Singer-Songwriterin Sofie Thon (Ilmenau).

 

 

 

 

 

Erstausstrahlung:
Dienstag, 18. August 2020 – 22:00 Uhr
https://www.radiolotte.de/

Mediathek der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.:
https://studio-literatur.podigee.io/

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Helene Bukowski, *1993, studiert zurzeit Literarisches Schreiben, Kulturjournalismus und Lektorieren an der Universität Hildesheim. Sie war Ko-Autorin des Dokumentarfilms „Zehn Wochen Sommer“, der 2015 den Grimme-Sonderpreis Kultur erhalten hat, und Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift „Bella triste“. 2016 war sie zur Autorenwerkstatt Prosa des Literarische Colloquiums Berlin eingeladen und erhielt außerdem den Förderpreis der Wupperthaler Literaturbiennale. Ihre Texte wurden in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Ihr erster Roman „Milchzähne“ erschien 2019 bei Blumenbar.

Sofie Thon spielte seit 2017 bereits auf über 100 Bühnen in ganz Mitteldeutschland, so u.a. auf der GeyserHaus Parkbühne (Leipzig) als Supportact der US-amerikanischen Band „Iron & Wine“ und auf dem Kunstfest Weimar als Höhepunkt der Konzertreihe im Künstlergarten 2019. Ihre zweite Single wurde vom Produzenten und Gitarristen Ertuğrul Güney in den Studios von „Blue Kite Audio“ in Istanbul aufgenommen. Der Song „Hours & Miles“ erscheint in den kommenden Monaten erstmals als unabhängige Veröffentlichung.

Vivien Schütz, *1990, hat Journalistik an der TU Dortmund und Radiokunst an der Bauhaus-Universität Weimar studiert. Sie produziert Reportagen, Features, Kurzhörspiele und Podcast-Geschichten und war Åke Blomström Awardee der EBU 2019. Aktuell arbeitet sie an einem Radio-Feature über jüdisch-orthodoxe Frauen in Brooklyn, die das Gebot der Kopfbedeckung hinterfragen und neu denken.

Lea Weiß, *1997, studiert in Jena Soziologie und Politikwissenschaft. Seit 2020 ist sie Mitorganisatorin der Thüringer Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ und war 2018 Preisträgerin bei postpoetry.NRW und dem 33. Treffen junger Autor*innen. Sie veröffentlichte Texte in den jeweiligen Begleitanthologien und im Narr #28. Im Jahr 2020 wurde sie bereits zum zweiten Mal vom Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen ausgezeichnet.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

Lea Weiß bei den 23. Thüringer Literaturtagen

Die 23. Thüringer Literaturtage auf Burg Ranis fanden in diesem Jahr aus den uns allen bekannten Gründen digital statt. Mit dabei war auch Lea Weiß aus Jena, die seit diesem Jahr zum Team unserer Lesereihe gehört.

Gemeinsam mit Melis Ntente und anderen gehört Lea zu den aktuellen Preisträgerinnen des Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen. Im Video bekommt ihr einen Einblick in das Schreiben der beiden und ihre ersten Schritte ins literarische Leben. Moderiert von Nachbarschafts-Mitbegründerin Romina Nikolić.

30.10. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #22 – mit Marko Dinić, Baldabiou u.a.

Am 30.10. kehrt IN GUTER NACHBARSCHAFT zurück in die heiligen Hallen des Jenaer Kunstvereins. Zu Gast ist der Wiener Schriftsteller Marko Dinić, der aus seinem Debütroman Die guten Tage lesen wird. Darin erzählt er vom Aufwachsen in Belgrad während der Jugoslawienkriege und der schweren Rückkehr in einen Serbien, das der Ich-Erzähler am liebsten für immer hinter sich lassen wollte. „In beeindruckenden Bildern erzählt Marko Dinic zwanzig Jahre nach dem Bombardement von Belgrad von einer traumatisierten Generation, die sich weder zu Hause noch in der Fremde verstanden fühlt, die versucht die eigene Vergangenheit zu begreifen und um eine Zukunft ringt.“

Auf offenen Mikrophon begrüßen wir diesmal Konstantin Petry (Weimar) und Christoph Renner (Jena). Sie beide sind aktuelle Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

Begleitet und gerahmt wird der Abend vom Alternative Pop des Musikers Sebastian van Vugt, besser bekannt als BALDABIOU.

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30. Oktober 2019 – 19:30 Uhr

Galerie im Stadtspeicher/Jenaer Kunstverein e.V. – Markt 16 – 07743 Jena

Eintritt: 5,-€ / ermäßigt 3,- €

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Marko Dinić wurde 1988 in Wien geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Belgrad. Er studierte in Salzburg Germanistik und Jüdische Kulturgeschichte. 2016 las er bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt im Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Sein 2019 erschienenes Debüt Die guten Tage ist für den Österreichischen Buchpreis nominiert.

Sebastian van Vugt singt mit unverwechselbarem Timbre über die Freuden und Leiden des Werdens und Seins. Seine Lieder und Stimme verfügen über ein hochaufgelöstes Gespür für Form und Dynamik. Seine Bühnenpräsenz ist so unprätentiös wie einnehmend. Beinahe aus Versehen wird ein eben noch aufgekratztes Mischpublikum aus Eingeladenen, Mitgebrachten und Kulturtouristen mausestill und der Raum füllt sich mit den unaufgeregten Songs van Vugts, die bei aller Wärme und Intimität nie dem Kitsch verfallen oder stereotyp verflachen. Sie lassen tief blicken und hören sich gut an. Im Oktober 2019 erscheint das Album Hélène auf dem Label Viel Erfolg mit der Musik

Konstantin Petry, geb. 1997 in Eisenach, studiert Philosophie und Westslavistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2019 gewann er im Literaturwettbewerb des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen einen der Hauptpreise.

Christoph Renner studierte Deutsch und Geschichte auf Lehramt in Tübingen und Jena. Derzeit promoviert er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2018 gewann der den Hauptpreis beim Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb, 2019 folgte einer der Hauptpreis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

Das Debüt von Lennardt Loß ist da!

Dieser Tage erscheint das Debut unseres Freundes Lennardt Loß. Mit einem Auszug aus Und andere Formen menschlichen Versagens war er u.a. beim Wettbewerb um den Ingeborg Bachmann Preis angetreten. Jetzt könnt ihr die komplette Story um die nach einem Flugzeugabsturz verschollene Marina Palm lesen. Weitere Infos zum Buch gibt es hier.

Wir gratulieren Lennardt Loß herzlich zum Debüt und sagen: lesen, lesen, lesen!

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Lennardt Loß, wurde 1992 in Braunschweig geboren. Er studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Jena, danach Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Frankfurt am Main. Er war u.a. Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2017 und 2018, im Frühjahr 2019 ist er Stipendiat der Roger Willemsen-Stiftung in Hamburg.

Mirandolina Babunashvili bei hr2-Kultur

Bereits im Juni hatten wir voller Freunde darauf hingewiesen, dass Mirandolina Babunashvili den diesjährigen hr2-Literaturpreis gewonnen hat. Im Nachgang der Frankfurter Buchmesse war sie bei hr2-Kultur zu Gast. Das 25-minütige Gespräch über ihren Werdegang, ihr Schreiben und die literarischen Szenen Hessens und Thüringens kann man unter diesem Link nachhören.

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Mirandolina Babunashvili (Foto: Dirk Skiba)

Rückschau: In guter Nachbarschaft #17

Auch in diesem Jahr gab es im Rahmen unserer Lesereihe wieder eine Veranstaltung mit aktuellen und früheren Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Am 29.6. lasen Stefan Petermann, Mirandolina Babunashvili und Lennardt Loß im schönen Café Paradise Birds in Jena.

Die Kooperation mit dem Jungen Literaturforum ist für uns nicht nur zur schönen Tradition geworden, sondern bedeutet für uns eine nachhaltige und langfristige Förderung des literarischen Nachwuchses im Freistaat und darüber hinaus.

Lennardt Loß, der vor zwei Jahren bei unserer Summer Edition im Jenaer Paradies seine allererste Lesung bestritt, kehrte zu uns zurück und las nicht nur seinen jüngst prämierten Text Das Ascheroda Rindermassaker, sondern auch seinen vormaligen Preistext Russischer Tango. „So schließt sich also der Kreis“, sagte er an diesem Abend, bevor er zum Bachmannpreis nach Klagenfurt aufbrach.

Mirandolina Babunashvili las ihren aktuellen Preisträgerinnentext Dreizehn, für den sie zudem mit dem hr2-Literaturpreis 2018 ausgezeichnet wurde. Sie setzte sich damit in einer Publikumsabstimmung gegen die anderen Preisträger*innen des diesjährigen Jungen Literaturforums durch. Zudem stellte sie ihren berührenden Text Im März vor, der von der existentiellen Not einer jungen Mutter im Krieg erzählt.

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Der Weimarer Autor Stefan Petermann, dessen literarischer Weg als Preisträger des Jungen Literaturforums 2004 begann, stellte schließlich einige seiner literarischen Facebook-Postings vor. Darin kommentiert er auf satirische, tiefgehende und sprachlich raffinierte Weise Ereignisse aus dem aktuellen Politik- und Mediengeschehen. Zudem las er aus einem noch unveröffentlichten Text, der von einem ebenso traurigen wie absurden Lebensweg eines Asylsuchenden in Deutschland erzählt.

Beschlossen wurde der Abend mit einem Autor*innengespräch in dem Loß, Babunashvili und Petermann von ihren Erfahrungen mit dem Jungen Literaturforum erzählten und Einblicke in ihre aktuellen Arbeitsprozesse gaben.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Zuhörer*innen, den Autor*innen und dem Team vom Paradise Birds für den gelungenen Abend. Die Literarische Gesellschaft Thüringen, die Thüringer Staatskanzlei und das Hessischen Literaturforum im Mousonturm haben diese Veranstaltung großzügig gefördert. Auch dafür ein herzlicher Dank.

(Fotos: Anne Osterland)

Die nächste Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT findet am 26.10. in Erfurt (Franz Mehlhose) statt. Es lesen und performen dann Niklas L. Niskate und Robert Prosser.

Fünf Fragen an Lennardt Loß

Am Freitag, den 29. Juni findet die 17. Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT statt. Diesmal gibt es, wie in jedem Sommer, wieder eine Lesung mit Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Mit dabei ist u.a. Lennardt Loß, der für seinen Text Das Ascheroda Rindermassaker ausgezeichnet wurde. In diesem kleinen Interview erzählt er von seinem literarischen Weg zwischen Jena und Frankfurt/Main.

 

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Lennardt Loß (Foto: Viet Duc Le)

 

Wenn du an deine, wenn auch kurze Zeit in Jena zurückdenkst, was fällt dir dann spontan ein?

Meine erste Lesung, natürlich. Premiere, sozusagen. Bei Euer Summer Edition im August 2016, glaube ich. In so einem Pavillon im Paradies Park, so ein Glas- und Stahlgebäude. Draußen: kaum Wind, bestimmt 32 Grad Celsius. Drinnen: gar kein Wind, gefühlt 42 Grad Celsius. Und ich war abwechselnd brutal nervös und dann wahnsinnig euphorisiert. Nach der Lesung ging’s für einen Sprung in die Saale, schwimmen. Ich freu‘ mich deshalb nach zwei Jahren endlich wieder bei Euch zu lesen. Und aufs Mitternachtbaden in der Saale.

Welche Rolle hat das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen auf deinem bisherigen Weg als Autor gespielt?

Eine große! Für eine meiner ersten Short Stories, die ich geschrieben habe, gab’s 2016 den Anthologiepreis des Jungen Literaturforums-Hessen-Thüringen. Ich dachte damals: Hey, irgendwer scheint das gar nicht so mies zu finden, was du da schreibst. Und hab‘ weitergemacht. Mit dem Literaturforum hat also alles begonnen. Auf einem Workshop, den mir das Literaturforum vor fast zwei Jahren vermittelt hat, habe ich dann meinen Lektor Rainer Weiss kennengelernt. Er hat mich dann auch zu weissbooks.w in Frankfurt am Main vermittelt, wo im Januar 2019 mein Debüt erscheinen wird. Ich habe dem Literaturforum also sehr viel zu verdanken. Und bin auch ein bisschen traurig, dass ich nächstes Jahr nicht mehr teilnehmen kann, weil ich jetzt älter als 25 bin. Das ist Altersgrenze für die Teilnahme beim Wettbewerb.

Wie hat sich dein literarischer Weg verändert, seitdem du in Frankfurt/Main lebst?

In Frankfurt ist alles so richtig in Fahrt gekommen. Dort habe ich meine Verlegerin Anya Schutzbach und eben meinen Lektor Rainer Weiss kennengelernt. Dort habe ich meinen ersten Buchvertrag unterschrieben, mich für Klagenfurt beworben und die Zusage gefeiert. Der Grundstein aber, der wurde in Jena gelegt.

Wie kam es zu deiner Teilnahme beim diesjährigen Bachmannpreis und was hast du gedacht, als du eingeladen wurdest?

Klagenfurt, das war eine Idee meiner Verlegerin. Als sie gefragt hat, ob ich mich da bewerben möchte, dachte ich nur: Ne, das mache ich nicht, mir diesen Stress antun. Dann dachte ich: Lennardt, du eitle Dreckssau, du wirst doch eh nicht eingeladen, mach halt. Jetzt ist es nicht mal mehr ein Monat bis zum Wettlesen. Und ich bin immer noch erstaunt, dass es geklappt hat.

Kannst du schon etwas über deinem kommenden Roman verraten?

Das Buch wird eine Robinsonade ohne Robinson. Eine junge Frau überlebt einen Flugzeugabsturz über dem Pazifik und lebt 25 Jahre auf einer einsamen Insel, bis sie dort gefunden wird. Der Clou ist: Wir erfahren fast nichts über sie. Und das brauchen wir auch nicht, denn das Motiv der Robinsonade ist so tief in unserem kollektiven Bewusstsein verankert, dass wir diese Leerstelle problemlos füllen können. Sie wird vermutlich Nahrung suchen, eine Hütte bauen, ein Stück Land kultivieren. Was man auf einer einsamen Insel halt so macht. Stattdessen lesen wir Short Stories über Figuren, deren Lebenswege mit dem der jungen Frau verknüpft sind. Das kann enger gefasst sein, wie eine Story, die von ihren Eltern erzählt. Das kann aber auch weiter gefasst sein, wie eine Story über den Kapitän, der sie schließlich von ihrer Insel rettet. Wie gesagt: Eine Robinsonade ohne Robinson.

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LENNARDT LOSS, geb. 1992 in Braunschweig, Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Jena und Frankfurt am Main. Seit 2017 arbeitet er als freier Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er wurde beim diesjährigen Jungen Literaturforum für Das Aschenroda Rindermassaker ausgezeichnet und ist in diesem Jahr Teilnehmer beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Sein Debüt erscheint im Frühjahr 2019 bei weissbooks.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€

hr2-Literaturpreis 2018 für Mirandolina Babunashvili

Mirandolina Babunashvili, die bereits beim offenen Mikrofon unserer Lesereihe zu Gast war, erhält für ihren Text Dreizehn den diesjährigen hr2-Literaturpreis. Die in Erfurt lebende Autorin gewann die Online-Abstimmung um den Publikumspreis, für den die Gewinner*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2018 nominiert waren.

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Mirandolina Babunashvili (Foto: privat)

Den Gewinnerinnentext kann man in einer Vertonung des Hessischen Rundfunks unter diesem Link nachhören.

Wir gratulieren Mirandolina Babunashvili herzlich und freuen uns auf ihre Lesung bei der kommenden Ausgabe von In guter Nachbarschaft in Jena.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€

 

29.6. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

Lesung mit Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2018.

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Freitag, 29. Juni 2018 – 19:30 Uhr

Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt: 5,-€/ ermäßigt 3,-€ (nur Abendkasse)

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Das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen schreibt jedes Jahr einen Literaturwettbewerb aus, an dem sich 16- bis 25-Jährige mit Wohnsitz in Hessen und Thüringen beteiligen können. Bei der unabhängigen Lesereihe In guter Nachbarschaft gehört es zur guten Tradition, die aktuellen Preisträger*innen aus ihren prämierten Texten lesen zu lassen: Texte, die unserer eigenen Gegenwart auf der Spur sind, Stimmen, die uns von jetzt an begleiten werden.

In diesem Jahr freuen wir uns besonders auf das Wiedersehen mit Autor*innen, die bereits zuvor bei uns zu Gast waren oder durch verschiedene Kooperationen mit unserer Lesereihe mit uns verbunden sind.  Durch den nachhaltigen Kontakt den wir mit eingeladenen Autor*innen pflegen, ergibt sich für das Publikum in diesem Jahr die Möglichkeit sowohl Entwicklungen zweiter Nachwuchsautor*innen, als auch die Fortschreibungen eines bereits etablierten Schriftstellers nachzuvollziehen.

LENNARDT LOSS, geb. 1992 in Braunschweig, Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Jena und Frankfurt am Main. Seit 2017 arbeitet er als freier Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er wurde beim diesjährigen Jungen Literaturforum für Das Aschenroda Rindermassaker ausgezeichnet und ist in diesem Jahr Teilnehmer beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Sein Debüt erscheint im Frühjahr 2019 bei weissbooks.

MIRANDOLINA BABUNASHVILI, geb. 1996 in Kaiserslautern, wuchs in Darmstadt auf und studiert seit 2015 Internationale Beziehungen und Sozialwissenschaften an der Universität Erfurt. 2017 war sie Teilnehmerin am Literaturlabor Wolfenbüttel.

STEFAN PETERMANN, geb. 1978 in Werdau, studierte an der Bauhaus-Universität in Weimar. 2009 erschien sein Debütroman Der Schlaf und das Flüstern. Er erhielt verschiedene Stipendien und Auszeichnungen. 2015 war er Stadtschreiber im österreichischen Wels. Für seinen Roman Das Gegenteil von Henry Sy erfand er die Hauptfigur auf Facebook. Zuletzt erschien der Erzählband Der weiße Globus.

Der Abend wird moderiert von Peter Neumann und Mario Osterland.

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Die Reihe In guter Nachbarschaft ist ein Projekt der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. und wird unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei. Mit freundlicher Unterstützung des Hessischen Literaturforums im Mousonturm e.V.

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In guter Nachbarschaft ist Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen: http://lesereihen.org/