Neue Lyrik: „heimische Arten“ von Mario Osterland

Nachbarschafts-Mitorganisator Mario Osterland hat sein zweites Buch veröffentlicht. Der Gedichtband heimische Arten erscheint, wie schon sein Debut In Paris (2014), im Kölner Independent-Verlag parasitenpresse. Weitere Informationen und die Möglichkeit das Buch zu bestellen, findet ihr im Link ganz unten.

Die Doppel-Buchpremiere mit André Schinkel, der seinen neuen Gedichtband Bodenkunde vorstellt, findet in Jena statt am:

14. Oktober 2017 – 20 Uhr 

Galerie im Stadtspeicher (Markt 16, Jena)

Eintritt: 5,-€

Musikalisch begleitet wird der Abend von einem guten Bekannten unserer Lesereihe: littlemanlost! [Alle Infos zur Veranstaltung hier.]

Außerdem liest Mario Osterland bei der diesjährigen Ausgabe der Erfurter Spätlese im Rahmen der Erfurter Herbstlese.

20. Oktober 2017 – 20 Uhr

Haus Dacheröden (Anger 37, Erfurt)

[Alle Infos dazu auf der Website der Erfurter Herbstlese.]

Der LeseZeichen e.V. hat außerdem ein Video produziert in dem ihr das Gedicht fossile Gewässer aus dem Band heimische Arten hören könnt:

Private wie urbane Räume, die hier bedichtet werden, sind trostlos, das Rurale beiläufig, aber zunehmend rituell. Die Zeichen vergletschern! Was der Mensch nicht wahrnimmt: die Ränder zur ungewissen Zukunft als auch zur dunklen Vorvergangenheit zerfasern, es entstehen Fraßbilder, irgendwo im Düsteren schließt sich der Kreis … Mario Osterland gelingt es, uns wie nebenbei Beklemmung und […]

über Mario Osterland: heimische Arten — parasitenpresse

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Poetryfilm: Antique Sound

Unsere Freunde vom Poetryfilmkanal Weimar stellen auf ihrer Website regelmäßig einen Film des Monats vor. Dabei kommen auch immer wieder Gastautoren zu Wort. Bereits im August hat Nachbarschafts-Mitorganisator Mario Osterland in dieser Reihe über Evan Holms Film „Antique Sound“ (nach einem Gedicht von W.S. Merwin) geschrieben.

Wir läuten das Ende unserer Sommerpause ein, indem wir euch hiermit den Link zu seinem Text, sowie den besprochenen Film nachreichen.

ANTIQUE SOUND from Motionpoems on Vimeo.

 

Unterdessen arbeiten wir an unseren Veranstaltungen im November und Dezember in Erfurt und Weimar, bei denen wir auch diesmal wieder die Grenzen unabhängiger Literatur und neuer Leseformate ausloten werden. Ihr dürft gespannt sein! Wir sind es auch.

Robert Sorg – „Feldrandzeichen“

Dieb

 

Als ich nach Hause kam,

war nicht verändert.

Nur fand ich einen Zettel

in der Diele,

am Rand des Spiegels

eingeklemmt,

unbeschrieben,

der war von dir,

Dieb.

 

Minimalistisch, beobachtend, zeichenhaft sind die Texte des Jenaer Kunsthistorikers, Kulturmanagers und Bibliothekars Robert Sorg, der in diesem Jahr mit Feldrandzeichen sein literarisches Debut veröffentlichte. Als Teil der Publikationsreihe „Jahresgabe“ der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. erscheint es im schmalen Heftformat von 20 Seiten. Ein Format, dass Sorgs verdichteten Texten zwischen Lyrik und kurzer Prosa sehr gut steht. Feldrandzeichen ist kein Zyklus, sondern ein Kondensat mehrjähriger Schreibarbeit. Darin lotet Sorg vor allem zwischenmenschliche Krisensituationen und Sehnsüchte aus, versucht bisweilen die Welt als Bild zu lesen und das Subjekt darin zu verorten. Mit Franz Kafka klingt in diesen Texten ein berühmtes Vorbild literarischer Suchbewegungen an. Sorg nimmt nicht nur dessen Stimmung auf, sondern vertraut auch auf eine klar gehaltene Sprache, die nur selten ausbricht, sich nicht verschnörkelt, allenfalls mäandert, wo es die sinnliche Anschauung verlangt.

Fenster

Zum Beispiel: Am Ende der Nacht aufwachen. Fensterblick: Eine Winterlandschaft. Über die Schneedecke zieht sich das Liniengeäst nackter Bäume. Dazwischen Passanten, in Mäntel gehüllt, mit eilendem Schritt, zufällige Pfade ins Weiß tretend. Innen der Wunsch, Indianer zu werden. Die Prärie sehen, oder vorerst: Krokusblüten.

Sie liegt im Bett. Wie war das alles nochmal? Gedankennotiz: Eisblumen als Ornament am Fensterkreuz. Ich folge ihren Ursprüngen. Der Blick gleitet kursorisch über den Körper. Atem zeichnet sich ab. Der Bauchnabel hebt und senkt sich, wölbt sich, reißt auf. Pfauenaugen, Admirale, Bläulinge – Lepidoptera; ihre Flügel entfalten sich zwischen dem Blut, retten sich an das kalte Fensterglas, vereisen, verhaften. Statements: Das Herz: ein einsamer Jäger, ein geräumiger Friedhof, am Ende des Herzens rudert die Bombe. Die Flügel der Falter schlagen ans Fenster. Mein Blick streift das Geäst der Bäume, sucht nach Konturen im Schnee. Im Mund der Geschmack ihrer Lippen. Der Duft ihres Schweißes. Das Dröhnen der Flügelschläge –

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Robert Sorg: Feldrandzeichen. Literarische Gesellschaft Thüringen e.V.: Weimar, 2017. 20 Seiten. 4,50€ – ISBN 978-3-936305-40-1 (Hier bestellen.)

Rückschau: IN GUTER NACHBARSCHAFT #12

Am 28. April fand die zwölfte Ausgabe unserer Lesereihe in Jena statt. Im Rahmen der „Langen Nacht der Museen“ gastierten wir in Kooperation mit dem Kunsthof Jena e.V. und dem Jenaer Kunstverein e.V. in der Galerie im Stadtspeicher.

Im Mittelpunkt stand dabei einmal mehr unsere Idee, ausgehend von der Literatur Nachbarschaftsverhältnisse zu anderen Künsten zu suchen, zu finden, herzustellen und zu pflegen. Bereits im Januar hatten Tim Holland und Moritz Schneidewendt diese Idee erfolgreich für uns in der ACC Galerie in Weimar erprobt.

In Jena ließen wir nun den Frankfurter Dichter Marcus Roloff und den elektroakustischen Klangkünstler Tim Helbig aufeinander treffen. Roloff las unter anderem aus seinem letzten Gedichtband Reinzeichnung, in dem er sich verstärkt mit den Wirkungsweisen bildender Kunst auseinandersetzt, diese poetisch reflektiert und sprachlich erweitert. Um dem Publikum den Einstieg in das recht komplexe Sujet zu erleichtern, eröffnete er seine Lesung mit einem kurzen Essay, der die Arbeitsweise des Dichters illustrierte.

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Mit teilweise selbstgebauten Instrumenten und Effektgeräten stieg Tim Helbig in die Lesung ein, improvisierte Klangbilder, verfremdete und loopte die Stimme Roloffs. So entstand aus dem Zusammenspiel von Lesung und Klangkunst eine vielschichtige Soundcollage abseits der sonst üblichen Auftritte beider Künstler. Das neue Zusammenwirken von Wort und Klang knüpfte zudem an die in den Räumen des Stadtspeichers gezeigte Ausstellung DEKONTEXT an, in der Objekte aus ihrer gewohnten Umgebung isoliert und so einer neuen Bedeutungsebene zugeführt werden.

Zwischen den zwei improvisierten Sets pflegten wir zudem die Nachbarschafts-Tradition des Autorengesprächs. Im Dialog mit Moderator Mario Osterland erläuterte Marcus Roloff kurz seine kreativen Herangehensweisen an bildende Kunst und Literatur. Dabei betonte er, dass die Künste seiner Meinung nach einen Zugang ohne vorausgesetztes Wissen ermöglichen sollten, um das Publikum nicht unnötig vor den Kopf zu stoßen.

Das Publikum im gut gefüllten Jenaer Stadtspeicher entließ beide Künstler mit entsprechend langem Applaus in die Nacht.

„In guter Nachbarschaft“ sagt Danke für einen gelungenen Abend, der ohne die Unterstützung von Kunsthof und Kunstverein Jena so nicht möglich gewesen wäre!

Rückschau: „vom wuchern“ mit Tim Holland und Moritz Schneidewendt

Am 19. Januar startete unsere Lesereihe mit einer Kooperation mit der ACC Galerie Weimar ins neue Jahr. Und was für ein Auftakt das war!

Im Rahmen der Ausstellung „Alle Achtung! – Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit“ haben wir den Berliner Dichter Tim Holland eingeladen, der vor allem aus seinem Werk vom wuchern/theorie des waldes  las.  Es handelt sich dabei um einen  Hybrid aus faltbarer Landkarte und experimenteller Lyrik. Ein Textgeflecht, das vom Leser Aufmerksamkeit fordert, aber auch ein ganz neues Leseerlebnis mit neuen Aufmerksamkeiten für Details generiert.

Inhaltlich beschreibt Holland das Ganze so: „Es geht um Fukushima, Berichterstattung und (mediale) Katastrophen, um Liebe, da geht es dann auch um asymptotische Annäherung, wo man crashen wollen würde, es geht um Territorialverhalten und um Imitation, um Bespitzelung, Singen, es geht um den Wald, um Wiese, das Meer, nicht um den Strand, aber das Ufer und das Wasser“.

Das Publikum in der gut besuchten ACC Galerie wurde mit dieser experimentellen Art der Lyrik jedoch nicht allein gelassen. Auf sehr sympathische Weise trug Holland seinen Text vor, gab Einblicke in den Entstehungsprozess und vermittelte so den Text an die Zuhörer*innen. Dabei gab er jedoch zu bedenken, dass seine Lesereihenfolge nur eine Möglichkeit ist den Text zu erschließen.

Der Klarinettist Moritz Schneidewendt fand indessen einen ganz eigenen Zugang zu Hollands Texten, erweiterte und reagierte auf sie, indem er an diesem Abend gleichberechtigt zur Lesung Kompositionen Neuer Musik vortrug. Gespielt wurden unter anderem Stücke von Jörg Widmann und Olivier Messiaen. Seine intensive Auseinandersetzung mit den Texten Hollands beeindruckte dabei nicht nur das Publikum, sondern auch den Autor selbst. So kam es an diesem Abend zu einem hochklassigen Dialog zweier Künste, der durch die zusätzlichen Bezugnahmen beider Künstler zur Ausstellung in den Räumen der ACC Galerie eine Einheit bildete.

Im Hinblick auf das geplante Jahresprogramm von In guter Nachbarschaft im Jahr 2017, war der Abend ein mehr als gelungener Auftakt. Im letzten Jahr begannen wir unserem Namen wörtlich zu nehmen und weiteten die Lesereihe von Jena auch auf die Nachbarstädte Weimar und Erfurt aus. In diesem Jahr wird die „Nachbarschaft der Künste“ im Mittelpunkt stehen. Das heißt, dass es unter anderem Kooperationen mit Kunstvereinen und Galerien geben wird. Und natürlich, dass andere Kunstformen während unserer Veranstaltungen gleichberechtigt zur Literatur zur Geltung kommen werden. Wie das im Einzelnen aussehen wird, verraten wir jeweils zu gegebener Zeit.

 

Lyrik für alle!

Vom 7.12. bis 10.12. findet in Salzburg die 3. Babelsprech-Konferenz statt. Begleitet werden die internen Konferenzsitzungen von einem Rahmenprogramm aus Lesungen und Musik, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

Alle Infos zur Konferenz und den Lesungen sind hier zu finden.

In der Vergangenheit haben wir mehrfach mit dem Projekt Babelsprech, das die Lyrikszene aller deutschsprachigen Länder und Regionen verbindet, kooperiert und gemeinsame Lesungen in Jena und Weimar organisiert. In Salzburg ist Nachbarschafts-Mitorganisator Mario Osterland dabei, der als Blogger von der Konferenz berichtet. Außerdem kann man die Sitzungen per Livestream im Internet verfolgen.

Die 3. Babelsprech-Konferenz ist eine Kooperation von
Babelsprech | Bureau du Grand Mot | mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur

Kinga Tóth: Wir bauen eine Stadt — parasitenpresse

Das neue Buch von Kinga Tóth ist da! Wir freuen uns mit ihr und der parasitenpresse. 🙂

Die Gedichte von Kinga Tóth sind Texte, in denen Sprache die wahre Bauherrin ist. Sprache, die ihre Bausteine überall aufsammelt und zu einem geschlechtslosen Mensch-Maschine-Artefakt zusammenbaut. Menschen werden darin roh zu Maschinen verformt. Werkzeuge, Instrumente werden körperlich, menschlich, ändern ihr grammatikalisches Geschlecht. Maschinensprache, Sprache aus technischen Übersetzungen und Bedienungsanleitungen oder Forschungsliteratur fließt ein, dominiert. Die […]

über Kinga Tóth: Wir bauen eine Stadt — parasitenpresse