IN GUTER NACHBARSCHAFT #32 mit Katrin Pitz, Lisa Goldschmidt, Mirjam Wittig und dem mondëna quartet

Wir freuen uns sehr, euch am Mittwoch, den 28. September in der ACC Galerie Weimar zu IN GUTER NACHBARSCHAFT #32 begrüßen zu dürfen! Zu Gast sind die Autorinnen Katrin Pitz, Lisa Goldschmidt und Mirjam Wittig, die ihre neuen Werke vorstellen werden.

Katrin Pitz veröffentlichte 2022 im Elif Verlag ihren Debüt-Lyrikband „auch solche tage waren immer schon da“.         
„wir wundern uns wund an einem wort“ — Von Worten zum Wundwundern und solchen, die man verliert oder vergeblich sucht — davon sprechen die Gedichte von Katrin Pitz. Es sind Gedichte, die wahrnehmen, was unter Oberflächen verborgen liegt und erst noch zu entdecken ist, Gedichte, denen das Selbstverständliche fremd ist, wird und bisweilen auch bleibt.      
– Beate Tröger über Katrin Pitz Lyrikband  
www.katrinpitz.de

Lisa Goldschmidt debütierte mit ihrem Gedichtband „Tage Fragmente“ 2019 im Verlag Lesezeichen e.V. für den sie 2020 das Lyrik-Landesstipendium Baden-Württembergs erhielt.
Es herrschen Heiterkeit, Komik und Witz, es wird metrisiert und rhythmisiert, was das Zeug hält, und die Leser*innen werden sich bei der Lektüre dabei ertappen, wie ihre inneren Stimmen tanzend mitsingen und mitsingend tanzen werden.          
– Alexandru Bulucz über Lisa Goldschmidts Debütband         
www.signaturen-magazin.de/lisa-goldschmidt–tage-fragmente.html

Mirjam Wittig veröffentlichte 2022 ihren Debütroman „An der Grasnarbe“ im Suhrkamp Verlag.     
In An der Grasnarbe treffen innere und äußere Landschaften aufeinander, die nicht nur durch die Klimakrise ins Wanken geraten. Mirjam Wittig erzählt davon mit großem Einfühlungsvermögen und starker atmosphärischer Kraft – als ob man die Berge und Täler vor sich sieht, die Schafsglocken hört, Trockenheit und Hitze auf der Haut spürt. Ein aufregendes Debüt.
www.suhrkamp.de/buch/mirjam-wittig-an-der-grasnarbe-t-9783518430620

Portrait mondëna quartet, Foto: Michael Mortlock

Das mondëna quartet wird den Abend musikalisch begleiten. Seit 2019 vereint das Leipziger quartet Gegensätze zu einem neuen Ganzen. Die vier Künstlerinnen, Shir-Ran Yinon (Violine, Komposition & Arrangements), Sofia Beno (Violine), Marie Schutrak (Viola) und Julia Panzer (Violoncello) zeigen sich vielseitig und wandelbar zwischen diversen Genres in Eigenkompositionen und ausgefallenen Arrangements. Die Musikerinnen genossen allesamt ein klassisches Studium und spielten in diversen Orchestern, darunter das MDR-Sinfonieorchester, die Musikalische Komödie Leipzig und das Stegreif.Orchester. Darüber hinaus bewegen sie sich in anderen musikalischen Bereichen – jede von ihnen tourte mit verschiedenen Bands, wie zum Beispiel Die Prinzen, Wincent Weiss, 2Cellos und New Model Army. Nun haben sich die vier Künstlerinnen zum mondëna quartet zusammengeschlossen und kreieren eigene Konzertprogramme mit Einflüssen aus Neoklassik, Folk, Rock und Pop. 
www.mondenaquartet.com

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Mittwoch, 28. September 2022, 19 Uhr, ACC Galerie

Eintritt: 5 Euro | ermäßigt: 3 Euro | Tafelpass: 1 Euro

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Katrin Pitz, geboren 1989 in Marburg, lebt in Darmstadt. Studium des Maschinenbaus an der TU Darmstadt und anschließend verschiedene Tätigkeiten als Ingenieurin. Schreibt Lyrik und Prosa und übersetzt aus dem Spanischen. 2015 Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses. 2019 Finalistin des 27. open mike. 2021 Leonce-und-Lena-Preisträgerin. Ihr Debüt „auch solche tage waren immer schon da“ ist 2022 im Elif Verlag erschienen.

Lisa Goldschmidt, 1993 in Freiburg im Breisgau geboren, studierte Freie Kunst (Malerei) in Karlsruhe und Psychologie in Frankfurt am Main. 2019 erschien ihr Debüt Gedichtband Tage Fragmente, für den sie 2020 eines der Literatur-Landesstipendien Baden-Württembergs erhielt. Seit 2020 ist sie Teilnehmerin der Darmstädter Textwerkstatt. Sie lebt und arbeitet als Psychologin/Psychotherapeutin in Ausbildung und Lyrikerin in Offenbach.

Mirjam Wittig hat studiert und in Hildesheim als Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift BELLA.triste und Teil der Künstlerischen Leitung des PROSANOVA-Festivals 2020 gearbeitet. Schreibt überwiegend Prosatexte, auch Lyrik und Essay, die bisher hin und wieder in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht (zuletzt JENNY, Glitter, Lichtungen) wurden. 2021 war sie Stipendiatin des LitLabs Göttingen für Literaturvermittlung. Im Frühjahr 2022 erschien ihr Debüt An der Grasnarbe im Suhrkamp Verlag.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen. Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

IN GUTER NACHBARSCHAFT #31 mit Felix Krakau und dem Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen

Auch in diesem Jahr möchten wir euch gerne eine Reihe von Preisträger:innen des Literaturwettbewerbs Junges Literaturforum Hessen-Thüringen in unserer Lesereihe vorstellen. Die Lesung findet am Sonntag, den 11. September um 14 Uhr in der Galerie des Jenaer Kunstvereins im Stadtspeicher statt.       

Zu Gast sind Alice Auciello, Anna-Katharina Kürschner, Tina Neumann und Nina Glaser, die ihre literarischen Texte vorstellen werden mit denen sie jeweils erste Preise beim diesjährigen Jungen Literaturforum gewannen.  

Zudem wird der vielfach ausgezeichnete Autor Felix Krakau – der unter anderem bereits 2010 und 2015 Preisträger beim Jungen Literaturforum war – mit uns über seine zahlreichen Projekte fürs Theater und seine literarische Arbeit sprechen sowie aus seinen Werken lesen.

Portrait Felix Krakau, Foto: David Eberhard

Felix Krakau erfindet eine Sprache, die sich kein bisschen artifiziell verquälen muss, sondern mit Leichtigkeit über das eigene Verlorensein im prekären Großstadtalltag und zugleich über die Utopie des Aufbrechens erzählt. Voller Witz und Musik lässt er den Versuch sinnlich werden, sich selbst zu erfinden, Gegenwelten zu erfinden, Orientierung zu bekommen, auf Sprachwogen zu surfen, um dem prosaischen Erdboden zu entkommen, immerhin für ein paar Momente.
– DIE ZEIT   

Krakau verleiht der Mittellosigkeit ihre leuchtenden Gnadenmomente.         
–  Süddeutsche Zeitung
         
Wir würden uns freuen euch am Sonntagnachmittag im Kunstverein Jena begrüßen zu dürfen.

Sonntag, 11. September, 14:00 Uhr 
Galerie des Jenaer Kunstvereins im Stadtspeicher, Markt 16, 07743 Jena


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Felix Krakau, geboren 1990 in Hamburg, aufgewachsen in Detmold, wohnt in Düsseldorf. Arbeitet als freier Regisseur und Autor an der Schnittstelle von Überschreibung und Recherche, Realität und Fiktion, Quatsch und bitterem Ernst. Studium Kunst- und Medientheorie an der Zürcher Hochschule der Künste, Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main sowie als Gast Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Assistenzen und Hospitanzen am Schauspiel Frankfurt, der Schaubühne Berlin, bei den Salzburger Festspielen und von 2016 – 2018 am Düsseldorfer Schauspielhaus, u.a. bei David Marton, Simon Solberg, Matthias Hartmann, Tilmann Köhler, Bernadette Sonnenbichler. Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien Köln. Lehraufträge und Jurytätigkeiten für die Studienstiftung des Deutschen Volkes, die Hochschule für Bildende Künste Dresden und die Hochschule für Musik und Theater Leipzig (Studio Düsseldorf).      

Alice Auciello, 1999 in Konstanz am Bodensee geboren, studiert Medien- und Kommunikationswissenschaft in Ilmenau. Ihre Semesterferien verbringt sie am Set von Deutschlands erster Musicalserie. Neben dem Studium schreibt sie für das Erfurter Kulturmagazin „Ungleich“ vor allem über Kunst, Konsum und Feminismus. Außerdem arbeitet sie an ihrem ersten Roman und diversen Kurzgeschichten, von denen einige online veröffentlicht sind. Aktuell verbringt sie ein Auslandssemester in Bukarest.         

Anna-Katharina Kürschner, geboren 1996, lebte in Darmstadt, Leipzig, Kinshasa, Frankfurt, Paris und jetzt in Hildesheim. Gerade versucht sie, ein Staatsexamen als Deutsch- und Musiklehrerin mit ihrer Berner-Sennenhündin und dem Studium am Literaturinstitut Hildesheim unter einen Hut zu bekommen. Mit ihren Texten nimmt sie seit 2012 mit großem Erfolg an verschiedenen Wettbewerben teil, unter anderem gewann sie zuletzt die Teilnahme an der Romanwerkstatt des Münchner Literaturhauses „Die große Tour 2020/21“.  

Tina Neumann, 2002 geboren und in Meuselwitz aufgewachsen, studiert seit 2021 Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2020 und 2021 erhielt sie beim Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen den 1. Preis.

Nina Glaser, 1999 in Nürnberg geboren, studiert Internationale Beziehungen und Geschichtswissenschaften an der Universität Erfurt. Sie ist Autorin beim Ungleich-Magazin Erfurt, für das sie regelmäßig Artikel und Reportagen schreibt. Für den Schreibwettbewerb des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen hat sie sich erstmals an die Lyrik herangewagt.       

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT ist fester Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #30 mit Yannic Han Biao Federer und Kira Hummen

Am 22. Juni findet die nächste Veranstaltung von IN GUTER NACHBARSCHAFT in der ACC Galerie Weimar statt.

Zu Gast ist der Autor Yannic Han Biao Federer, der seinen zweiten Roman Tao vorstellt. Darin erzählt er von einer Spurensuche entlang biographischer Brüche und historischer Verwerfungen, in der deutschen Provinz wie im zerrissenen Hongkong von heute. Der Roman stellt die Frage, wie gemeinsame Erinnerung erzählt werden kann, wem sie gehört – und was sie verspricht.

Dass Tobi eigentlich Tao heißt, wissen die wenigsten. Nur Miriam nennt ihn, wenn sie zu zweit sind, bei seinem chinesischen Namen. Als sie ihn verlässt, reist Tao mit dem Auto quer durch Europa, um der Trauer über die Trennung zu entkommen. Doch die Erinnerung an die gemeinsamen Jahre verfolgt ihn, und auch der Tod des Vaters lässt ihn nicht los: Vor Jahren verschwand der in Hongkong – auf der Suche nach dem Geburtsort des eigenen Vaters. Nun ist es Tao, der sich auf die Spuren seiner Vorfahren begibt und zu schreiben beginnt, um die eigene Geschichte zu ordnen und die seiner Familie, die von China über Indonesien bis nach Deutschland reicht.


Kira Hummen steht für weibliche Stärke, die Melancholie des Alltags inspiriert sie. Stimme und Gitarre sind ihr Instrument, ihre Texte sind ihr Antrieb. Herausragend sind vor allem ihre leidenschaftlichen Vocals – der Mut zum laut und auch mal leise sein. Kira Hummens Debüt-Album GROWING PAINS (2020) ist ein Manifest der Weiblichkeit; erzählt von Liebe, von Schmerz, vom Wachsen. Die in Düsseldorf lebende Singer-Songwriterin schloss sich die vergangenen Jahre in ihrem Bed Room Studio ein, um ihr neues Album selbst zu produzieren. Benannt nach ihrem Song MY BODY IS THE ONLY PLACE, gibt es weiblicher Ermächtigung einen eigenen Sound. Die Künstlerin bewegt sich durch die verschiedenen Stationen weiblicher Ermächtigung, entdeckt neue stimmliche Facetten und integriert die rumpelnde Drum Machine CR78 in einen einzigartigen Sound. Ihr neues Album MY BODY IS THE ONLY PLACE wird 2022 erscheinen.

Zudem stellen die Thüringer Nachwuchsautor:innen Sina Sophia Wiese, Lennart Strauß und Jonas Böddicker eigene Texte vor im Rahmen unserer Offenen Bühne.

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Mittwoch, 22. Juni 2022, 19 Uhr, ACC Galerie

Eintritt: 5 Euro | ermäßigt: 3 Euro | Tafelpass: 1 Euro

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Yannic Han Biao Federer lebt und arbeitet als freier Autor in Köln. Er schreibt Romane und Erzählungen, Essays und Rezensionen, u.a. für Deutschlandfunk, WDR und SWR. Sein Debütroman Und alles wie aus Pappmaché erschien 2019 im Suhrkamp Verlag, ebenda folgte im März 2022 sein zweiter Roman Tao. Er ist Mitglied im Jungen Kolleg der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Kira Hummen wurde 2021 als Beste Newcomerin von popNRW nominiert und ist Preisträgerin der Lalla:Labor Künstlerinnenförderung. Ihr neues Album MY BODY IS THE ONLY PLACE ist 2022 erschienen.

Sina Sophia Wiese studiert Psychologie und Neurowissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dazu besucht sie Kurse in der Literaturwissenschaft und nahm 2021 am Seminar kreatives Schreiben von Prof. Dr. Dirk von Petersdorff teil. Ihre Kurzgeschichte Notnagel wurde in diesem Jahr mit dem 2. Preis des Literaturforums Hessen-Thüringen ausgezeichnet. 

Lennart Strauß, geboren 1997, Kindheit auf der schwäbischen Alb, auch in der Schule viel geschrieben, damals meistens noch Raptexte, Studium in Freiburg, Augsburg und Erfurt, inzwischen schreibe ich mehr Lyrik und kurze narrative Texte und schon sind wir in der Gegenwart angekommen.

Jonas Böddicker, 1997 in Geseke geboren, lebt in Erfurt. Studiert Medienkultur an der Bauhaus-Universität Weimar (BU) und ist seit 2019 Redakteur bei der studentischen Initiative eject – Zeitschrift für Medienkultur. Er ist zudem Mitbegründer der studentischen Initiative für kreatives Schreiben an der BU und war Pressepraktikant bei der Klassik Stiftung Weimar.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen und das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

FÄLLT AUS —— IN GUTER NACHBARSCHAFT #29 mit Caren Jeß und Oh No Noh

FÄLLT AUS: Die Veranstaltung kann wegen Krankheit leider nicht stattfinden.

Am 18. Juni findet die nächste Veranstaltung von IN GUTER NACHBARSCHAFT in der ACC Galerie Weimar statt.

Zu Gast ist die Autorin Caren Jeß, die ihr neues Theaterstück Die Katze Eleonore vorstellt. Eine Autorin mit »ausgeprägtem Sinn für Komik, der sich überall entzünden kann – an einer rhetorischen Figur, einer Lautmalerei, Spiegelungen von Text und Bild oder einfach der x-ten Wiederholung der gleichen Situation.« (Eva Behrendt über Caren Jeß in theater heute 03/20)

Die Katze Eleonore
Eleonore ist eine Frau. Bis sie eines Tages merkt, dass sie eigentlich eine Katze ist. Weil sie finanziell unabhängig und alleinstehend ist, steht ihrer Umwandlung eigentlich nichts im Weg. Sie lässt sich einen Katzenfellanzug nähen, entmenschlicht sukzessive ihr Ess-, Schlaf- und Sozialverhalten. In Kopfgesprächen mit Dr. Wildbruch, einem Therapeuten, auf den ihr katzenhaftes Verhalten eine große Faszination ausübt, zeigt sich deutlich, dass auch Eleonores Denken zunehmend dem einer Katze gleicht. Ihre Distanzierung von menschlichen Wahrnehmungsformen, die es mit denen einer Katze bei Weitem nicht aufnehmen können, ist so nachvollziehbar beschrieben, dass die Transformation ihres Lebens weitaus mehr als nachvollziehbar klingt. Man könnte sogar sagen, verlockend.
Gleichzeitig bewegt Eleonore sich im Spannungsfeld der Unmöglichkeit, als Mensch tatsächlich eine Katze sein zu können. Die Biologie ist bei aller Anpassung nicht zu überlisten. Trotzdem passt sie sich so weit wie möglich an. Schlussendlich besteht ihr Leben nurmehr aus der Jagd nach Mäusen im Garten und Schlaf, die Reduktion auf Trieb und Instinkt. Wie sich die Sinne dabei erweitern und Gesellschaft absolut nebensächlich wird, davon erzählt der Monolog Eleonores mit einer Sprache, die in ihrer filigran poetischen Genauigkeit dem Wesen einer Katze sehr nah kommt – bei aller Ambivalenz. Denn der Rückzug des Menschen in die absolute Privatheit stellt auch die drängende Frage nach der Verantwortung, die wir im Einzelnen als Teil einer funktionierenden Gesellschaft tragen müssen.

Die Musik für den Abend steuert Oh No Noh bei. Das Projekt von Markus Rom aus Leipzig sucht nach Wohlklang in unkonventionellen musikalischen Settings, obsoleter Technik und alltäglichen Geräuschen. Soundtrack für das Ende eines Planeten, gespielt auf Maschinen, deren einziger Zweck eine unendliche Reparatur ist, so beschreibt die Presse diese Musik, und es stimmt: Oh No Noh’s Live-Setup, ein Arrangement aus elektrischer Gitarre, programmierbaren Robotern und einem Kassettendeck gleicht einem Klanglabor und klingt dennoch nach einem eingängigen Mix aus Indie, Ambient, Minimal Music und Electronica.

Zudem stellt der Thüringer Nachwuchsautor Konstantin Stawenow eigene Texte im Rahmen unserer Offenen Bühne vor.

Samstag, 18. Juni 2022, 19 Uhr, ACC Galerie

Eintritt: 5 Euro | ermäßigt: 3 Euro | Tafelpass: 1 Euro

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Caren Jeß, Foto: Micha Steinwachs

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Caren Jeß, * 1985 in Eckernförde, studierte Deutsche Philologie und Neuere deutsche Literatur in Freiburg und Berlin, lebt in Dresden. Für ihre Theaterstücke und literarischen Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet. Sie ist unter anderem Nachwuchsdramatikerin des Jahres in der Kritiker-Umfrage des Jahrbuchs von Theater heute 2020, Gewinnerin des Stückepreises im Rahmen des Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreises 2020 mit Der Popper und Gewinnerin des taz-Publikumspreises 2018 in der Kategorie Lyrik im Rahmen des open mike Wettbewerbs für junge Literatur.

Konstantin Stawenow (*2003, Erfurt) ist Lyriker und Auszubildender an der Schnitzschule Empfertshausen. Er schreibt Texte für den CVJM Thüringen, Ausschreibungen, das Lyrikkollektiv PARTNERS IN POEM und sein Spiegelbild. Bisherige Veröffentlichungen u.a. in den Anthologien Umbrueche (Verlag Roloff) und #Antikriegslyrik (Trabanten Verlag) sowie in der ’apostrophe #3 und der 6. Ausgabe des absolutzine.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen und das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

Lisa Memmeler im Interview

IN GUTER NACHBARSCHAFT #28 fand am 28. Oktober in der ACC-Galerie Weimar erstmals wieder live & in Präsenz statt. Mit dabei war Lisa Memmeler – wir haben mit ihr über ihre Gedichte und die Teilnahme am open mike gesprochen.

Lisa Memmeler (c) Henrike Ribbe
Lisa Memmeler, Foto: Henrike Ribbe

Du warst dieses Jahr als Finalistin beim 29. open mike und hast dort Gedichte gelesen. Der open mike ist ja ein sehr wichtiger Wettbewerb für junge Schriftsteller*innen – wie hast du die Tage in Berlin erlebt, was waren deine Erfahrungen?

Da ich ansonsten wenig mit ‚dem Literaturbetrieb‘ in Kontakt bin, waren die Tage in Berlin für mich sehr aufregend. Sich auszutauschen und von Menschen umgeben zu sein, die alle auf ihre eigene Weise literarisch aktiv sind, lässt diese eigentümliche Welt des Schreibens – die manchmal ja auch eine sehr einsame sein kann – sehr real werden, gibt ihr einen Ort. Ich habe das Gefühl, dass gerade der Lyrik so ein Ort vielleicht fehlt, vielleicht macht dieses Fehlen sie auch ein wenig aus… aber es war in jedem Fall für mich sehr besonders, ein Sprechen über Lyrik und ein lyrisches Sprechen in diesem Kontext als sich-raum-schaffend zu erleben.

In deinen Gedichten werden vermeintlich natürliche Bilder (z.B. des Meeres oder des Himmels) gebrochen durch menschengemachte Umwelt, etwa in dem Versuch, neben dem rauschen der hochspannungsleitung kommender, rennender züge die Stimmen der Frösche zu hören. Ist das etwas, was du bewusst verfolgst?

Dass Natur und wofür sie einsteht nicht ungebrochen erfahren werden können, ist eher etwas, das meinem Schreiben auf eine Art immer wieder neu widerfährt. Der Bruch stellt sich mehr ein, als dass ich ihn bewusst plane – auch wenn er wohl unvermeidlich ist. Was mich dabei aber besonders interessiert, ist, wie lange Motive und bestimmte Sprachformen sich durchhalten lassen und wo sie ein anderes Sprechen fordern, fordern aufgegeben, abgewandelt, entrückt oder betrauert zu werden.

Deine Gedichte erzeugen immer wieder Momente der Spannung, kurz bevor sich etwas Bahn bricht – so schreibst du von hochspannungsleitungen, von häuten glühenden anthrazits und gedehnten häuten der Frösche, von Menschen, die sich zwischen glattem Gestein aufsprengen und der Zeit, die wild ausschlägt. Würdest du dem zustimmen? Was fasziniert dich daran?

Ja, schon. Ich glaube, das passiert, wenn die Tragfähigkeit eines bestimmten Sprechens auf der Probe steht. Es entsteht eine bestimmte Spannung, die das Sprechen dynamisiert, forttreibt und umlenkt. Auch die Bilder in den Gedichten und ihre Bewegungen formen sich mir oft entlang dieser experimentellen Achsen. Die Sprache oder auch ihr Rhythmus gewinnt in ihrer Spannung eine Art Eigenleben, nur ganz kurz, um dann unmittelbar die Frage nach einem nächsten Ansetzen und Weitersprechen zu stellen. Das, was sich dann vielleicht Bahn bricht, muss sich zu der eigenen evozierten Dynamik ins Verhältnis setzen; und dieses Antworten auf abgebrochene Tendenzen des eigenen Sprechens reizt mich sehr, weil man nie genau weiß, wohin es führt – weil es öffnet und auffordert.

Wann hast du begonnen, Lyrik zu schreiben? Und in welchen Momenten entstehen deine Gedichte?

Begonnen, Lyrik zu schreiben, habe ich früh. Auch das Lesen von Gedichten und Theaterstücken in der Schule hat bei mir oft ein Einschwingen auf deren Rhythmen provoziert. Das hat mir häufig so lange keine Ruhe gelassen, bis ich einen eigenen Versuch, lyrisch darauf zu antworten, unternommen habe. In Teilen ist das auch heute noch so. Abgesehen davon sind es keine spezifischen Momente, in denen die meisten Gedichte entstehen. Manches brütet lange und zäh, manches drängt sich mit einem Mal auf und fordert sich ein. Zur Überarbeitung einzelner Texte nehme ich mir auch mal explizit Zeit, aber die meisten ersten Impulse machen sich in zeitlichen Zwischenräumen laut.

Wie geht es für dich nach dem open mike nun weiter? Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt?

Den Schwung des open mike und die Anregung der Tage in Berlin versuche ich in mein Arbeiten aufzunehmen. Dass auch nach dem Wettbewerb über mehrere Jahre die Teilnahme an Lyrik-Workshops möglich ist, kommt mir dabei sehr entgegen. Manchmal reicht ja eine solche Gelegenheit, die ermöglicht, sich perspektivisch über die eigenen Projekte auszutauschen, um sich in seinen eigenen Vorhaben ernst zu nehmen und nicht davon abzulassen. Zurzeit schreibe ich an einigen neuen Gedichten. Dabei beschäftigen mich vor allem Anredeformen im Gedichteten weiterhin, aber ich habe das Gefühl, dass in den neueren Gedichten das >Du< besonders prekär wird, sich waghalsig probiert: als bis zu seinen Grenzen herauszuforderndes und dort (vielleicht) zu schützendes.

Vielen Dank für das Interview!

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Lisa Memmeler, 1993 in Düsseldorf geboren, lebt in Jena. Hat Philosophie in Marburg, Jena, Mailand und Rom studiert. War Praktikantin am Max-Planck-Institut für Empirische Ästhetik in Frankfurt a.M. und im Marburger Kunstverein. Derzeit schließt sie ihr Studium der Psychologie in Marburg ab. 2021 ist sie Finalistin des open mike Wettbewerbs in Berlin in der Kategorie Lyrik.

Tommy Neuwirth bei den 23. Thüringer Literaturtagen

Mit Tommy Neuwirth war ein weiteres bekanntes Gesicht aus unserer Lesereihe bei den 23. Thüringer Literaturtagen vertreten, die in diesem Jahr digital stattfanden.

Hier könnt ihr seine Videoperformance Die Unverfügbarkeit meiner Feelings bei gleichzeitiger Verfügbarkeit meiner Privilegien nachschauen.

Lea Weiß bei den 23. Thüringer Literaturtagen

Die 23. Thüringer Literaturtage auf Burg Ranis fanden in diesem Jahr aus den uns allen bekannten Gründen digital statt. Mit dabei war auch Lea Weiß aus Jena, die seit diesem Jahr zum Team unserer Lesereihe gehört.

Gemeinsam mit Melis Ntente und anderen gehört Lea zu den aktuellen Preisträgerinnen des Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen. Im Video bekommt ihr einen Einblick in das Schreiben der beiden und ihre ersten Schritte ins literarische Leben. Moderiert von Nachbarschafts-Mitbegründerin Romina Nikolić.

100% Jena

Unsere Freund*innen vom Jenaer Kunstverein e.V. beteiligen sich an der Initiative 100% Jena, die Akteur*innen aus Einzelhandel, Gastro und Kultur in Szene setzt, die dort das Stadtbild und öffentliche Leben prägen.

Derzeit gibt es in der Galerie im Stadtspeicher (Markt 16) die Ausstellung „Dressuren der Durchlässigkeit“ zusehen, die sich mit dem Verhältnis von Mensch und Pferd auseinandersetzt. Schaut es euch an!

 

Textwerkstatt für Nachwuchsautor*innen

Poesie & Praxis – die Thüringer Textwerkstatt

Was unterscheidet Erzählen und Beschreiben? Wie wechselt man die Perspektive? Wann ist ein Text fertig, wann ist er gelungen und wie kann man das erkennen?

Diese und viele weitere Fragen stellen sich einem Autor, manche können nur intuitiv beantwortet werden, andere hingegen sind schlicht eine Sache des handwerklichen Rüstzeugs. Denn hat man einen Text geschrieben, steht die eigentliche Arbeit noch bevor.

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Die Thüringer Textwerkstatt „POESIE & PRAXIS“ bietet jungen, angehenden Autoren und Autorinnen die Gelegenheit, ihre Texte (z. B. Lyrik, Erzählungen, Romanauszüge) mit etablierten Autoren, Wissenschaftlern und „Gleichgesinnten“ zu diskutieren und zu bearbeiten. Neben der Vermittlung des Handwerks und literarischer Strategien steht vor allem der intensive Austausch über die eigenen Texte und über die Texte anderer im Mittelpunkt der Werkstatt.

Geleitet wird die Werkstatt wird von Nancy Hünger (Lyrik / Prosa) und Peter Neumann (Lyrik). Darüber hinaus werden renommierte Autorinnen und Autoren die Werkstatt begleiten.

Die Textwerkstatt findet einmal im Monat in Schillers Gartenhaus (Universität Jena) statt. Teilnehmen kann, wer seinen Wohnsitz in Thüringen hat und im Alter von 16 bis 25 Jahren ist. Textproben sind keine Bedingung für die Teilnahme – allerdings würden wir uns darüber freuen. Bereits vorhandene Schreiberfahrungen sind wünschenswert.

Anmeldungen (mit Name, Adresse, Alter, E-Mail, Telefonnummer) bitte per E-Mail/facebook/Post an:

ranis [at] lesezeichen-ev.de
facebook.com/poesiepraxis
Lese-Zeichen, Carl-Zeiss-Platz 15, 07743 Jena

Die Textwerkstatt ist nicht öffentlich und auf max. 10 Teilnehmer begrenzt.

Die Thüringer Textwerkstatt „POESIE & PRAXIS“ ist ein gemeinsames Projekt von Lese-Zeichen e.V. und Schillers Gartenhaus (Friedrich-Schiller-Universität Jena) mit freundlicher Unterstützung der Thüringer Staatskanzlei.

In aufsteigender Tiefe

Am Dienstag bekam Peter Neumann das Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach verliehen. Er nutzte die Gelegenheit, um im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt eine Dankesrede zu halten, die Einblick in seine aktuelle Arbeit gibt und Stellung zur aktuellen Provinzialisierung des Geistes bezieht.

[…] Ich würde heute, auch vor dem Hintergrund der politischen Diskursverschiebungen der letzten Jahre – einer in diesem Ausmaß nie für möglich gehaltenen Provinzialisierung des Geistes –, von magmatischen Landschaften sprechen: Areale, irgendwo zwischen dem Phlegma, dass alles so bleiben möge, wie es immer war, und dem besinnungslosen Taumel, die Trägheit nach eigenen Maßstäben zu verteidigen. Ränder, die auf einmal zu Zentren werden, Zentren der Abwehr, der selbsternannten Hüter einer immer schon vorherbestimmten – wer bestimmte sie, wann? – Identität: Leitkultur, ick hör dir trapsen. Gruppen, die wutentbrannt, Nase schnaufend, durch die Straßen ziehen und den Normalzustand proklamieren. Denn was da gerade passiert, gehört neutralisiert, unschädlich gemacht, eingemeindet, oder gerade ausgemeindet. Die Provinzialisierung des Geistes ist heute mitten unter denen angekommen, die sich als seine Fürsprecher verstehen. Oder wie ist die Nationaltümelei zu verstehen, mit der sogenannte Intellektuelle sich dieser Tage per Erklärung, die an sprachlicher und geistiger Erbärmlichkeit kaum zu über-/unterbieten ist, in die Grenzen desjenigen Landes einzumieten versuchen, das es so, in dieser Form, schon lange nicht mehr gibt. Good old Dschermani, isch over. Oder wie ist die Vermessenheit zu verstehen, mit der von eben denselben Personen Demokratien zu Diktaturen und Diktaturen zu Demokratien erklärt werden, während in anderen Ländern Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Journalistinnen und Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten inhaftiert werden, Menschen, die jede öffentliche Unterstützung gebrauchen könnten. […]

Der Text ist in voller Länge auf den Seiten von Fixpoetry zu finden.