Rückschau: In guter Nachbarschaft – XMAS Edition

Am 16. Dezember 2016 fand im Jenaer Atelier Merle Stankowski die kleine In guter Nachbarschaft – XMAS Edition statt. Dabei hielt Ralf Schönfelder eine kleine einführende Laudatio auf die Lesereihe und gleichzeitig einen Abgesang auf das Jahr 2016. Peter Neumann und Mario Osterland ließen danach das Nachbarschaftsjahr in einer Art best of-Lesung Revue passieren. Dabei wurden Texte aller 2016 eingeladenen Autor*innen, Domink Dombrowski, Anja Kampmann, Christoph Wenzel, Björn Kuhligk und Crauss, gelesen. Kinga Tóth wurde nicht vergessen, sondern per Videostream live aus Lübeck zugeschaltet! Sie las aus ihrem aktuellen Buch Wir bauen eine Stadt.

Im zweiten Teil des Abends haben Neumann und Osterland eigene Texte gelesen, die teilweise mit Grafiken des Geraer Künstlers Alexander Neugebauer illustriert wurden.

Für den passenden musikalischen Rahmen des intimen Abends sorgten Robert Wenzl und seine Band, mit Songs in bester Singer/Songwriter-Manier.

Zum Ende des Jahres sagen wir DANKE! an alle, die die Nachbarschaft 2016 zu dem gemacht haben, was sie war – ein voller Erfolg! Danke an alle Autor*innen und Lesenden am offenen Mikrofon, an die Galerie Iconotop in Weimar, Franz Mehlhose in Erfurt, Merle Stansowki in Jena, an die Literarische Gesellschaft Thüringen e.V., die Thüringer Staatskanzlei, den LeseZeichen e.V. und alle Sponsoren und Förderer.

Tausend Dank natürlich und vor allem an unser wunderbares Publikum! Wir sehen uns 2017 wieder. Euch und Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest, guten Rutsch und alles Gute für’s neue Jahr.

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Vorgestellt: Robert Wenzl

Robert Wenzl, geboren 1990 in Pößneck. Nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker studiert er seit 2014 Geografie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Veröffentlichungen u.a. in Nagelprobe 33 und HANT – Magazin für Fotografie. Er ist zudem als Singer/Songwriter und in der Band Lightcap aktiv.

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Robert Wenzel (Foto: privat)

Mario Osterland: Lieber Robert, wir hatten uns im Zuge deiner Teilnahme am Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen kennengelernt. Hattest du zuvor schon einmal von unserer Lesereihe gehört?

Robert Wenzl: Hallo Mario. Zuvor hatte ich leider nichts von der Lesereihe gehört – überhaupt hört man von der Thüringer Literatur wenig, wenn man sich nicht in ihrem direkten Dunstkreis bewegt, würde ich sagen. Aber ich habe auch nie aktiv danach geschaut, man hätte euch sicherlich finden können.

M.O.: Das heißt, es gab deinerseits gar keine wirkliche Wahrnehmung einer „Szene“. Wie bist du auf das Literaturforum aufmerksam geworden bzw. wie kam es, dass du dich dort beworben hast?

R.W.: Es gab keinen direkten Weg. Ich hatte seit zwei Jahren angefangen längere Texte und Gedichte zu schreiben, zuvor hatte ich nur für Songs getextet. Doch dann habe ich in der Uni ein Seminar für Kreatives Schreiben bei Dirk von Petersdorff besucht. So ging es dann los, dass ich regelmäßig und ausführlicher geschrieben habe. Auf das Literaturforum bin ich dann durch Internetrecherche aufmerksam geworden, weil ich Plattformen gesucht habe Leuten das Geschriebene zu zeigen.

M.O.: Der Weg führte also über die Uni. Das ist interessant, da du ja bisher einen eher „bodenständigen“ Weg gegangen bist. Ausbildung zum Industriemechaniker und jetzt ein Studium der Geographie. Das ist heutzutage schon was Bemerkenswertes, wenn man als Autor nicht den rein künstlerisch-geisteswissenschaftlichen Weg geht.

R.W.: Nun, ich denke, dass es mir – obwohl es ein bisschen pathetisch klingt – immer um Ausdruck ging. Andere Formen haben für mich immer neue Ausdrucksmöglichkeiten mitgebracht, daher dann auch die Motivation, es mit dem Schreiben zu probieren. Dass das nicht über eine künstlerisch-geisteswissenschaftliche Schiene geschah, kommt auch daher, dass mich andere Themen immer interessiert haben und ich sie als Einfluss genommen habe. Das heißt außerdem auch nicht, dass ich mich dann nicht mit Literaturwissenschaft beschäftigt habe. Habe ich natürlich auch, nur eben nicht professionell. Vielleicht kommt man da in der heutigen Literatur nicht daran vorbei.

M.O.: Aber das ist ja nun eigentlich das Bemerkenswerte, dass neben der kreativen Arbeit ein echtes – mit deinen Worten professionelles – Interesse an anderen Bereichen vorhanden ist. Dass sich da verschiedene Aufmerksamkeiten die Waage halten. So ja auch innerhalb der Künste, in denen du dich bewegst, oder? Es ist ja schon angeklungen, dass du neben der Literatur auch als Musiker tätig bist. Oder vor allem? Gibt es da eine Gewichtung?

R.W.: So eine richtige Gewichtung gibt es nicht, phasenweise schreibe ich mehr Texte, dann wieder viele Lieder. Im Moment steht die Musik im Vordergrund, da ich wieder eine EP aufnehmen will. Doch ein paar Schreibideen warten auch schon. Für mich macht es einfach sehr viel Sinn, mehrere Sachen gleichzeitig zu machen, mich gleichzeitig für mehrere Dinge zu interessieren. Ich bin dabei sehr flatterhaft, es gibt einfach zu viele spannende Themen! Aber oft kann man Ideen aus anderen Bereichen importieren, das ist dann das eigentlich Spannende

M.O.: Diese Offenheit finde ich klasse. Zuletzt wurde ja vor allem im Zuge der Nobelpreisvergabe über die Trennlinien und Zusammenhänge von Songwriting und Literatur viel diskutiert und gestritten. Als Songwriter und Autor hat dich die Auszeichnung für Bob Dylan sicher sehr gefreut.

R.W.: Ja, unbedingt. Ein Literaturbegriff, der nur das als Literatur ansieht, was zwischen dicken Einbänden gedruckt wird, ist doch überholt. Ich hatte kurz zuvor viel über Dylans Werk gelesen (Dank Heinrich Detering) und mir seine Autobiographie besorgt. Seine Lieder haben nun einmal auch einen hohen literarischen Wert. Vielleicht wurde viel diskutiert, da man Dylan seit 50 Jahren als Protest-Singer wahrnimmt. Aber damit wird man ihm sicherlich nicht gerecht.

M.O.: Dennoch würde mich interessieren, ob du sagen kannst diese oder jene Themen funktionieren besser in der Literatur als in der Musik oder umgekehrt. Mir erscheint es zum Beispiel oft so, dass im Song mehr Gefühl möglich ist als in der Literatur.

R.W.: Da stimme ich dir zu. In Songs lassen sich durch Melodie, Rhythmus (den es natürlich auch in Literatur gibt) und die Performance andere Qualitäten herstellen. Musik ist auch für mich emotionaler geladen als Literatur, vielleicht auch, weil der Zugang meistens über einen anderen Sinn geschieht. Einen Essay in einen guten Song zu packen, ist andererseits kaum möglich. Vielleicht sollte man als Künstler deswegen auch mit verschiedenen Formen experimentieren, da sie jeweils anderes besser ausdrücken können. Allein in der Literatur kann man sich ja an etlichen Formen austoben.

M.O.: Darum freut es mich auch, dass wir dich nach deiner Lesung bei der Summer Edition im Juli noch als Musiker bei der kleinen XMAS-Edition im Dezember werden hören können.

R.W.: Ich freu mich auch schon drauf. Ich werde auch die neuen Lieder mitbringen!

M.O.: Cool. Dann bis dann und vielen Dank für das Gespräch.

Lyrik für alle!

Vom 7.12. bis 10.12. findet in Salzburg die 3. Babelsprech-Konferenz statt. Begleitet werden die internen Konferenzsitzungen von einem Rahmenprogramm aus Lesungen und Musik, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

Alle Infos zur Konferenz und den Lesungen sind hier zu finden.

In der Vergangenheit haben wir mehrfach mit dem Projekt Babelsprech, das die Lyrikszene aller deutschsprachigen Länder und Regionen verbindet, kooperiert und gemeinsame Lesungen in Jena und Weimar organisiert. In Salzburg ist Nachbarschafts-Mitorganisator Mario Osterland dabei, der als Blogger von der Konferenz berichtet. Außerdem kann man die Sitzungen per Livestream im Internet verfolgen.

Die 3. Babelsprech-Konferenz ist eine Kooperation von
Babelsprech | Bureau du Grand Mot | mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur