23.11. – Erfurt – Lesung mit Gorch Maltzen und Beate Weston-Weidemann

Im Rahmen der Erfurter Herbstlese stellt die Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. die aktuellen Bände der Edition Muschelkalk vor. Beate Weston-Weidemann liest anlässlich dessen aus ihrem Gedichtband Partitur der leisen Geräusche. Außerdem liest unser neues Teammitglied Gorch Maltzen aus seinem Erzählband Sträuben, der mehr als eine Empfehlung wert ist!

am 23.11.2018 – um 19 Uhr

im Kulturhaus Dacheröden (Anger 37, 99084 Erfurt)

Eintritt: 10,-€/ermäßigt 8-€

Weitere Informationen gibt es hier.

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Gorch Maltzen (Foto: Nija-Maria Linke)
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Rückschau: In guter Nachbarschaft #18

Die 18. Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT ist leider Geschichte, aber es war ein Abend, der uns und unserem Publikum noch lange angenehm in Erinnerung bleiben wird. Die österreichischen Autoren Robert Prosser und Niklas L. Niskate gaben sich am 26. Oktober, dem Nationalfeiertag ihres gelobten Heimatlandes, die Ehre und performten live aus ihren Texten.

Eröffnet wurde der Abend dem Anlass gemäß mit einem poetischen Lobpreis auf die Alpenrepublik, bevor Robert Prosser die Bühne enterte und den Beginn seines 2017 erschienenen Romans Phantome (Ullstein Verlag) freisprechend in einer energiegeladenen Rezitation darbot. Sowohl von der Bühne herab als auch im Zuschauerraum umherschreitend, zog Prosser das Publikum in den Bann der Erzählung, in der die Zuhörer einem jungen Kriegsflüchtling aus Bosnien buchstäblich durch den Wiener Untergrund der Graffitiszene folgen.

Anschließend präsentierte Niklas L. Niskate, unterstützt von einer Loopstation, brandneue Lyrik aus seinem am Tag der Veranstaltung druckfrisch erschienenen Buch Entwicklung der Knoten (edition mosaik). Dabei baute er zunächst Schicht für Schicht und Stimme für Stimme einen Klangteppich aus Klopfgeräuschen und Beatbox-Elementen auf, bevor er den eigentlichen Gedichttext auf diesen Teppich gebettet vortrug bzw. in den Klang einwob. Das Publikum konnte so live den Entstehungsprozess der Stücke mitverfolgen, die die Grenzen zwischen Worten, Lauten und Klängen, schließlich sogar zwischen Literatur und Musik verwischen und Neues entstehen lassen.

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Im Autorengespräch gaben Prosser und Niskate Einblicke in ihre jeweiligen Schreibprozesse und erläuterten, warum ihre Darbietungen sich von der klassischen Literaturlesung entfernen. Gemein ist beiden, dass sie durch den Vortrag dem Text eine adäquate Präsentation und zusätzliche Sinnebenen geben.

Abschließend standen Prosser und Niskate erstmals und exklusiv für diesen Abend gemeinsam auf der Bühne und trugen von Lyrik in Prosa, von Prosa in Lyrik übersetzte Texte des jeweils anderen vor. Zusätzlich performten die Autoren Rücken an Rücken einen kraftvollen Text als Resultat einer fruchtbaren Zusammenarbeit im oberösterreichischen Almtal, „dem eigentlichen Tirol“, wie Prosser dem Publikum versicherte.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Zuschauer*innen, bei Niklas L. Niskate und Robert Prosser, beim Team von FRANZ MEHLHOSE, der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. und der Thüringer Staatskanzlei für die freundliche Unterstützung.

(Fotos: Anne Osterland)

http://www.robertprosser.at/

https://niskate.com/

26.10. – Erfurt – IN GUTER NACHBARSCHAFT #18

Liebe Freund*innen, am 26. Oktober kehren wir endlich wieder zurück nach Erfurt und beenden damit unsere lange Sommerpause. Im Franz Mehlhose erwartet euch ein einzigartiger Literaturabend. Der Tiroler Autor Robert Prosser trägt in einer einzigartigen Leseperformance frei(!) aus seinem Roman Phantome (nominiert für den Deutschen Buchpreis 2017) vor. Niklas L. Niskate, in Oberösterreich lebend, performt seine Texte ebenfalls frei, mithilfe von Loops und elektronischen Effekten entsteht Soundpoesie vom Feinsten. Beide Künstler stellen zudem eine gemeinsame Performance vor, die sie eigens für diesen Abend erarbeitet haben. Prosa, die Lyrik, Lyrik, die Prosa wird. Eine außergewöhnliche Performance-Kollaboration!

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Freitag, 26.10.2018 – 20 Uhr

Franz Mehlhose (Löberstr. 12, 99084 Erfurt)

Eintritt: 5,-/erm. 3,-€ (nur Abendkasse, Ticketreservierung unter inguternachbarschaft [at] gmx.de)

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NIKLAS L. NISKATE wuchs als Kaninchen unter Dodos auf. In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts ging er in der Wortschmiede des Bergarbeiterschaft Nordsüdinnung in die Leere. Es folgten nach Intermezzi bei den Neandertalern in den 1630erJahren Auftritte als Sprachspucker im wandernden Androidentheater, das sich allerdings nicht lange am Leben halten konnte. Bei einem später folgenden freien Wettbewerb im Wortwerfen wurde er mit zwei Dutzend Kronkorkenorden ausgezeichnet, die er fortan, an sich befestigt zu Schau stellen sollte. Derart traumatisiert ergriff er die Flucht und begann unverzüglich mit der Untertunnelung des Ozeans. Ende des 19. Jahrhunderts tauchte er wieder auf, im Lesesaal der Universität Fort Hare, wo er 1910 als erstes Kaninchen weltweit den Hochschulabschluss in Innenarchitektur, Tunnelbau und Projektionsfelderwirtschaft absolvierte. Auf diese Art akademisch verwahrlost, kratzte er in den Folgejahren Erdgedichte aus Tunnelwänden und brachte sie zu einem nahegelegenen Gunstmarkt.
Seitdem entstanden freie Kooperationen mit so namhaften Größen wie dem Zufall. Zahlreiche Veröffentlichungen, Preise, Auszeichnungen, Lobhudeleien und Gunstbezeugungen innerhalb der berüchtigten Literaturgruppe Spiegelkabinett, deren einziges Mitglied er darstellt. https://niskate.com/

ROBERT PROSSER, geboren 1983 in Alpbach/Tirol, lebt dort und in Wien. Studium der Komparatistik und Kultur- und Sozialanthropologie, Aufenthalte in Asien, in der arabischen Welt und in England. Er tritt mit Performances auf, ist Mitbegründer von Babelsprech zur internationalen Förderung junger Poesie und konzipiert im Literaturhaus Wien die Lesungsreihe Kombo Kosmopolit. Er veröffentlichte u.a. den Roman Geister und Tattoos (Klever, 2013), sowie als Mitherausgeber Lyrik von Jetzt 3 (Wallstein, 2015). Im August 2017 erschien bei Ullstein fünf der Roman Phantome.
Einige Auszeichnungen, u.a.: Österreichisches Projektstipendium für Literatur 2018/2019, Longlist Deutscher Buchpreis 2017 (mit Phantome), Land-Niederösterreich-Literaturpreis und Publikumspreis Wartholz 2016. http://www.robertprosser.at/

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Die unabhängige Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

Die Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ ist ein Projekt der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. und wird unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei.

hr2-Literaturpreis 2018 für Mirandolina Babunashvili

Mirandolina Babunashvili, die bereits beim offenen Mikrofon unserer Lesereihe zu Gast war, erhält für ihren Text Dreizehn den diesjährigen hr2-Literaturpreis. Die in Erfurt lebende Autorin gewann die Online-Abstimmung um den Publikumspreis, für den die Gewinner*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2018 nominiert waren.

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Mirandolina Babunashvili (Foto: privat)

Den Gewinnerinnentext kann man in einer Vertonung des Hessischen Rundfunks unter diesem Link nachhören.

Wir gratulieren Mirandolina Babunashvili herzlich und freuen uns auf ihre Lesung bei der kommenden Ausgabe von In guter Nachbarschaft in Jena.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #17 – Junges Literaturforum Edition

mit Stefan Petermann, Lennardt Loß und Mirandolina Babunashvili

am 29. Juni 2018 – um 20 Uhr

im Paradise Birds (Vor dem Neutor 4, 07743 Jena)

Eintritt 5,-€ / ermäßigt 3,-€

 

Bücherschau im Frühjahr – Teil 7

Bereits bei der Summer Edition der Nachbarschaft 2016 las Demien Bartók am offenen Mikrofon aus seinem Text Die fröhliche Abschaffung von Erfurt-Nord, der damals einige Besucher hellhörig werden lies. Nun ist endlich das Debut des Erfurter Autors erschienen. Neben einem weiteren Auszug aus der Abschaffung finden sich darin zwei weitere Prosatexte auf der Kante zwischen Essay, Erzählung und confessional poetry.

Bartók erzählt von einer langen Phase der Schlaflosigkeit, in der sich seine Wahrnehmung der Wirklichkeit veränderte, reflektiert das Leben in der Thüringer Landhauptstadt und versucht sich darin zu verorten – oder sich zu verweigern.

„Ostdeutschland ist ein grauer Schrottplatz, auf dem man glühende, buntqualmende Partys feiern muss, die die Erdkruste durchstoßen und neue Träume entfachen.“

Eine kompromisslosere und ehrlichere Prosa wird in Thüringen derzeit kaum zu finden sein.

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Blumen & Löcher von Demian Bartók ist als 16. Jahresgabe der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. erschienen. Das Buch kostet 4,50€ und ist direkt über den Verein oder den Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-936305-52-4.

In aufsteigender Tiefe

Am Dienstag bekam Peter Neumann das Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach verliehen. Er nutzte die Gelegenheit, um im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt eine Dankesrede zu halten, die Einblick in seine aktuelle Arbeit gibt und Stellung zur aktuellen Provinzialisierung des Geistes bezieht.

[…] Ich würde heute, auch vor dem Hintergrund der politischen Diskursverschiebungen der letzten Jahre – einer in diesem Ausmaß nie für möglich gehaltenen Provinzialisierung des Geistes –, von magmatischen Landschaften sprechen: Areale, irgendwo zwischen dem Phlegma, dass alles so bleiben möge, wie es immer war, und dem besinnungslosen Taumel, die Trägheit nach eigenen Maßstäben zu verteidigen. Ränder, die auf einmal zu Zentren werden, Zentren der Abwehr, der selbsternannten Hüter einer immer schon vorherbestimmten – wer bestimmte sie, wann? – Identität: Leitkultur, ick hör dir trapsen. Gruppen, die wutentbrannt, Nase schnaufend, durch die Straßen ziehen und den Normalzustand proklamieren. Denn was da gerade passiert, gehört neutralisiert, unschädlich gemacht, eingemeindet, oder gerade ausgemeindet. Die Provinzialisierung des Geistes ist heute mitten unter denen angekommen, die sich als seine Fürsprecher verstehen. Oder wie ist die Nationaltümelei zu verstehen, mit der sogenannte Intellektuelle sich dieser Tage per Erklärung, die an sprachlicher und geistiger Erbärmlichkeit kaum zu über-/unterbieten ist, in die Grenzen desjenigen Landes einzumieten versuchen, das es so, in dieser Form, schon lange nicht mehr gibt. Good old Dschermani, isch over. Oder wie ist die Vermessenheit zu verstehen, mit der von eben denselben Personen Demokratien zu Diktaturen und Diktaturen zu Demokratien erklärt werden, während in anderen Ländern Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Journalistinnen und Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten inhaftiert werden, Menschen, die jede öffentliche Unterstützung gebrauchen könnten. […]

Der Text ist in voller Länge auf den Seiten von Fixpoetry zu finden.

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 4

Seit 2016 ist Peter Neumann einer der Organisatoren von „In guter Nachbarschaft“ und längst eine der interessantesten Stimmen in der literarischen Landschaft Thüringens und darüber hinaus. Kürzlich wurde er für seine Prosacollage Abwerts Fallen mit dem Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 17. April im Kulturhaus Dacheröden in Erfurt statt.

Als Schriftsteller hat Peter Neumann sich vor allem mit Gedichten einen Namen gemacht. Seinem Debut Schonung (2009) folgte 2014 der Band geheuer. In diesem Frühjahr erscheint sein dritter Lyrikband areale & tage in der Dresdner Edition AZUR, in dem er unter anderem das in der deutschsprachigen Literatur noch weitgehend unbekannte Verfahren des „deep mapping“ (dt. Tiefenkartierung) einführt und sogleich für die Lyrik nutzbar macht.

Der Verlag über das Buch:

Peter Neumann ist der skeptische Romantiker der Gegenwartslyrik. In seinen neuen Gedichten spürt er den magischen Momenten nach, in denen die Begrenzungen von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind – wenn Geschichte sich in eine Region einschreibt, in ganz bestimmten Arealen kristallisiert. Hier formieren sich sterbende Hummeln zu einem Schlachtengemälde tübkeschen Ausmaßes, dort haben sich die Spuren von Planierraupen tief in den Stein hineingefräßt. An den Rändern der Landschaft fluoresziert das Digitale. Dazwischen detonieren Augenblicke geräuschlos nacheinander.

Die Geschichte ist zurück – oder war sie niemals weg? Peter Neumann nimmt in seinen neuen Gedichten Dinge in den Blick, welche die Zeit in einem Zustand der Latenz überdauert haben: Landschaftsdichtung als Tiefenkartierung.

Peter Neumann liest aus areale & tage am:

24. März 2018 in Jena (Galerie im Stadtspeicher, Markt 16)

15. Mai 2018 in Berlin (ORi Projektgalerie, Friedelstraße 8)