Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 5

Den Weimarer Autor Gorch Maltzen lernten wir 2016 als Gast am offenen Mikrofon von „In guter Nachbarschaft“ kennen. Seither verfolgen wir sein literarisches Schreiben und freuen uns sehr nun sein Debut Sträuben (Edition Muschelkalk) vorstellen zu können. Der Band enthält 11 Erzählungen und einen dramatischen Text, der in drei Akte aufgegliedert ist und die einzelnen Kapitel der Textsammlung einleitet.

Gorch Maltzen hat einen Weg gefunden von der unmittelbaren Gegenwart zu erzählen und es geschafft dabei angegriffene Sprachformen hinter sich zu lassen. Inhaltslose Ironie oder zynische Lakonie wird man in Sträuben ebenso wenig finden, wie pseudophilosophische Generationenbilder und postmoderne Knalleffekte. Stattdessen gilt es hier einen neuen erzählerischen Sound zu entdecken, der vielfältige Themen und Phänomene von Arbeitsverhältnissen, Männlichkeitskonzepten oder Paarbeziehungen genau jetzt, genau hier verhandeln.

Gorch Maltzen im Interview auf unserer Website.

Gorch Maltzen zu Gast bei Blaubart & Ginster im Radio OKJ am Montag, den 2. April um 15 Uhr.

Die Website des Autors.

Advertisements

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 4

Seit 2016 ist Peter Neumann einer der Organisatoren von „In guter Nachbarschaft“ und längst eine der interessantesten Stimmen in der literarischen Landschaft Thüringens und darüber hinaus. Kürzlich wurde er für seine Prosacollage Abwerts Fallen mit dem Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 17. April im Kulturhaus Dacheröden in Erfurt statt.

Als Schriftsteller hat Peter Neumann sich vor allem mit Gedichten einen Namen gemacht. Seinem Debut Schonung (2009) folgte 2014 der Band geheuer. In diesem Frühjahr erscheint sein dritter Lyrikband areale & tage in der Dresdner Edition AZUR, in dem er unter anderem das in der deutschsprachigen Literatur noch weitgehend unbekannte Verfahren des „deep mapping“ (dt. Tiefenkartierung) einführt und sogleich für die Lyrik nutzbar macht.

Der Verlag über das Buch:

Peter Neumann ist der skeptische Romantiker der Gegenwartslyrik. In seinen neuen Gedichten spürt er den magischen Momenten nach, in denen die Begrenzungen von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind – wenn Geschichte sich in eine Region einschreibt, in ganz bestimmten Arealen kristallisiert. Hier formieren sich sterbende Hummeln zu einem Schlachtengemälde tübkeschen Ausmaßes, dort haben sich die Spuren von Planierraupen tief in den Stein hineingefräßt. An den Rändern der Landschaft fluoresziert das Digitale. Dazwischen detonieren Augenblicke geräuschlos nacheinander.

Die Geschichte ist zurück – oder war sie niemals weg? Peter Neumann nimmt in seinen neuen Gedichten Dinge in den Blick, welche die Zeit in einem Zustand der Latenz überdauert haben: Landschaftsdichtung als Tiefenkartierung.

Peter Neumann liest aus areale & tage am:

24. März 2018 in Jena (Galerie im Stadtspeicher, Markt 16)

15. Mai 2018 in Berlin (ORi Projektgalerie, Friedelstraße 8)

 

13.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #16

Lesung und Konzert mit Luise Boege und Mark Weschenfelder

///

13. April 2018 – 20 Uhr

Galerie im Stadtspeicher (Markt 16, Jena)

Eintritt: 3,-/5,- € (nur Abendkasse)

///

Kühn wie lustig. Listig wie verstörend. Mit Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste (parasitenpresse) erscheint ein Jahr nach den Erzählungen Bild von der Lüge (Reinecke & Voß) ein neuer Prosaband von Luise Boege, welcher der Experimentierfreudigkeit des Vorgängerbandes in nichts nachsteht. Latenz und Varianz, Durchstreichung und copy and paste sind die Verfahren dieses Textes, in dem es um Sonnenuntergänge im November geht, um Beobachtungs- und Kommunikationsschlaufen, um generationale Neurosen und Beziehungen in ihren zeittypischen Erscheinungsformen. Begleitet wird Luise Boege an diesem Abend im Jenaer Kunstverein von dem Saxofonisten und Klarinettisten Mark Weschenfelder, der sich am liebsten in den Genres der improvisierten und experimentellen Ton- & Klangkünste bewegt. Was ihn als Spieler dabei besonders interessiert und auszeichnet sind die dynamischen Prozesse, die während der Improvisation ablaufen, geradezu beiläufig geschehen. Seine Lieblingsfarben sind alle Farben.

LUISE BOEGE, geboren 1985 in Würzburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt. Auszeichnungen u.a. Open Mike 2006, Alfred-Döblin-Stipendium 2012, Aufenthaltsstipendium am LCB und in Prag. 2015 erschien der Roman Kaspers Freundin, 2017 der Erzählband Bild von der Lüge und 2018 der Prosatext Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste.

MARK WESCHENFELDER, geboren 1982 in Neuhaus am Rennweg, ist Saxofonist, Klarinettist und Komponist. Seit 2006 hat er elf Alben und Einspielungen mit diversen Bandprojekten veröffentlicht, zu denen KITE, Peuker 8, SENSOR, The Shouting Men, Ornette! 2.0 gehören. Im Februar 2014 schloss er sein künstlerisches Studium an der Musikhochschule in Dresden mit Auszeichnung ab, im Februar 2017 die Meisterklasse der Dresdner Musikhochschule, wo er im Anschluss Komposition, Improvisation und Saxophon bei Prof. Thomas Zoller und Prof. Eric Schäfer studierte. Er ist Gründungsmitglied des „OFFTRACKS e.V.“ und Mitorganisator des „OFFTRACKS Festivals“, dass im Juli 2012 in Dresden Premiere feierte.

Der Abend wird moderiert von Peter Neumann.

///

Die Reihe „In guter Nachbarschaft“ ist ein Projekt der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. und wird unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Jenaer Kunstverein e.V. und dem Kunsthof Jena e.V.

///

„In guter Nachbarschaft“ ist Teil der Initiative „Unabhängige Lesereihen“: http://lesereihen.org/

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 3

Anlässlich unserer Summer Edition im Juli 2016 las Anja Kampmann aus ihrem Gedichtband Proben von Stein und Licht, erschienen im Hanser Verlag. Allerdings kündigte sich damals bereits ein Debut-Roman an, der nun unter dem Titel Wie hoch die Wasser steigen im gleichen Verlag erschienen und für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist. Wir freuen uns riesig für Anja Kampmann und drücken ihr für die Preisverleihung die Daumen!

Der Verlag über das Buch:

Wenzel Groszak, Ölbohrarbeiter auf einer Plattform mitten im Meer, verliert in einer stürmischen Nacht seinen einzigen Freund. Nach dessen Tod reist Wenzel nach Ungarn, bringt dessen Sachen zur Familie. Und jetzt? Soll er zurück auf eine Plattform? Vor der westafrikanischen Küste wird er seine Arbeitskleider wegwerfen, wird über Malta und Italien aufbrechen nach Norden, in ein erloschenes Ruhrgebiet, seine frühere Heimat. Und je näher er seiner großen Liebe Milena kommt, desto offener scheint ihm, ob er noch zurückfinden kann. Anja Kampmanns überraschender Roman erzählt in dichter, poetischer Sprache von der Rückkehr aus der Fremde, vom Versuch, aus einer bodenlosen Arbeitswelt zurückzufinden ins eigene Leben.

Anja Kampmann liest mehrmals aus Wie hoch die Wasser steigen im Rahmen der Leipziger Buchmesse und ist anschließend auf Lesereise in Deutschland und der Schweiz. Alle Termine hier.

 

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 2

Im November 2016 war der Siegener Dichter Crauss bei uns zu Gast und begeisterte im Franz Mehlhose in Erfurt mit einer leidenschaftlichen Lesung seiner Gedichte und Prosa. Dabei trug er auch Texte aus einem damals noch unveröffentlichten Manuskript mit Fliegergedichten vor. Diese Gedichte sind jetzt in Form seines neues Buches Die harte Seite des Himmels im Verlagshaus Berlin erschienen!

Darin spürt Crauss den Pilotmythen der Moderne nach, erzählt von ihren Nachtflügen, von Fern- und Heimweh nach wartenden und zurückgelassenen Lieben, vom Spiel elementarer Kräfte am Boden und in der Luft — das alles mit einer unverwechselbaren Sprache, deren poetische Sinnlichkeit längst zum Markenzeichen des Autors geworden ist.

wir suchten schutz / vor scheinwerfern, die unseren blicken folgten. / wir waren piloten, bruchschatten / krachten auf uns herab, nie haben wir wieder / dermaszen gezittert, geküsst und überlebt / unter dem viel zu kleinen frotteehimmel.

Außerdem erscheint demnächst von Crauss unter dem Titel Schundfaktor. Hybride & Destillate eine Sammlung mit Essays, Literatur- und Filmkritiken im Verlag Dreiviertelhaus.

Der Verlag über das Buch:

Wir beobachten den Autor beim intimen Gedankengespräch mit gehemmten oder wütenden Kollegen, Ikonen, Fetischen. Wir folgen ihm durch tote Orte des heimatlichen Westfalens über Gleitstufen einer globalisierten Stadtbeschleunigung in eine Textwelt, die sich nicht fürchtet, als Sekundärliteratur synästhetisch und sinnlich zu wirken.

Crauss liest im Rahmen der Leipziger Buchmesse. Infos und Termine gibt es hier.

 

Bücherschau im Frühjahr 2018 – Teil 1

In diesem Frühjahr erscheint gleich eine Reihe von Büchern von Autorinnen und Autoren, die in der Vergangenheit zu Gast „In guter Nachbarschaft“ waren. In den kommenden Tagen stellen wir euch diese Neuerscheinungen hier kurz vor.

Lisa-Viktoria Niederberger war im April 2016 zu Gast bei der Wohnzimmerlesung Kunststück II, die wir in Kooperation mit dem Literaturfestival Erfurt organisierten. Ihr Debut Misteln, das drei Erzählungen versammelt erscheint jetzt in der Salzburger edition mosaik (siehe auch watch us grow, Feb. 2017).

Dass man dich immer vor den Venusfliegenfallen trifft, sagst du und drückst mir deine kalten Finger unter der Jacke ins Kreuz und ein trockenes Bussi auf die Haare. Dass das was heißt, dass das zu mir passt, dieses schöne Äußere und innen irgendwie gefährlich. Mich stören solche Analogien und das weißt du auch.
(Auszug aus Misteln)

Der Verlag über das Buch:

Misteln: Liebessymbol oder halbparasitische Aufsitzerpflanzen? Lisa-Viktoria Niederberger entwirft in ihrem Erzählband ein schonungslos-ungeschöntes Beziehungsbild von Menschen, die offenen Fragen gegenüberstehen und nach Antworten suchen. Ihre Figuren bewegen sich dabei zwischen moralischer Zerrissenheit und impulsivem Handeln. Die Autorin erschafft eine poetische Umgangssprache, in der sich das Österreichische manifestiert und thematisiert gleichzeitig unaussprechlich geglaubte Themen mit überraschender Leichtigkeit.

Gleichzeit erscheint im März die 25. Ausgabe des Mosaik Magazins, in dem u.a. neue Gedichte von Kinga Tóth zu finden. Außerdem gibt Nachbarschaftskurator Mario Osterland in der Rubrik „Kreativraum“ Auskunft über seine Methodik des Schreibens.

Buch und Magazin sind auf den Seiten von mosaik erhältlich. 

Lisa-Viktoria Niederberger liest am 17. März gemeinsam mit Franziska Füchsel im Rahmen der Leipziger Buchmesse hier:

„Sprachlokal“ – offene Bühne für Autor*innen aller Genres

Allmählich beenden wir in der Nachbarschaft den langen Winterschlaf und kehren bald ins literarische Leben Thüringens zurück. Auch 2018 werden wir wieder ein vielfältiges, spartenübergreifendes Programm in Jena, Weimar und Erfurt präsentieren.

Bevor wir jedoch Details für anstehende Veranstaltungen verkünden, möchten wir die Freund*innen unserer Reihe unbedingt auf die Ausschreibung zum „Sprachlokal“ im Rahmen des Weimarer Festivals JuLi im Juni aufmerksam machen. Eine offene literarische Bühne für junge Autor*innen aller Genres aus der Region. Alle Details und Infos findet ihr hier in der Ausschreibung. Einsendeschluss ist der 20. März!

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.