Rückschau: In guter Nachbarschaft #16

Am 13. April startete das Nachbarschaftsjahr 2018 in den Räumen des Jenaer Kunstvereins, der Galerie im Stadtspeicher. Dazu haben wir die Autorin Luise Boege und den Musiker Mark Weschenfelder eingeladen, um den im Vorjahr eingeschlagenen Weg, auf dem wir die Literatur mit anderen Künsten in Dialog treten lassen, weiterzugehen.

Mark Weschenfelder eröffnete den Abend in der gutbesuchten Galerie mit einem kurzen Stück für Saxophon. Danach trat Luise Boege ans Mikrofon, um aus ihrem neuen Buch Der Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste zu lesen, in dem es u.a. um eine komplizierte, bisweilen vertrackte Eltern-Kind-Beziehung geht. Für Weschenfelder bedeutete das keinesfalls eine Pause. Mit einem Effektgerät begleitete er Boeges Text, der formal von Durchstreichungen und Wiederholungen geprägt ist, und fügte ihm somit eine akustische Ebene hinzu. Dadurch wurde die Lesung des Öfteren bewusst durch Störgeräusche überlagert und verzerrt. Die von Irritationen und Komplikationen geprägte Kommunikation von Boeges Protagonisten wurde somit nicht nur klanglich abgebildet, der Konflikt wurde an das Publikum weitergegeben. Was mitunter ein inhaltliches Unbehagen erzeugte, wurde zu einem interessanten und lohnenswerten Akustikexperiment.

Im Gespräch mit Moderator Peter Neumann erklärte Luise Boege Vorgehen und Bedeutung des wiederholenden Schreibens und im Text bestehender Durchstreichungen. Auf diese Weise lassen sich verschiedene Erfahrungsebenen wiedergeben und neue Reflexionsebenen erzeugen.

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In einem zweiten Leseblock trug Boege eine Erzählung aus ihrem letzten Buch Bild von der Lüge auf „klassische Weise“ vor. Allerdings zeigte sich darin ein ähnliches formales wie inhaltliches Konfliktpotential, das möglicherweise zu ihrer aktuellen Art des Schreibens führte.

Abgeschlossen wurde der Abend mit einem improvisierten Set Weschenfelders, der für gewöhnlich als Saxophonist in verschiedenen Bandprojekten spielt. An diesem Abend nutze er allerdings das Format der Lesereihe, um eine Soundcollage aus Jazz, Ambient und Klangexperimenten zu präsentieren, die weit über sein Saxophonspiel hinausging.

Wir bedanken uns für diesen gelungenen Abend bei Luise Boege und Mark Weschenfelder, bei Robert Sorg und dem Jenaer Kunstverein e.V., der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. und der Thüringer Staatskanzlei, sowie und vor allem beim Publikum!

(Fotos: Anne Osterland)

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13.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #16

Lesung und Konzert mit Luise Boege und Mark Weschenfelder

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13. April 2018 – 20 Uhr

Galerie im Stadtspeicher (Markt 16, Jena)

Eintritt: 3,-/5,- € (nur Abendkasse)

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Kühn wie lustig. Listig wie verstörend. Mit Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste (parasitenpresse) erscheint ein Jahr nach den Erzählungen Bild von der Lüge (Reinecke & Voß) ein neuer Prosaband von Luise Boege, welcher der Experimentierfreudigkeit des Vorgängerbandes in nichts nachsteht. Latenz und Varianz, Durchstreichung und copy and paste sind die Verfahren dieses Textes, in dem es um Sonnenuntergänge im November geht, um Beobachtungs- und Kommunikationsschlaufen, um generationale Neurosen und Beziehungen in ihren zeittypischen Erscheinungsformen. Begleitet wird Luise Boege an diesem Abend im Jenaer Kunstverein von dem Saxofonisten und Klarinettisten Mark Weschenfelder, der sich am liebsten in den Genres der improvisierten und experimentellen Ton- & Klangkünste bewegt. Was ihn als Spieler dabei besonders interessiert und auszeichnet sind die dynamischen Prozesse, die während der Improvisation ablaufen, geradezu beiläufig geschehen. Seine Lieblingsfarben sind alle Farben.

LUISE BOEGE, geboren 1985 in Würzburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt. Auszeichnungen u.a. Open Mike 2006, Alfred-Döblin-Stipendium 2012, Aufenthaltsstipendium am LCB und in Prag. 2015 erschien der Roman Kaspers Freundin, 2017 der Erzählband Bild von der Lüge und 2018 der Prosatext Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste.

MARK WESCHENFELDER, geboren 1982 in Neuhaus am Rennweg, ist Saxofonist, Klarinettist und Komponist. Seit 2006 hat er elf Alben und Einspielungen mit diversen Bandprojekten veröffentlicht, zu denen KITE, Peuker 8, SENSOR, The Shouting Men, Ornette! 2.0 gehören. Im Februar 2014 schloss er sein künstlerisches Studium an der Musikhochschule in Dresden mit Auszeichnung ab, im Februar 2017 die Meisterklasse der Dresdner Musikhochschule, wo er im Anschluss Komposition, Improvisation und Saxophon bei Prof. Thomas Zoller und Prof. Eric Schäfer studierte. Er ist Gründungsmitglied des „OFFTRACKS e.V.“ und Mitorganisator des „OFFTRACKS Festivals“, dass im Juli 2012 in Dresden Premiere feierte.

Der Abend wird moderiert von Peter Neumann.

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Die Reihe „In guter Nachbarschaft“ ist ein Projekt der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. und wird unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Jenaer Kunstverein e.V. und dem Kunsthof Jena e.V.

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„In guter Nachbarschaft“ ist Teil der Initiative „Unabhängige Lesereihen“: http://lesereihen.org/

Neue Lyrik: „heimische Arten“ von Mario Osterland

Nachbarschafts-Mitorganisator Mario Osterland hat sein zweites Buch veröffentlicht. Der Gedichtband heimische Arten erscheint, wie schon sein Debut In Paris (2014), im Kölner Independent-Verlag parasitenpresse. Weitere Informationen und die Möglichkeit das Buch zu bestellen, findet ihr im Link ganz unten.

Die Doppel-Buchpremiere mit André Schinkel, der seinen neuen Gedichtband Bodenkunde vorstellt, findet in Jena statt am:

14. Oktober 2017 – 20 Uhr 

Galerie im Stadtspeicher (Markt 16, Jena)

Eintritt: 5,-€

Musikalisch begleitet wird der Abend von einem guten Bekannten unserer Lesereihe: littlemanlost! [Alle Infos zur Veranstaltung hier.]

Außerdem liest Mario Osterland bei der diesjährigen Ausgabe der Erfurter Spätlese im Rahmen der Erfurter Herbstlese.

20. Oktober 2017 – 20 Uhr

Haus Dacheröden (Anger 37, Erfurt)

[Alle Infos dazu auf der Website der Erfurter Herbstlese.]

Der LeseZeichen e.V. hat außerdem ein Video produziert in dem ihr das Gedicht fossile Gewässer aus dem Band heimische Arten hören könnt:

Private wie urbane Räume, die hier bedichtet werden, sind trostlos, das Rurale beiläufig, aber zunehmend rituell. Die Zeichen vergletschern! Was der Mensch nicht wahrnimmt: die Ränder zur ungewissen Zukunft als auch zur dunklen Vorvergangenheit zerfasern, es entstehen Fraßbilder, irgendwo im Düsteren schließt sich der Kreis … Mario Osterland gelingt es, uns wie nebenbei Beklemmung und […]

über Mario Osterland: heimische Arten — parasitenpresse

Kinga Tóth: Wir bauen eine Stadt — parasitenpresse

Das neue Buch von Kinga Tóth ist da! Wir freuen uns mit ihr und der parasitenpresse. 🙂

Die Gedichte von Kinga Tóth sind Texte, in denen Sprache die wahre Bauherrin ist. Sprache, die ihre Bausteine überall aufsammelt und zu einem geschlechtslosen Mensch-Maschine-Artefakt zusammenbaut. Menschen werden darin roh zu Maschinen verformt. Werkzeuge, Instrumente werden körperlich, menschlich, ändern ihr grammatikalisches Geschlecht. Maschinensprache, Sprache aus technischen Übersetzungen und Bedienungsanleitungen oder Forschungsliteratur fließt ein, dominiert. Die […]

über Kinga Tóth: Wir bauen eine Stadt — parasitenpresse