Rückschau: In guter Nachbarschaft – XMAS Edition

Am 16. Dezember 2016 fand im Jenaer Atelier Merle Stankowski die kleine In guter Nachbarschaft – XMAS Edition statt. Dabei hielt Ralf Schönfelder eine kleine einführende Laudatio auf die Lesereihe und gleichzeitig einen Abgesang auf das Jahr 2016. Peter Neumann und Mario Osterland ließen danach das Nachbarschaftsjahr in einer Art best of-Lesung Revue passieren. Dabei wurden Texte aller 2016 eingeladenen Autor*innen, Domink Dombrowski, Anja Kampmann, Christoph Wenzel, Björn Kuhligk und Crauss, gelesen. Kinga Tóth wurde nicht vergessen, sondern per Videostream live aus Lübeck zugeschaltet! Sie las aus ihrem aktuellen Buch Wir bauen eine Stadt.

Im zweiten Teil des Abends haben Neumann und Osterland eigene Texte gelesen, die teilweise mit Grafiken des Geraer Künstlers Alexander Neugebauer illustriert wurden.

Für den passenden musikalischen Rahmen des intimen Abends sorgten Robert Wenzl und seine Band, mit Songs in bester Singer/Songwriter-Manier.

Zum Ende des Jahres sagen wir DANKE! an alle, die die Nachbarschaft 2016 zu dem gemacht haben, was sie war – ein voller Erfolg! Danke an alle Autor*innen und Lesenden am offenen Mikrofon, an die Galerie Iconotop in Weimar, Franz Mehlhose in Erfurt, Merle Stansowki in Jena, an die Literarische Gesellschaft Thüringen e.V., die Thüringer Staatskanzlei, den LeseZeichen e.V. und alle Sponsoren und Förderer.

Tausend Dank natürlich und vor allem an unser wunderbares Publikum! Wir sehen uns 2017 wieder. Euch und Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest, guten Rutsch und alles Gute für’s neue Jahr.

Vorgestellt: Robert Wenzl

Robert Wenzl, geboren 1990 in Pößneck. Nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker studiert er seit 2014 Geografie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Veröffentlichungen u.a. in Nagelprobe 33 und HANT – Magazin für Fotografie. Er ist zudem als Singer/Songwriter und in der Band Lightcap aktiv.

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Robert Wenzel (Foto: privat)

Mario Osterland: Lieber Robert, wir hatten uns im Zuge deiner Teilnahme am Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen kennengelernt. Hattest du zuvor schon einmal von unserer Lesereihe gehört?

Robert Wenzl: Hallo Mario. Zuvor hatte ich leider nichts von der Lesereihe gehört – überhaupt hört man von der Thüringer Literatur wenig, wenn man sich nicht in ihrem direkten Dunstkreis bewegt, würde ich sagen. Aber ich habe auch nie aktiv danach geschaut, man hätte euch sicherlich finden können.

M.O.: Das heißt, es gab deinerseits gar keine wirkliche Wahrnehmung einer „Szene“. Wie bist du auf das Literaturforum aufmerksam geworden bzw. wie kam es, dass du dich dort beworben hast?

R.W.: Es gab keinen direkten Weg. Ich hatte seit zwei Jahren angefangen längere Texte und Gedichte zu schreiben, zuvor hatte ich nur für Songs getextet. Doch dann habe ich in der Uni ein Seminar für Kreatives Schreiben bei Dirk von Petersdorff besucht. So ging es dann los, dass ich regelmäßig und ausführlicher geschrieben habe. Auf das Literaturforum bin ich dann durch Internetrecherche aufmerksam geworden, weil ich Plattformen gesucht habe Leuten das Geschriebene zu zeigen.

M.O.: Der Weg führte also über die Uni. Das ist interessant, da du ja bisher einen eher „bodenständigen“ Weg gegangen bist. Ausbildung zum Industriemechaniker und jetzt ein Studium der Geographie. Das ist heutzutage schon was Bemerkenswertes, wenn man als Autor nicht den rein künstlerisch-geisteswissenschaftlichen Weg geht.

R.W.: Nun, ich denke, dass es mir – obwohl es ein bisschen pathetisch klingt – immer um Ausdruck ging. Andere Formen haben für mich immer neue Ausdrucksmöglichkeiten mitgebracht, daher dann auch die Motivation, es mit dem Schreiben zu probieren. Dass das nicht über eine künstlerisch-geisteswissenschaftliche Schiene geschah, kommt auch daher, dass mich andere Themen immer interessiert haben und ich sie als Einfluss genommen habe. Das heißt außerdem auch nicht, dass ich mich dann nicht mit Literaturwissenschaft beschäftigt habe. Habe ich natürlich auch, nur eben nicht professionell. Vielleicht kommt man da in der heutigen Literatur nicht daran vorbei.

M.O.: Aber das ist ja nun eigentlich das Bemerkenswerte, dass neben der kreativen Arbeit ein echtes – mit deinen Worten professionelles – Interesse an anderen Bereichen vorhanden ist. Dass sich da verschiedene Aufmerksamkeiten die Waage halten. So ja auch innerhalb der Künste, in denen du dich bewegst, oder? Es ist ja schon angeklungen, dass du neben der Literatur auch als Musiker tätig bist. Oder vor allem? Gibt es da eine Gewichtung?

R.W.: So eine richtige Gewichtung gibt es nicht, phasenweise schreibe ich mehr Texte, dann wieder viele Lieder. Im Moment steht die Musik im Vordergrund, da ich wieder eine EP aufnehmen will. Doch ein paar Schreibideen warten auch schon. Für mich macht es einfach sehr viel Sinn, mehrere Sachen gleichzeitig zu machen, mich gleichzeitig für mehrere Dinge zu interessieren. Ich bin dabei sehr flatterhaft, es gibt einfach zu viele spannende Themen! Aber oft kann man Ideen aus anderen Bereichen importieren, das ist dann das eigentlich Spannende

M.O.: Diese Offenheit finde ich klasse. Zuletzt wurde ja vor allem im Zuge der Nobelpreisvergabe über die Trennlinien und Zusammenhänge von Songwriting und Literatur viel diskutiert und gestritten. Als Songwriter und Autor hat dich die Auszeichnung für Bob Dylan sicher sehr gefreut.

R.W.: Ja, unbedingt. Ein Literaturbegriff, der nur das als Literatur ansieht, was zwischen dicken Einbänden gedruckt wird, ist doch überholt. Ich hatte kurz zuvor viel über Dylans Werk gelesen (Dank Heinrich Detering) und mir seine Autobiographie besorgt. Seine Lieder haben nun einmal auch einen hohen literarischen Wert. Vielleicht wurde viel diskutiert, da man Dylan seit 50 Jahren als Protest-Singer wahrnimmt. Aber damit wird man ihm sicherlich nicht gerecht.

M.O.: Dennoch würde mich interessieren, ob du sagen kannst diese oder jene Themen funktionieren besser in der Literatur als in der Musik oder umgekehrt. Mir erscheint es zum Beispiel oft so, dass im Song mehr Gefühl möglich ist als in der Literatur.

R.W.: Da stimme ich dir zu. In Songs lassen sich durch Melodie, Rhythmus (den es natürlich auch in Literatur gibt) und die Performance andere Qualitäten herstellen. Musik ist auch für mich emotionaler geladen als Literatur, vielleicht auch, weil der Zugang meistens über einen anderen Sinn geschieht. Einen Essay in einen guten Song zu packen, ist andererseits kaum möglich. Vielleicht sollte man als Künstler deswegen auch mit verschiedenen Formen experimentieren, da sie jeweils anderes besser ausdrücken können. Allein in der Literatur kann man sich ja an etlichen Formen austoben.

M.O.: Darum freut es mich auch, dass wir dich nach deiner Lesung bei der Summer Edition im Juli noch als Musiker bei der kleinen XMAS-Edition im Dezember werden hören können.

R.W.: Ich freu mich auch schon drauf. Ich werde auch die neuen Lieder mitbringen!

M.O.: Cool. Dann bis dann und vielen Dank für das Gespräch.

Vorgestellt: Joshua Schößler

In der Reihe „Vorgestellt“ machen wir euch ab sofort mit (Nachwuchs-)Autoren bekannt, die aus Thüringen stammen, hier leben oder auf besondere Weise mit der Literaturszene des Freistaates und der Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ verbunden sind. Los geht es mit dem Jenaer Joschua Schößler, der bereits mehrfach bei uns zu Gast am offenen Mikrofon war.

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Joshua Schößler, geb. 1992 in Düsseldorf, studiert seit 2012 Philosophie und germanistische Literaturwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Blog: sukkulent.

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Mario Osterland: Lieber Joshua, du warst schon mehrfach zu Gast am offenen Mikro bei In guter Nachbarschaft. Wie bist du eigentlich auf uns aufmerksam geworden?

Joshua Schößler: Das kam durch eine Germanistikvorlesung 2013. Moritz Gause saß zwei Plätze neben mir und las in so einen schicken Gedichtband von Frank O’Hara. Da habe ich den angesprochen und so ist man ins Gespräch gekommen. Kurz dannach war die Germanistik Weihnachtslesung, da haben wir beide was am offenen Mikrophon vorgetragen und dann hat Moritz mich gefragt, ob ich Lust hätte mal bei der guten Nachbarschaft auch was am offenen Mikrophon zu lesen.

M.O.: Also bist du von Anfang an sozusagen über das Format „offenes Mikrofon“ zur Nachbarschaft gekommen. Wie empfindest du diese Lesesituation bei uns?

J.S.: Schon ganz cool. Man hat es da ja mit einem recht interessierten Publikum zu tun, wobei ich bei der ersten Lesung bei euch schon das Flattern hatte. Man hat schon ein bisschen das Gefühl, dass das eine eingeschweißte Famile da ist, am Anfang habe ich mich noch gar nicht getraut, mit den anderen zu quatschen. Insgesamt aber ziemlich entspannt, ist auch immer interssant mitzubekommen, was die anderen dort vortragen. Auch die Gespräche mit den eingeladenen Vortragenden haben mir gut gefallen.

M.O.: So eine gewisse Vertrautheit strahlen solche Veranstaltungen ja immer aus. Ich hoffe nur wir schaffen es den neuen Autoren immer so offen wie möglich zu begegnen. Wir hatten zuletzt auch ziemlich viele Lyriker im Programm, auch am offenen Mikro. Hast du dich bisher als Prosaautor trotzdem gut aufgehoben gefühlt?

J.S.: Total, man fühlt sich auf jeden Fall ernst genommen. Insgesamt ist das eh ziemlich cool, dass die Texte recht durchmischt sind, auch mit der Mucke von Klinke auf Cinch, so alles in allem funktioniert das schon echt gut. Schade nur, dass die Hütte oft nicht zum bersten voll ist. Bei den Gedichten fände ich es vielleicht ganz cool, wenn man die irgendwie mitlesen könnte, so auf nem Handzettel oder an die Wand projiziert. Ich kann da sonst manchmal nicht so ganz folgen.

M.O.: Wir sind ja ständig dabei In guter Nachbarschaft weiter zu entwickeln. Da kommen solche Hinweise und Vorschläge gerade recht! – Kommen wir mal zu dir und deinem Schreiben. Du schreibst, wie gesagt, in erster Linie Prosa. Was reizt dich, vielleicht auch im Vergleich zum Dichten, am Erzählen?

J.S.: Ich habe mich auch schonmal am Dichten versucht, später dann auch im Rahmen eines Gedichte-schreiben-Seminars an der Uni. Aber mir fällt es bei Gedichten schwer, eine Idee an dieser Ausdrucksform zu entwickeln und dann später zu sagen, dass Geschriebene haut so hin. Ich könnte zu einer Idee mehrere völlig verschiedene Gedichte schreiben und am Ende nicht sagen, welches ich aus welchen Gründen jetzt gut finde. Bei der Prosa ist das anders, in dieser sprachlichen Form kann ich meine Ideen ganz anders entwickeln. Da sage ich mir jetzt nicht, dass ich das jetzt nochmal ganz anders schreiben könnte, ich kann da meinen Regeln und Ideen besser nachgehen. Und vielleicht ist das auch viel Gefühl, die Erzählform liegt mir einfach besser, ich kann konkreter werden und die Einzelbestandteile leichter sich auseinander entwickeln lassen und dann wieder zu einem größeren Ganzen zusammenführen. Ich lese auch recht wenig Lyrik, wobei ich aus der intensiven Beschäftigung mit Lyrik viel dichte Spracharbeit mitnehmen kann.

M.O.: Deine Erzählsprache ist jedenfalls nicht ganz unpoetisch. Ich zitiere nur mal eine Stelle, die mir zuletzt aufgefallen ist: „Mit flinken, aber liebevollen Handgriffen bediente sie die Kaffeemaschine. Virtuose Handgriffe, mit denen seine Mutter damals die Saiten der Küche in Harmonie zum klingen bringen konnte.“

J.S.: Man hat mir ja schon öfters gesagt, dass ich ein Händchen für sprachliche Bilder habe, das zieht sich schon durch. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich etwas geschrieben habe mit der Absicht, dass das Prosa wird und dann habe ich das so gedichtmäßig mit Absetzen versehen und das dann als Gedicht so stehen lassen.

M.O.: Klingt so, als gehst du ziemlich „open minded“ beim Schreiben vor. Wie wichtig ist es dir dem Text Freiheiten und sich selbst beim Schreiben überraschen zu lassen?

J.S.: Das ist mir schon ziemlich wichtig, was sich bei mir im ersten Schritt vor allem darin niederschlägt, dass ich alles Mögliche als Inspirationsquellen einbeziehe. In einem Text war das ein Rapsong, ein Frauenroman und ein Buch von Dostojewski. Seit kurzem experimentiere ich mit automatischen Textgeneratoren im Internet. Aber mir ist auch wichtig, dass die Texte nicht beliebig werden. Im zweiten Schritt mache ich mir schon Gedanken dazu, wie ich was warum zur Schriftform bringe. Ich stelle mir dann schon konkrete Regeln, an denen ich dann hinterher festmachen kann, ob mir das Resultat gelungen ist. Wenn ich irgendwelche Sprachexperimente mache, muss dabei auch was Handfestes für mich rumkommen, woran ich weiterarbeiten kann. Oft drifte ich beim Schreiben von der ursprünglichen Idee ab, dann werden die Regeln angepasst. Ich versuch da immer so ein Zwischending von selbst auferlegten Regeln und einem lebendigen Schreibprozess zu finden.

M.O.: Du hast einige Texte auf deinem Blog sukkulent veröffentlicht, in den denen vor allem die Figuren und weniger der plot im Vordergrund stehen. Eigentlich eine recht klassiche Herangehensweise ans Erzählen, oder? Eine Figur erfinden, sie einer oder mehrerer Situationen aussetzen und schauen, was passiert.

J.S.: Ja genau. Das kommt häufig von einem spontanen Einfall, ein Satz oder Gedanke, der mich nicht mehr loslässt und der sich weiterentwickeln lässt. Ich bin da nur irgendwann an dem Punkt angekommen, wo sich die Stories meinem Empfinden nach insgesamt eher im Kreis gedreht haben, das hat sich so eingeschlichen. Insgesamt haben mich die letzten Stories, die so entstanden sind, dann doch ziemlich gelangweilt. Gerade beschäftige ich mich auch mehr mit dem komplexeren Strukturieren meiner Geschichten, muss aber auch noch schauen, wo das hinführt.

M.O.: „Schauen, wo das hinführt“ ist ein gutes Schlusswort. Es würde mich freuen auch in Zukunft noch Einiges von dir zu hören und zu lesen. Vielleicht auch am offenen Mikrofon der Nachbarschaft?

J.S.: Wird wohl oder übel passieren.

M.O.: Lieber Joshua, vielen Dank für das Gespräch.

1.8. – Blaubart & Ginster #2 – Zu Gast: Peter Neumann

Heute um 15 Uhr läuft die zweite Ausgabe von Blaubart & Ginster – Eine Stunde Literatur im Radio OKJ mit den Moderatoren Ralf Schönfelder und Nachbarschafts-Mitorganisator Mario Osterland. Zu Gast ist Peter Neumann, der ebenfalls Mitorganisator von In guter Nachbarschaft ist. Eine Überschneidung, die in der Thüringer Literaturszene (wie in den meisten Szenen) nicht ausbleibt.

Warum solche Schnittmengen jedoch von Vorteil sind, wie Peter Neumann Teil der Thüringer Literaturszene wurde und was er u.a. zum Landschaftsgedicht zu sagen hat, hört ihr ab 15 Uhr in Jena und Umgebung auf UKW 103,4 MHz und im Kabel auf 107,90 MHz. Außerdem weltweit im Internet als Live-Stream auf http://radio-okj.de/.

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Peter Neumann (Foto: Dirk Skiba)

 

Die Sendung gibt es außerdem als Podcast zum Nachhören bei Soundcloud.

Rückschau: In guter Nachbarschaft – SUMMER EDITION (1/2)

Liebe Nachbarschaftsfreunde,

die SUMMER EDITION liegt hinter uns. Und alle Beteiligten und Besucher werden sich gern daran zurückerinnern. Hier kommt Teil 1 unseres kleinen Berichts mit vielen Eindrücken von einem rundum gelungenen Literatursommerfest.

Los ging es bereits am späten Nachmittag mit der Lesung ausgewählter Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Dabei trug die Wiesbadenerin Manon Hopf ihren prämierten Text Brombeeren, gemauert vor. Mit ihrem ruhigen, eindringlichen Vortrag versetzte sie das Publikum gleich zu Beginn in sehr aufmerksame Stimmung. Diese schlug jedoch nicht in einlullende Gemütlichkeit um, denn Lennardt Loß hatte die mitreißende short story Russischer Tango im Gepäck. Mit leidenschaftlicher Stimme erzählte er aus dem Boxermilieu der DDR, was ihm Lacher, Anerkennung und viel Applaus bescherte.

Mit Gedichten und kurzer Prosa ging es weiter. Robert Wenzl, der neben seiner Arbeit als Autor auch als Singer/Songwriter aktiv ist, trug melancholisch-sensible Texte vor, die die Metapher nicht scheuen und dennoch meilenweit vom Kitsch entfernt sind. Elisa Wächtershäuser bildete mit ihrer Kurzgeschichte Die Tiere schlafen den Abschluss des ersten Leseblocks. Die Absolventin u.a. des Klagenfurter Literaturkurses, überzeugte mit ihrem souveränen Vortrag und einem Text, der keinen Zweifel an ihrem erzählerischen Talent ließ.

Im zweiten Teil der SUMMER EDITION resümierte die ungarische Autorin Kinga Tóth ihre Zeit als Jenaer Stadtschreiberin. In einem offenen Gespräch mit Moderator Mario Osterland stellt sie die Projekte vor, an denen sie in der Saalestadt gearbeitet hat und gab einen Einblick in die Entstehungsprozesse ihrer Werke. Dabei trug sie zunächst einige Gedichte vor, die auf relativ klassische Weise Eindrücke und Beobachtungen in der neuen Umgebung reflektieren. Allerdings war gleich zu bemerken, dass Tóth kein Interesse an einer sentimentalen Erlebnislyrik hat. Vielmehr ist ihre Sprache bewusst nüchtern, kühl und fast technisch gehalten, womit sie an die Traditionslinien deutschsprachiger Avantgarde-Dichtung anknüpft. Bewegungen, die es in der ungarischen Literatur in dieser Vielfalt nicht gegeben hat, wie Tóth erklärte.

Ihre experimentelle Denk- und Arbeitsweise illustrierte die Autorin zudem mit einem Tagebuch aus gebrauchten Kaffeefiltern, auf die sie mit einer Schreibmaschine Fehler und Schwierigkeiten notierte, die sie mit der deutschen Sprache hat. Später soll daraus eine Textinstallation entstehen.

Schließlich drehte sich das Gespräch verstärkt um das Projekt Mondgesichter, in dem Tóth sich intensiv mit verschiedenen Krankheiten auseinandersetzt. Diese begreift die Autorin nicht zwingend als Makel oder Fehlfunktionen, sondern als Entwicklungsstufen, Prozesse und Variationen des menschlichen Körpers. Die Bearbeitung dieses komplexen, mitunter sensiblen Themas geht die Autorin mit einer für sie typischen Verflechtung aus Text, Sounds und Visualisierungen an. In einer beeindruckenden Performance, unterstützt durch Video-, Text- und Grafikprojektionen sowie einer Loop-Station, gab sie dem Publikum Einblick in das Mondgesichter-Projekt und unterstrich ihren Status als außergewöhnliche Visual-Sound-Poetin und Performerin.

 

4.7. – Blaubart & Ginster – Eine Stunde Literatur im Offenen Kanal Jena

Blaubart & Ginster? – Ist das ein Szenelokal für serienmordende Pazifisten? Ein exzentrischer Barbershop? Kann man das rauchen?
So ähnlich: Bei Blaubart & Ginster läuft eine Stunde lang Literatur und Musik auf Radio OKJ. Ralf Schönfelder und Mario Osterland, co-Organisator von „In guter Nachbarschaft“, laden Autoren ins Studio ein, um ihre Texte zu hören, über Bücher und die literarische Szene zu plaudern und die Lieblingsmusik der Gäste zu spielen.

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Mario Osterland und Ralf Schönfelder präsentieren monatlich die Literatursendung „Blaubart & Ginster“ im Radio OKJ.

Von Ungarischem Punkrock bis zu Lambada!
Zu Gast in der Ursendung von Blaubart & Ginster ist die Jenaer Stadtschreiberin Kinga Tóth. Sie liest aus ihren Gedichten über Körper und Maschinen, erklärt, warum Häuserwände die Haut einer Stadt sind und berichtet vom schwierigen Stand der ungarischen Literatur und ihrer Arbeit bei der József Attila Kör in einem Land, das sich politisch radikalisiert.

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Die Sound-Poetin Kinga Tóth ist der erste Gast bei „Blaubart & Ginster“ (Foto: Richard Lutzbauer)

Die erste Sendung läuft am Montag, dem 4. Juli um 15:00 Uhr bei Radio OKJ. Radio OKJ hört Ihr in Jena und Umgebung auf UKW 103,4 MHz und im Kabel auf 107,90 MHz. Außerdem weltweit im Internet als Live-Stream auf http://radio-okj.de/.

In guter Nachbarschaft – SUMMER EDITION – Das Programm

Liebe Nachbarschaftsfreunde,

es dauert gar nicht mehr lang bis zur „In guter Nachbarschaft – SUMMER EDITION“. Die Spannung und Vorfreude steigen bei uns täglich. Damit ihr wisst, worauf ihr euch gemeinsam mit uns freuen könnt, präsentieren wir euch hier das detaillierte Programm.

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16:30 – 17:30 Uhr – Begrüßung zur „SUMMER EDITION“ und Lesung der Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2016.

Das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen schreibt Jahr für Jahr einen Literaturwettbewerb aus, an dem sich 16- bis 25-Jährige mit Wohnsitz in Hessen und Thüringen beteiligen können. Bei uns gehört es zur ebenso guten Tradition, die aktuellen Preisträger*innen aus ihren prämierten Texten lesen zu lassen: Stimmen, die uns von nun an begleiten werden. Mit dabei sind Manon Hopf, Lennardt Loß, Elisa Wächtershäuser und Robert Wenzl.

Moderation: Peter Neumann und Mario Osterland.

18:00 – 18:45 Uhr – Werkstattgespräch mit der Jenaer Stadtschreiberin Kinga Tóth

In einem offenen Gespräch berichtet Kinga Tóth aus ihrer Zeit als Jenaer Stadtschreiberin und liest aus den Texten, die hier entstanden sind. Interessierte Besucher*innen und Autor*innen sind herzlich eingeladen, sich mit Fragen und eigenen Erfahrungen in das Gespräch einzubringen und über die Prozesse literarischer Arbeiten zu diskutieren.

Moderation: Mario Osterland

19:00 – 19:45 Uhr – Offenes Mikrofon

Auch zur „Summer Edition“ von „In guter Nachbarschaft“ steht talentierten Autor*innen für jeweils acht Minuten das offene Mikrofon zur Verfügung – DIE Gelegenheit, um Texte aller Art in entspannter Atmosphäre vorzutragen. Ob Prosa oder Lyrik, Abenteuergeschichten oder Liebesgedicht, das offene Mikrofon bietet die Plattform für mutige Freiwillige und ihre Texte. Anmeldungen nehmen wir gern entgegen unter: inguternachbarschaft[at]gmx.de

Moderation: Peter Neumann und Mario Osterland

20:00 – 22:00 Uhr – Lesung mit Anja Kampmann, Björn Kuhligk und Christoph Wenzel

Bevor im Herbst wieder unzählige, frisch gedruckte Neuerscheinungen den Buchmarkt entern, legen wir den Fokus dieser Lesung vor allem auf noch unveröffentlichte und teilweise sich noch in Arbeit befindende Texte. Unsere Autor*innen geben damit nicht nur einen spannenden Einblick in ihr Schaffen, sondern auch in die Entstehungsbedingungen und -prozesse von literarischen Texten.

Moderation: Peter Neumann

ab 22:00 Uhr – Aftershow-Party mit DJ Lutz Hartmann (Klinke auf Cinch)

Lutz Hartmann ist ein Alleskönner an den Turntables. Wenn er nicht gerade mit seiner Band Klinke auf Cinch durch die Gegend tourt oder wilde Dj-Sets mit Carina Posse als Kanapè spielt, weiß er wie kein Zweiter, wie man funky Beats mit derben Bässen vereint. Hartmann ist die Allzweckwaffe für glückliche Gesichter auf dem Dancefloor.

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„In guter Nachbarschaft – SUMMER EDITION“

Samstag, 9.7.2016 – Glashaus im Paradies (Vor dem Neutor 6), Jena

Beginn: 16:30 Uhr – Eintritt: 3,-/5,-€ (nur Abendkasse)

9.7. – In guter Nachbarschaft – SUMMER EDITION in Jena

Mit Björn Kuhligk, Anja Kampmann, Christoph Wenzel, der Jenaer Stadtschreiberin Kinga Tóth, den Preisträgern des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, freiwilligen Talenten am offenen Mikrofon und DJ Lutz Hartmann.

Samstag, 9.7.2016 – Glashaus im Paradies (Vor dem Neutor 6), Jena

Beginn: 16:30 Uhr

Eintritt: 3,-/5,-€ (nur Abendkasse)

Das Glashaus im Paradies – ein zauberhafter Ort im Sommer. Besonders wenn man ihn „In guter Nachbarschaft“ genießen kann. Für einen Abend wird das Glashaus zum Mittelpunkt der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und wir feiern sie mit einem Sommerfest!

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Die Lesereihe bringt aus diesem Anlass wieder hervorragende Autor*innen zusammen. Mit dabei zur diesjährigen „Summer Edition“ im Paradiespark sind die Dichter*innen Anja Kampmann, Björn Kuhligk und Christoph Wenzel mit neuer Lyrik und Prosa im Gepäck sowie Kinga Tóth, die aus ihrer Zeit als Jenaer Stadtschreiberin berichten wird, außerdem die Preisträger*innen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

Im Verlauf des Abends steht talentierten Autor*innen für jeweils acht Minuten das offene Mikrofon zur Verfügung – DIE Gelegenheit, um Texte aller Art in entspannter Atmosphäre vorzutragen. Anmeldungen nehmen wir gern entgegen unter: inguternachbarschaft [at] gmx [punkt] de

Das Paradies findet ihr hier: