„seit monaten das erste gedicht, ein aufgeräumter computer, eigene lektüre statt durch jobs verordnete.“

Die COVID19-Pandemie stellt viele Menschen innerhalb der Kulturlandschaft und weit darüber hinaus vor ungewisse Wochen und Monate. Auch wir wissen noch nicht wann es mit In guter Nachbarschaft weitergehen wird. Wir haben uns dazu entschlossen die Wartezeit damit zu überbrücken einige Künstler:innen unserer vergangenen Veranstaltungen zu befragen, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.

Der Siegener Dichter Crauss war im November 2016 zu Gast bei In guter Nachbarschaft #11 in Erfurt.

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Crauss. (Foto: Crauss)

Lieber Crauss, wie geht’s dir derzeit?

bis auf einen etwas rebellischen weisheitszahn bin ich gesund und durchaus auch produktiv. seit monaten das erste gedicht, ein aufgeräumter computer, eigene lektüre statt durch jobs verordnete.

Kannst du die Zeit zu Hause kreativ nutzen oder lähmt dich dieser Zustand eher?

das – wenn auch notgedrungene – innehalten in der distanzzeit tut durchaus gut, zumindest zum verschnaufen. trotzdem fehlt mir das ausgehen. auch das fahrradfahren. ich bin kein ausflugs-radler, sondern nutze die gelegenheit, beruflich von x nach z zu kommen, um fit zu bleiben. zielorientiert also. das fällt jetzt weg und ist der grund für gelegentliches decke-auf-den-kopf.

Derzeit versorgst du deine Nachbarschaft mit Lyrikpäckchen. Wegen der drohenden Decke über’m Kopf oder wie bist du darauf gekommen?

einerseits mache ich das natürlich, um überhaupt einmal rauszukommen. eine kleine werbeaktion kann aber ausserdem nicht schaden. die leute sehen mich normalerweise auf dem rad und fragen sich vielleicht: wer ist das denn genau im letzten haus dort drüben? die lyrikkärtchen haben den vorteil einer kleinen unterhaltung für zwischendurch, gleichzeitig lernen die nachbarn mich besser kennen.

Woran hast du in den letzten Monaten gearbeitet, bevor sich die aktuelle Corona-Situation eingestellt hat?

meine brotjobs haben so viel zeit gefressen, dass ich kaum zu eigenen, literarischen dingen gekommen bin. jetzt habe ich gelegenheit, ein projekt wiederaufzunehmen, das sich mit texten zur kunst beschäftigt. konkreter: gedichte zu gemälden, holzschnitten und graphiken.

Welche Projekte sind bei dir derzeit zum erliegen gekommen?

das geldverdienen. ausgefallene autorenlesungen, die nun ersatzweise online gehen, bringen natürlich nicht das honorar ein, das sie „live“ gebracht hätten.

Ja, es gibt derzeit einige Streams von Lesungen. Vor allem natürlich von Autor:innen, die erst kürzlich ein neues Buch veröffentlicht haben. Man überlegt sogar die Absage des Bachmannpreises rückgängig zu machen und das Format ins Online-Zeitalter zu hieven. Ist das deiner Meinung nach eine Chance, die diese Krise bietet – also anspruchsvolle Literatur auf anderen Kanälen zu vermitteln?

das mit dem anspruch ist so eine sache und hängt womöglich nichtmal mit den gezeigten inhalten zusammen, sondern mit den verwendeten medien. einerseits bin ich sehr dafür, Bachmann online bzw. im TV zu übertragen – wie es ja all die jahre sowieso gemacht wurde – gerade eine solche veranstaltung sollte aber professionell abgefilmt werden und nicht autoren zeigen, denen nicht bewusst ist, dass man den spiegel-modus der selfie-kamera auch auf „normal“ stellen kann (so dass schriften sich richtig herum zeigen zb.). grisselbilder mit mittelmässiger auflösung mögen für einen teaser auf insta oder für eine kurzpräsentation auf facebook in ordnung sein, aber nicht für eine bezahlte lesung. und ich finde, online-lesungen dürfen durchaus einen kleinen „eintritt“ kosten. von veranstalterseite SOLLTEN sie es sogar, bzw: sollte es honorar geben für die autoren*. wenn mich bella triste, manuskripte etc einladen, muss sich das bitte bemerkbar machen.

Du selbst bespielst ja nun auch regelmäßig einen YouTube-Kanal mit Lyrikclips. Als direkte Reaktion auf die gegenwärtige Situation?

ja und nein. einerseits möchte ich natürlich auch beim derzeitigen online-rummel mitspielen (wenn schon die leipziger buchmesse ausgefallen ist). andererseits bestücke ich aber zb. instagram und meinen youtube-kanal ohnehin immer wieder mit kurzen poesiefilmchen. dass das derzeit mehrere pro woche sind, hat aber schlicht damit zu tun, dass ich wegen vieler ausgefallener lesungen dazu komme, endlich mal meinen computer aufzuräumen …

Welche Hilfen erwartest du von Seiten der Entscheidungsträger:innen für freischaffende Künstler:innen?

ich „erwarte“ eine ersatzzahlung des landes [Nordrhein-Westfalen – Anm. M.O.], die über den betrag hinausgeht, der im moment für jeden einzelnen künstler bereitsteht. meine ausfälle übersteigen die angebotene summe. ich „wünsche“ mir jedoch, dass die krise anlass gibt, intensiver und ernsthafter als bisher über ein allgemeines grundeinkommen – nicht nur für künstler – nachzudenken.

Vielen Dank für deine Antworten und bleib gesund!

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Crauss, geb. 1971, lebt in Siegen/D und ist Kulturpädagoge (u.a. Uni Siegen sowie verschiedene Schulen). Er wurde Mitte der 1990er Jahre durch neue, produktive Verfahren einer Videoclip-Ästhetik in der Lyrik einem breiteren Publikum bekannt.

Crauss wurde mit wichtigen Stipendien gefördert, mit Literaturpreisen ausgezeichnet, seine Dichtung in mehr als zehn Sprachen übersetzt. Neben populärwissenschaftlichen Essays und »gesprochenen Liedern« sind die letzten Veröffentlichungen: DIE HARTE SEITE DES HIMMELS. Pilotengedichte. und SCHUNDFAKTOR: HYBRIDE & DESTILLATE. Essays.

http://crauss.de/

„Je länger ich meine vier Wände nicht verlassen kann und darf, desto weniger gibt es hier für mich zu denken und entwickeln.“

Die COVID19-Pandemie stellt viele Menschen innerhalb der Kulturlandschaft und weit darüber hinaus vor ungewisse Wochen und Monate. Auch wir wissen noch nicht wann es mit In guter Nachbarschaft weitergehen wird. Wir haben uns dazu entschlossen, die Wartezeit damit zu überbrücken, einige Künstler:innen unserer vergangenen Veranstaltungen zu befragen, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.

Den Anfang macht Sebastian van Vugt, Sänger und Gitarrist der Band Baldabiou, der In guter Nachbarschaft #22 in wunderbare Songs kleidete.

Sebastian van Vugt solo (c) Lena Laine - Kopie
Sebastian van Vugt (Foto: Lena Laine)

Lieber Sebastian, wie geht’s dir derzeit?

Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Ich befinde mich in einer äußerst privilegierten Situation, da ich weder systemrelevante Arbeit leiste(n muss) noch gänzlich auf Erträge aus freischaffender künstlerischer Arbeit angewiesen bin. Ich bin zwar seit mittlerweile 11 Tagen aufgrund von Quarantäne mehr oder weniger isoliert, was schon bedrückend ist, kann mich aber im Vergleich weniger beschweren. Ich bekomme regulär mein Gehalt und kann meine Lohnarbeit aus dem Home Office erledigen.

Kannst du die Zeit zu Hause kreativ nutzen oder lähmt dich dieser Zustand eher?

Tatsächlich konnte ich in den ersten Tagen der sozialen Abgrenzung sehr viel künstlerisch arbeiten. Ich habe einen Podcast angefangen, den ich schon lange vorhatte, an meinem nächsten Roman ein wenig weitergeschrieben und ein Video mit Musik aufgenommen. Insofern hat mich der Zustand erst wenig gelähmt. Je länger er jedoch anhält, desto mehr schläft die Inspiration und auch Energie ein. Es ist ein bisschen so, wie schon in der Philosophie bekannt, dass der Raum in dem man sich befindet, das denken auch mitbestimmt. Ich habe das Gefühl, je länger ich meine vier Wände nicht verlassen kann und darf, desto weniger gibt es hier für mich zu denken und entwickeln. Gelähmt bin ich aber noch nicht. Ich glaube, für mich ist für die Planung künstlerischer Projekte gerade am schwierigsten, mit der Unklarheit der Dauer dieser Situation umzugehen, da nichts mehr planbar scheint.

Du hast einen Podcast aufgenommen, den du schon länger geplant hattest. Darin sprichst du über verschiedene Raumkonzepte, etwa den Raum als Gefängnis oder als Schutzzone. Ist das Thema für dich jetzt akut geworden?

Der Ausgangspunkt, einen Podcast machen zu wollen, war ein sprachphilosophischer. Ich hab mich einfach dafür interessiert, das, was hinter Worten oder der Sprache steht, etwas aufzubrechen und dem Dasein, das hinter Worten verborgen ist, eine eigene Sprache zu geben, die nicht konkret bezeichnet. Den Begriff „Raum“ hatte ich eigentlich nicht auf der Liste, weil Raum für mich – vielleicht auch weil ich so privilegiert aufgewachsen bin – nie einen großen Unterschied gemacht hat und mich auch theoretisch nie interessiert hat. Aber als ich dann so in meinem Zimmer unter Quarantäne saß, wurde das plötzlich deutlich. Das fing damit an, dass ich erst dachte, ich könnte ein Mixtape zum Thema Raum machen. Und dann hab ich gemerkt, als ich mein Bücherregal durchgegangen bin, wie mich das Thema doch von überall angestarrt hat. Dass es sich mir wiederum zu erscheinen gab, lag sicherlich daran, dass auf oberflächlicher und offenbarer Ebene gerade Raumpolitiken durchgesetzt werden. Sowohl innerhalb von Städten und Ländern als auch eben an Grenzen. Und diese Raumpolitiken treffen natürlich insbesondere die Menschen, für die die Durchlässigkeit von Räumen relevant ist und die oft auch prekär leben. Insofern gibt es räumlich gesehen krasse Widersprüche. Ich nehme natürlich meine 1-Raum-Quarantäne als ein Gefängnis war, weil ich Freiheit zu einem gewissen Maße gewohnt bin, aber gleichzeitig ist diese Rückzugsmöglichkeit ein Schutzraum. Wenn man sich hingegen das Raumgefängnis bspw. an den EU-Außengefängnissen anguckt, ist es ein krasser Gegensatz dazu. Das Thema „Raum“ hat sich mir also als sehr drängend erschlossen.

Durch das erwähnte Musikvideo machst du aufmerksam auf die Situation der Flüchtenden, die derzeit in Camps wie Moria auf Lesbos einer besonders gefährlichen Situation ausgeliefert sind. Welche Hoffnungen verbindest du mit der aktuellen Situation hinsichtlich der Zeit danach?

Ich trau’ mich gerade kaum, etwas zu hoffen. Mein Wunsch ist es – und ich versuche das, durch die Aufmerksamkeit, die ich erzeugen kann, zu unterstützen –, dass in dieser Situation klar wird, wie wichtig (internationale) Solidarität für Gesellschaften ist. Ich wünsche mir, dass allen klar wird, dass Krisensituationen und gesellschaftlicher Wandel, der eh immer stattfindet, nicht durch Abgrenzungsgesten eine plausible Lösung findet, sondern darin, dass alle sich, so gut sie es vermögen, unterstützen. Entsprechend wünsche ich mir vor allem, dass sich die Menschen ihrer Privilegien bewusst werden und den Menschen, die es brauchen, ihre Hilfe anbieten, ohne erstmal groß Rechnungen und Bilanzen aufzumachen. Insofern ist meine Hoffnung, da ist sie dann doch, dass den Schutzsuchenden an den EU-Außengrenzen geholfen wird und sie die best mögliche Unterstützung bekommen, noch bevor dort endgültig eine Katastrophe geschieht. Dass ihnen ein wirklicher Schutzraum geboten wird, in dem wir sie aufnehmen und uns solidarisch zeigen. Es sollte doch wirklich allen klar sein, dass die Situation dort eh schon und jetzt noch viel mehr unerträglich und unmenschlich ist.


Du warst Ende Oktober 2019 bei uns in Jena zu Gast. Woran hast du in der Zwischenzeit gearbeitet, bevor sich die aktuelle Corona-Situation eingestellt hat?

Bis zur Corona-Situation habe ich primär am neuen Album gearbeitet, das wir (Baldabiou) gerne im Herbst aufnehmen wollten/wollen. Wir hatten glücklicherweise im Februar, als Sturmtief Sabine den Rückweg aus Lüneburg verhinderte, noch die Gelegenheit, ein Probenwochenende einzulegen, und die Songs sind insofern mehr oder weniger arrangiert. Meinen Roman kann ich trotz Corona-Situation regulär bearbeiten. Jetzt hatte ich sogar die Gelegenheit, das mit dem Podcast anzufangen und habe ein kleines Literaturkollektiv mitgegründet, das aber noch in den Kinderschuhen steckt. Was tatsächlich verhindert ist, sind die paar Konzerte, die wir für April/Mai geplant haben. Daraus wird wohl nichts bzw. sind sie teilweise schon abgesagt. Bei den Festivals im Mai/Juni bin ich mal gespannt, rechne aber auch mit Absagen. Insgesamt verläuft die Situation für mich aber glimpflich, da ich hinsichtlich Konzerte eh eine kleine Pause geplant hatte. Für Jan [Frisch, Gitarre/Bass – Anm. M.O.] ist das deutlich drastischer, da er keiner Lohnarbeit nebenher nachgeht, und bei Tobi [Schormann, Drums – Anm. M.O.] in Oldenburg hat das Theater auch seinen Spielbetrieb unterbrochen…

Welche Hilfen erwartest du von Seiten der Entscheidungsträger:innen für freischaffende Künstler:innen?

Was die Situation meines Erachtens deutlich macht, ganz unabhängig ob Künstler:in oder nicht, dass ein Großteil der gesellschaftlich relevanten Arbeiten von Menschen übernommen werden, die sich in der ökonomischen Ungleichheit am unteren Ende befinden und sehr prekär leben. Das gilt insbesondere für die sogenannten systemrelevanten Jobs, die schlicht unterbezahlt sind, aber ebenso für die (freischaffende) Künstler:innenszene. Wer in der Kulturbranche unterwegs ist, weiß eh seit Jahren, dass alles finanziell sehr knapp bemessen und die Prekarität sehr groß ist bei gleichzeitig sehr hohem gesellschaftlichem Bedarf bzw. Nachfrage nach Kulturproduktion bzw. -konsumption. Das passt vorne und hinten nicht zusammen! Und ich glaube oder hoffe zumindest, dass das in dieser Situation endgültig flächendeckend bewusst wird. Weil viele, die sich jetzt sozial isoliert (in Quarantäne oder nicht) zu Hause befinden, merken, wie unglaublich viel ihnen eigentlich Kultur/Kunst für ihr Wohlbefinden zu geben vermag und wie unersetzbar die Live-Situation dafür ist. Und dass es eben auch ökonomische Bedingungen geben muss, die das ermöglichen und gleichzeitig krisenfest sind, weil sich wirklich niemand wünschen kann, dass es bald einen künstlerischen Einschnitt in der Musik-, Theater-, Younameit-Szene gibt. Insofern erwarte ich von Entscheidungsträger:innen nicht viel mehr als unbürokratisch Zugänge zu Soforthilfen für freischaffende Künstler:innen sowie ein langfristiges Konzept, die Szene ökonomisch krisensicher zu machen bei gleichzeitigem Erhalt der künstlerischen Freiheit. Gleichzeitig erwarte ich aber auch, dass systemrelevante Jobs endlich (!) als solche Wertschätzung erfahren und sich diese Wertschätzung in einer deutlichen Lohnerhöhung niederschlägt, die nicht nur einmalig ob der Krise kommen, sondern langfristig.

Vielen Dank für deine Antworten und bleib gesund!

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Sebastian van Vugt singt mit unverwechselbarem Timbre über die Freuden und Leiden des Werdens und Seins. Seine Lieder und Stimme verfügen über ein hochaufgelöstes Gespür für Form und Dynamik. Seine Bühnenpräsenz ist so unprätentiös wie einnehmend. Beinahe aus Versehen wird ein eben noch aufgekratztes Mischpublikum aus Eingeladenen, Mitgebrachten und Kulturtouristen mausestill und der Raum füllt sich mit den unaufgeregten Songs van Vugts, die bei aller Wärme und Intimität nie dem Kitsch verfallen oder stereotyp verflachen. Sie lassen tief blicken und hören sich gut an. Im Oktober 2019 erschien das Album Hélène auf dem Label Viel Erfolg mit der Musik.

Frage für einen Freund #1

Unser (ehemaliger) Nachbar Mario Osterland startet in diesem Jahr ein neues liteararisches Veranstaltungsformat in Kooperation mit dem Kunsthaus Erfurt. Bei Frage für einen Freund steht nicht die Autor*innenlesung im Mittelpunkt, sondern das Werkstattgespräch an dem sich das Publikum gleichberechtig mit dem Moderator und dem jeweils eingeladenen Gast beteiligen kann.

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Weitere Infos gibt es hier.

Marko Dinić zu Gast bei Blaubart & Ginster

Marko Dinić, der Gast unsere letzten Nachbarschaft in Jena, hat sich auch bei unseren Freunden von Blaubart & Ginster im Studio blicken lassen. In ihrer aktuellen Sendung sprechen die Moderatoren Ralf Schönfelder und Mario Osterland mit dem Wiener Autor unter anderem über sein aktuelles Buch Die guten Tage, über Arno Schmidt und den Literaturnobelpreis für Peter Handke.

Rückschau: IN GUTER NACHBARSCHAFT #22

Am 30.10. waren wir mit unserer Lesereihe endlich wieder in Jena. In der Galerie am Stadtspeicher lasen mit Konstantin Petry (Weimar) und Christoph Renner (Jena) zwei der aktuellen Hauptpreisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Nach einer kurzen Pause stellte dann der in Wien lebende Marko Dinić seinen Debütroman „Die guten Tage“ vor. Dinić erzählte von den Gastarbeiterbussen, die zwischen Wien und Belgrad verkehren und inzwischen auch zu einem beliebten Verkehrsmittel für Touristen geworden sind. Darüber hinaus betonte er die Schwierigkeiten im Aufarbeitungsprozess des serbischen Nationalismus. Gestenreich und wortgewaltig nahm er das Publikum in seiner Lesung mit ins heutige Belgrad, in dem die Narben des Krieges noch immer sicht- und spürbar sind.

Musikalisch gerahmt und begleitet wurde der Abend mit einem Solokonzert des Wahl-Berliners Sebastian van Vugt. Der Songwriter der Band Baldabiou spielte akustische Folksongs und überzeugte nicht zuletzt durch seinen eindrucksvollen Gesang.

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(Fotos: Anne Osterland)

Wir bedanken uns herzlich bei allen Beteiligten des Abends, insbesondere den aufgetretenen Künstlern und dem Jenaer Kunstverein. IN GUTER NACHBARSCHAFT verabschiedet sich nun in den Winterschlaf. Die nächste Veranstaltung findet 2020 in Weimar statt.

30.10. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #22 – mit Marko Dinić, Baldabiou u.a.

Am 30.10. kehrt IN GUTER NACHBARSCHAFT zurück in die heiligen Hallen des Jenaer Kunstvereins. Zu Gast ist der Wiener Schriftsteller Marko Dinić, der aus seinem Debütroman Die guten Tage lesen wird. Darin erzählt er vom Aufwachsen in Belgrad während der Jugoslawienkriege und der schweren Rückkehr in einen Serbien, das der Ich-Erzähler am liebsten für immer hinter sich lassen wollte. „In beeindruckenden Bildern erzählt Marko Dinic zwanzig Jahre nach dem Bombardement von Belgrad von einer traumatisierten Generation, die sich weder zu Hause noch in der Fremde verstanden fühlt, die versucht die eigene Vergangenheit zu begreifen und um eine Zukunft ringt.“

Auf offenen Mikrophon begrüßen wir diesmal Konstantin Petry (Weimar) und Christoph Renner (Jena). Sie beide sind aktuelle Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

Begleitet und gerahmt wird der Abend vom Alternative Pop des Musikers Sebastian van Vugt, besser bekannt als BALDABIOU.

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30. Oktober 2019 – 19:30 Uhr

Galerie im Stadtspeicher/Jenaer Kunstverein e.V. – Markt 16 – 07743 Jena

Eintritt: 5,-€ / ermäßigt 3,- €

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Marko Dinić wurde 1988 in Wien geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Belgrad. Er studierte in Salzburg Germanistik und Jüdische Kulturgeschichte. 2016 las er bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt im Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Sein 2019 erschienenes Debüt Die guten Tage ist für den Österreichischen Buchpreis nominiert.

Sebastian van Vugt singt mit unverwechselbarem Timbre über die Freuden und Leiden des Werdens und Seins. Seine Lieder und Stimme verfügen über ein hochaufgelöstes Gespür für Form und Dynamik. Seine Bühnenpräsenz ist so unprätentiös wie einnehmend. Beinahe aus Versehen wird ein eben noch aufgekratztes Mischpublikum aus Eingeladenen, Mitgebrachten und Kulturtouristen mausestill und der Raum füllt sich mit den unaufgeregten Songs van Vugts, die bei aller Wärme und Intimität nie dem Kitsch verfallen oder stereotyp verflachen. Sie lassen tief blicken und hören sich gut an. Im Oktober 2019 erscheint das Album Hélène auf dem Label Viel Erfolg mit der Musik

Konstantin Petry, geb. 1997 in Eisenach, studiert Philosophie und Westslavistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2019 gewann er im Literaturwettbewerb des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen einen der Hauptpreise.

Christoph Renner studierte Deutsch und Geschichte auf Lehramt in Tübingen und Jena. Derzeit promoviert er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2018 gewann der den Hauptpreis beim Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb, 2019 folgte einer der Hauptpreis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

Critical Westdeutschness – Peter Neumann und Matthias Warkus im Gespräch

„Es gibt einen blinden Fleck in der westdeutschen Geschichtsbetrachtung.“ Peter Neumann und Matthias Warkus umkreisen ihn und andere Aspekte im Gespräch über Critical Westdeutschness. Äußerst Lesenswert!

Teil 1/3 gibt es hier

Teil 2/3 gibt es hier

Teil 3/3 erscheint erscheint voraussichtlich am 31. August

13. September – Nürnberg – IN GUTER NACHBARSCHAFT beim Festival der unabhängigen Lesereihen (ULF)

Am Freitag, den 13. September präsentiert sich die Thüringer Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT mit einer Poetryfilm-Edition auf dem unabhängigen Lesereihenfestival ULF in Nürnberg. Gezeigt werden sechs Poetryfilme, die im Rahmen des Projekts lab/p – poetry in motion 2018/19 entstanden sind.

lab/p – poetry in motion ist ein Projekt, das organisiert vom OSTPOL e.V. Leipzig und den FigLeaf Studios Alexandria, ägyptische und deutsche Schriftsteller*innen und Filmemacher*innen zusammenbrachte, um gemeinsam internationale-interkulturelle Poetryfilme entstehen zu lassen. Zu den zahlreichen Kooperationspartnern des Projkets zählten auch der Weimarer Poetryfilmkanal sowie die Bauhaus Universität Weimar.

IN GUTER NACHBARSCHAFT präsentiert einen Abend lang auf gewohnt interdisziplinäre Weise literarische Formen abseits der üblichen „Wasserglaslesung“. In screening, Lesung und Gespräch stellen vier Künstler*innen ihre Filme vor, sprechen über das Genre des Poetryfilms und geben einen Einblick in ihre aktuelle Arbeit.

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13. September 2019 – 22 Uhr

Z-Bau (Roter Salon) – Frankenstr. 200, 90461 Nürnberg

Tagesticket Freitag: 22,-€ / ermäßigt 16,-€

Festivalticket (4 Tage): 38,-€ / ermäßigt 30,-€

Alle Infos zum Festival inkl. des Gesamtprogramms gibt es hier.

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In Nürnberg mit dabei:

 

Alina Cyranek, geb. 1979 in Racibórz (Polen), absolvierte den Doppel-Master in Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar und der Tongji University Shanghai mit dem Schwerpunkt Dokumentar- und Experimentalfilm. Ihre Arbeiten werden auf internationalen Filmfestivals und Kunstausstellungen gezeigt und wurden mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet als freie Autorin und Regisseurin in Leipzig.
www.alinacyranek.com

Özlem Özgül Dündar, geb. 1983 in Solingen, lebt in Leipzig. Die vielfach ausgezeichnete Autorin schreib Lyrik, Prosa und Theatertexte. Zuletzt erschien ihr Gedichtband „gedanken zerren“ (Elif Verlag, 2018)

Rika Tarigan, geb. 1988 in Bandung/Westjava (Indonesien), lebt in Weimar. Sie studiert Medienkunst an der Bauhaus Universität Weimar. Ihr Film „The Right To Fall Apart“ wurde mit dem Weimarer Poetryfilmpreis 2019 ausgezeichnet.

Dennis Trendelberend, geb. 1992 in Gütersloh, lebt in Leipzig. Neben der Sprache und dem Schreiben, das er in Wien und Leipzig studierte, ist er auch an Malerei interessiert.

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Die unabhängige Lesereihe IN GUTER NACHBARSCHAFT gehört zum festen Bestandteil der Thüringer Literaturszene. Sie vereint seit 2014 neue Lyrik und Prosa mit aktueller Musik. Über zahlreiche selbst organisierte Veranstaltungen hinaus wird die Lesereihe von Kulturveranstaltern im gesamten Freistaat als zuverlässiger Partner für anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur geschätzt.

IN GUTER NACHBARSCHAFT ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen.

Außerdem sind wir Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen.

 

12. – 15. September – Nürnberg – ULF – das unabhängige Lesereihenfestival

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn,

die Initiative Unabhängige Lesereihen veranstaltet vom 12. bis 15. September erstmals ein Festival bei dem 25 Lesereihen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnehmen und Literaturveranstaltungen nach ihren jeweiligen Vorstellungen präsentieren werden.

Als Teil der Initiative werden wir mit IN GUTER NACHBARSCHAFT natürlich mit dabei sein und eine Veranstaltung rund um das Genre des Poetryfilms auf die Beine stellen. Wie das genau aussehen wird, werden wir hier in Kürze verkünden.

ULF – das unabhängige Lesereihenfestival

12. – 15. September 2019

im Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur (Frankenstr. 200) in Nürnberg

Rückschau: IN GUTER NACHBARSCHAFT #21

Für die 21. Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT kehrten wir am 17. Mai in die ACC Galerie nach Weimar zurück. Die Leipziger Autorin Deniz Ohde stellte im Gespräch mit Moderator Gorch Maltzen ihr Romanprojekt „Silberfarm“ vor und las anschließend aus dem noch unveröffentlichten Manuskript.

Zuvor las die Weimarerin Sina Stolp aus ihrer Sammlung von Prosaminiaturen. Kathleen Kröger teilte mit Text und Bildprojektionen ihre Beobachtungen aus der Erfurter Graffiti-Landschaft.

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Gerahmt und begleitet wurde der Abend mit den Songs und Musikperformances des Weimarer Medienkünstlers Tommy Neuwirth, der mit vollem Körpereinsatz und spektakulärer Lichtshow für bleibenden Eindruck sorgte.

Wir bedanken uns bei allen beteiligten Künstler*innen, Förder*innen und Freund*innen, die den Abend ermöglicht haben! (Alle Fotos: Anne Osterland)