Vorgestellt: Daniel Ketteler

Am 4.11. gibt es endlich eine neue Ausgabe von IN GUTER NACHBARSCHAFT. Wir kehren zurück in die Thüringer Landeshauptstadt mit einem Leseabend der besonderen Art. Zu Gast ist diesmal der Berliner Arzt und Schriftsteller Dr. Dr. Daniel Ketteler, der u.a. aus seinem Roman „Grauzone“ lesen wird.

Moderiert wird der Abend von Mario Osterland, der in der Vergangenheit ein Interview mit Ketteler zum Thema „Literatur und Rausch“ führte. Noch immer lesenwert und ein interessanter Vorgeschmack auf den Abend im FRANZ MEHLHOSE.

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„E.T.A. Hoffmanns Werke sind großartig, seine Leberwerte waren es nicht“

Mario Osterland: Als schreibender Mediziner stehst du in einer ziemlich illustren Reihe mit u.a. Schiller, Tschechow, Benn und Döblin. Worin liegt für dich der Reiz dieser Verbindung aus Literatur und Medizin?

Daniel Ketteler: Ja, das ist ein Riesenfeld und natürlich eine Riesen­hypothek für jeden schreibenden Mediziner. Ich denke die Quelle dieser fruchtbaren Allianz ist die Begeg­nung mit Menschen und Schick­salen. Ich bekomme ja jeden Tag mindes­tens einen Roman­plot geschenkt. Naja, sagen wir jede zweite Woche einen guten. Dazu muss man sich hinein­versetzen in alle diese Menschen. Vor allem die Ärzte früherer Gene­ratio­nen hatten noch die Muße und konnten sich Zeit nehmen. Sie hatten auch Zeit für ein gutes Buch, eine Zeitung. Das waren noch richtige Bürger. Im heutigen klinischen Alltag ist wenig Raum für Romantik. Lies mal Irre von Goetz! Aber der Mensch in seiner vergänglichen Pracht prangt immer noch über allem.

Ich schätze vor allem Büchner sehr, der war ja auch Arzt. Aber da eine Linie zu ziehen wäre blasphemisch und vermessen. Döblin mag ich auch sehr, diesen frühen Cut-off. Bei beiden schimmert das Menschen­liebende durch, da gibt es ein echtes Interesse am Schicksal des anderen. Natürlich sind gute Autoren auch immer böse, das hat George Steiner mal gesagt, aber Benn und Celine sind mir da sowohl als Ärzte, wie als Schrift­steller und Wissen­schaft­ler etwas suspekt, da schimmert so etwas ekelhaft elitär-rechts­raunendes hindurch. Durch alle Poren. Das sind die zynischen Ärzte, die, die voller Mitleid und Ekel auf die Aus­schei­dungen blicken. Natürlich auch das unglaub­lich berei­chernd in einem produktiven Sinn, aber ein Bierchen trinken würde ich dann doch lieber mit Georg B. als mit Gottfried B. Wir sind sterblich und das ist doch super so! Stell dir vor, du müsstest zig Millionen Jahre leben. Wie langweilig! Das wäre ein schlim­mes Gefäng­nis. Nur unter Zeitdruck und mit Blick auf die Ver­gäng­lich­keit kann man doch den Ansporn haben, etwas zu schreiben, und die Ärzte sehen ja, je nach Disziplin, jeden Tag, wie schnell es wieder vorbei sein kann.

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Daniel Ketteler (Foto: A. triepa)

M. Osterland: Du hattest 2005 einen Aufsatz in der Kritischen Ausgabe publiziert, in dem es um den Zusammenhang von Drogenkonsum und Kreativität geht. Ist es dir generell ein Anliegen, den meist romantisierten Zusammen­hang von Kunst und Rausch auf wissen­schaft­lichem Niveau zu begegnen?

D. Ketteler: Ja, das war eine Annäherung an das Thema mit wissen­schaft­lichem Anstrich. Aber der strenge Natur­wissen­schaftler würde das sicher anders machen. Ich selbst suche einen Weg zwischen Natur- und Geistes­wissen­schaften. Das geht am besten in einem leicht essayis­tischen Stil. Den klassischen »Journals« behagt das nicht, die wollen die standardisierte Form der Publikation (Abstract, Introduction, Methods, Discussion). Das finde ich teils sehr schade, denn so ist wenig Raum für assoziative, also künstlerisch-kreative Ideen. Kürzlich habe ich noch ein paar Gedanken zum Thema Genie und Wahn. Was ist dran? publiziert. Der Titel ist etwas albern, aber ich wollte den etwas ver­staubten Mythos vom wahnsinnigen Künstler­genie mal auf eine neuronale Substanz und Trag­fähigkeit hin prüfen.

M. Osterland: Mit welchem Ergebnis?

D. Ketteler: Die Neurobiologie und Empirie liefern hier wie so oft nur indirekte Nachweise. Zum einen ist es so, dass sich bei verschiedenen Erkran­kungen des schizo­phrenen Formen­kreises Sprachpathologien finden, die in Kreativ­prozessen, also zum Beispiel bei Gedichten, gezielt genutzt werden; etwa Neolo­gismen, Wort­konta­minationen und ein mani­sches Zungen­reden, Reim­zwänge kommen vor und vieles mehr. Die mensch­liche Sprach­fähig­keit, und hier gehe ich mit dem Psychologen Tim Crow, ist womöglich überhaupt die Grund­lage für die mensch­liche Dispo­sition zur Psychose. In der Psychose wiederum, und dies ist die etwas in Vergessenheit geratene Haupt­erkennt­nis des Begründers des Schizo­phrenie­begrif­fes Eugen Bleuler, fällt vor allem eine asso­ziative Lockerung ins Gewicht; dies vor allem sprachlich, aber auch inhaltsbezogen im Wahn. Das sind alles quasi auto­poe­tische Kon­struk­tionen der mensch­lichen Phantasie, einem Traum nicht unähn­lich. Die Realität wird außer Kraft gesetzt, und nichts anderes machen schließ­lich die Künst­ler. Zu fragen ist deshalb ein­deutig: hängen nicht hier Psychose (Wahn) und Krea­tivität (altmodisch: Genie) eng zusammen?

Reaktiviert man diese etwas vertaubten Thesen, eröffnen sich also womöglich neue alte Ansatz­punkte und etwas wie Psychose wird nicht rein diagnos­tisch ausge­sondert, sondern zählt als mensch­liche Grund­dispo­sition einfach zum Mensch­sein dazu. Die Psychose und Manie als Preis für die Kreativi­täts­funktion und als Quelle der­selben. Ich will diese leid­vollen Krank­heiten nicht verherr­lichen, aber sie aus der unfallhaften Schmuddel­ecke holen. Leo Navratil be­schrieb auch empi­risch den Wandel von psycho­tischen Haus­frauen zu Kreativgeistern. Und auch die familiäre Häufung von Künst­ler­familien mit bi­polaren Erkran­kungen spricht für sich. Naiv ist aktuell die Idee, man schaut mittels bildgebenden Verfahren ins Künstlerhirn. Aber auch so etwas wird unter­nommen und führt vielleicht auch zu Er­kennt­nis­sen. Deduktiv kann man aber auch einfach eins und eins zusammen­zählen.

M. Osterland: Das weicht dann natürlich die Grenzen von »normal« und »verrückt« endgültig auf.

D. Ketteler: Ja genau, diese Grenze ist ohnehin nur eine Schutz­behaup­tung, eine Illusion damit wir alle friedlich schlafen können. Genau wie wir uns fast alle jeden Tag vormachen, ewig zu leben. Jules Angst, ein Ver­treter der Zürcher Schule, hat in Studien ein Konti­nuum von Depression, Manie und Psycho­se an einer riesigen und immer noch laufenden Kohorten­studie eindrucks­voll nach­gewiesen. Die Grenzen selbst der einzelnen Diagnosen sind fließend. Wie sollte es dann zum Gesunden anders sein?

M. Osterland: Ist der Rausch der Schlüssel zur oder gar das Wesen der Kreativität?

D. Ketteler: Das ist eine spannende Frage. Ich würde mich dem aber eher von einer anderen Seite nähern. Ich denke, dass vor allem Zustände der manischen Extase und assoziativen Lockerung, wie man sie bei der bipolaren Disposition (Manie) oder Psychose antrifft, ein Schaufenster zu Kreativ­prozes­sen bieten. Hierzu habe ich auch etwas im psychia­trischen Bereich geforscht, speziell was die assoziative Lockerung anbelangt. Bleuler hatte ein besonderes Augenmerk auf Sprachbesonder­heiten in der Psychose gerichtet. Dies ging in der modernen Diagnostik zunehmend etwas unter. Aber vor allem die Lockerung von zuvor scheinbar fest­geschriebenen Sinn­zu­sammen­hängen ist ein wesent­licher Effekt dichte­rischer Produktion. Durs Grünbein weist auf die EEG-Experim­ente in Njimwegen hin. Dort hatte man Probanden Wortpaa­rungen wie »Katze« und »Hund« präsentiert und eher kleine neuronale Ausschläge fest­gestellt. Bei »Katze« und »Mond« hingegen spielte das Hirn verrückt. Ich denke, dass im Hirn des Ekstatikers genau solche brisanten Neu­schöpfungen und Rekombinationen stattfinden, die sich im Gesunden ein Dichter zunutze macht. Er kann, im Gegensatz zu einem aus den Fugen geratenen Maniker, kontrolliert auf Neuland zugreifen. Der Psycho­tiker und Manier wird hingegen quasi überrannt von seinen Wort­flashs.

Auch Drogen können derartige Kicks sicher gezielt evozieren. Kontrollverlust ist ein Punkt, der Neokortex verliert die Kontrolle und subkortikale, tiefliegende Hirn­strukturen wie die Basalganglien über­nehmen die Kontrolle. Benn hat dies intuitiv geahnt und spricht vom »Auf­rauschen« und auch oft und in Varianten vom Tiefenhirn. Neuronal lassen sich derlei Prozesse heute darstellen. Aller­dings funktioniert die Neuro­wissen­schaft, Benn hat dies ebenfalls beklagt, leider sehr induktiv, kleinschrittig. Dadurch fehlt oft die Drauf­sicht. Sie ist geradezu verpönt, da sie spekulatives Strandgut anspült. Ich selbst denke aber, nur so kann man sich dem Thema konstruktiv nähern.

[Das ganze Interview lesen Sie hier.]

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #14

Samstag, 4.11.2017 – 20 Uhr

Franz Mehlhose (Löberstraße 12, Erfurt)

Eintritt: 5,-/3,-€ (nur Abendkasse)

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4.11. – Erfurt – In guter Nachbarschaft #14

Die unabhängige Lesereihe In guter Nachbarschaft kehrt nach Erfurt zurück! Mit dabei ist diesmal der Berliner Arzt, Autor und Musiker Daniel Ketteler. Er liest, unterstützt durch Livebeats von DJ Ernst Wawra (Alphawezen), unter anderem aus seinem Roman Grauzone.

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Samstag, 4.11.2017 – FRANZ MEHLHOSE (Löberstraße 12, Erfurt)

Beginn: 20 Uhr

Eintritt: 5,-/ erm. 3,- € (nur Abendkasse)

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„Es ist ein uralter Menschheitstraum: das Lesen von Gedanken. Es ist ein Glücksversprechen und Alptraum zugleich. Hier wird aus dem Traum Realität. Es ist die Grauzone – ein Elektroenzephalogramm. Hans Berger, Ordinarius für Psychiatrie in Jena, hat ihn geträumt, diesen ambivalenten Traum. Er wollte es lösen, das Menschheitsrätsel, und entwickelte ein Gerät zur elektrophysiologischen Aufzeichnung gedanklicher Aktivität: das noch heute bekannte Elektroenzephalogramm (EEG). …
Daniel Ketteler überträgt die Gedanken Bergers auf seine eigene Endlosrolle, im Beat hektischer Wortamplituden zuckt der Traum Bergers auf, surrt ihm eine schier unglaubliche Geschichte aus dem Schreiber. Hinter den cleanen Hörsälen der Schulpsychiatrie, da gären die alten Chimären weiter, da wurde über der Bergerschen Idee gebrütet. Unmerklich gelang ein Durchbruch: das Lesen von Gedanken, ein Hirnleseapparat.“

Im Anschluss spielen Ketteler und Wawra mit ihrem French-House-Projekt Elektro Willi und Sohn ein exklusives Minikonzert und kündigen damit ihren Abschied an. Sie haben ihren Aachener Waschmaschinenladen verkauft und genießen die Rente mit Hilfe einer Sammlung erlesener französischer Schaumweine. In Erfurt kommen sie nochmal zu einer kleinen präfinalen Show zusammen. So kurz vor dem 40ten, da summt die Drüse, da brummt der Bass. Und vielleicht kommen sogar die tanzenden Zwillinge mit aufs musikalische Trapez.
http://www.elektrowilli.com/

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In guter Nachbarschaft ist ein Projekt der Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. und wird durch die Thüringer Staatskanzlei gefördert. Organisiert von Julia Hauck, Peter Neumann und Mario Osterland.
Moderation: Mario Osterland

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In guter Nachbarschaft ist Teil der Initiative Unabhängige Lesereihen: http://lesereihen.org/

Neue Lyrik: „heimische Arten“ von Mario Osterland

Nachbarschafts-Mitorganisator Mario Osterland hat sein zweites Buch veröffentlicht. Der Gedichtband heimische Arten erscheint, wie schon sein Debut In Paris (2014), im Kölner Independent-Verlag parasitenpresse. Weitere Informationen und die Möglichkeit das Buch zu bestellen, findet ihr im Link ganz unten.

Die Doppel-Buchpremiere mit André Schinkel, der seinen neuen Gedichtband Bodenkunde vorstellt, findet in Jena statt am:

14. Oktober 2017 – 20 Uhr 

Galerie im Stadtspeicher (Markt 16, Jena)

Eintritt: 5,-€

Musikalisch begleitet wird der Abend von einem guten Bekannten unserer Lesereihe: littlemanlost! [Alle Infos zur Veranstaltung hier.]

Außerdem liest Mario Osterland bei der diesjährigen Ausgabe der Erfurter Spätlese im Rahmen der Erfurter Herbstlese.

20. Oktober 2017 – 20 Uhr

Haus Dacheröden (Anger 37, Erfurt)

[Alle Infos dazu auf der Website der Erfurter Herbstlese.]

Der LeseZeichen e.V. hat außerdem ein Video produziert in dem ihr das Gedicht fossile Gewässer aus dem Band heimische Arten hören könnt:

Private wie urbane Räume, die hier bedichtet werden, sind trostlos, das Rurale beiläufig, aber zunehmend rituell. Die Zeichen vergletschern! Was der Mensch nicht wahrnimmt: die Ränder zur ungewissen Zukunft als auch zur dunklen Vorvergangenheit zerfasern, es entstehen Fraßbilder, irgendwo im Düsteren schließt sich der Kreis … Mario Osterland gelingt es, uns wie nebenbei Beklemmung und […]

über Mario Osterland: heimische Arten — parasitenpresse

5.10. – Weimar – Dreierlei: Hünniger, Neumann, Beez

Am 5. Oktober erlebt das von der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. initiierte Projekt Dreierlei – Lyrik, Grafik & Musik eine Neuauflage! Uta Hünniger, Joachim Beez und Nachbarschafts-Mitorganisator Peter Neumann laden ein zu einem Abend mit Ausstellung, Lesung und Konzert.

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Donnerstag, 5.10.2017 – Kunsthalle „Harry Graf Kessler“ (Goetheplatz 9b, Weimar)

Beginn: 17 Uhr

Eintritt: 3,- € / 1,50 € (nur Abendkasse)

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Die Malerin und Grafikerin Uta Hünniger, der Lyriker Peter Neumann und der Komponist Joachim Beez sind gemeinsam einen generations- und genreübergreifenden Dialog zu Landschaft und Erinnerung eingegangen. In einem Wechsel von neuen Zeichnungen, Texten und Kompositionen, die eigens für diesen Abend entstanden sind, erkunden Hünniger, Neumann und Beez Orte, die aus der Ferne anziehen und doch keine dauerhafte Nähe zulassen. Die Präsentation in der Kunsthalle „Harry Graf Kessler“ führt Ausstellung, Lesung und Konzert zu einem lebendigen Diskurs zusammen.

Es spielt außerdem das Ensemble via nova (Neza Torkar, Akkordeon; Daniel Gutierrez, Violoncello).

Der Abend wird moderiert von Mario Osterland.

Die Arbeiten von Uta Hünniger sind vom 5.-6. Oktober, jeweils von 10-17 Uhr, in der Kunsthalle „Harry Graf Kessler“ zu sehen.

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In Kooperation mit der Kulturdirektion Weimar und mit freundlicher Unterstützung der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

30.6. – Jena – In guter Nachbarschaft #13 – Junges Literaturforum Edition

IN GUTER NACHBARSCHAFT #13 – Lesung der PreisträgerInnen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen 2017

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Freitag, 30. Juni 2017 – Schillers Gartenhaus (Schillergäßchen 2, 07745 Jena)

Beginn: 19:30 Uhr

Eintritt: 3,-€ (nur Abendkasse)

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Das Junge Literaturforum Hessen-Thüringen schreibt jedes Jahr einen Literaturwettbewerb aus, an dem sich 16- bis 25-Jährige mit Wohnsitz in Hessen und Thüringen beteiligen können. Bei der unabhängigen Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ gehört es ebenso zur guten Tradition, die aktuellen PreisträgerInnen aus ihren prämierten Texten lesen zu lassen: Texte, die unserer eigenen Gegenwart auf der Spur sind, Stimmen, die uns von jetzt an begleiten werden.

Eingeladen in diesem Jahr sind Lisa Goldschmidt (Frankfurt/Main), die für ihren Text seht mich verschwinden ausgezeichnet wurde, und Joshua Schößler (Jena), der mit seinem Text Betrug die Jury überzeugen konnte. Annika Scheffel (Berlin), ehemalige Preisträgerin des Jungen Literaturforums und mittlerweile eine feste Stimme der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, wird an diesem Abend aus ihrem aktuellen Romanprojekt „Hier ist es schön“ lesen, für das sie 2015 mit Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichent wurde.

Eine Veranstaltungen der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. in Kooperation mit Schillers Gartenhaus (Universität Jena), mit freundlicher Unterstützung vom Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

LISA GOLDSCHMIDT, 1993 in Freiburg im Breisgau geboren, studierte von 2011 bis 2013 freie Kunst an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. Seit 2013 studiert sie Psychologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2015 und 2016 war sie Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, 2016 Finalistin des 24. open mike in Berlin.

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Lisa Goldschmidt (Foto: privat)

JOSHUA SCHÖßLER, 1992 in Düsseldorf geboren, studiert Philosophie und Germanistische Literaturwissenschaft in Jena. Er schreibt seit seiner Jugend hauptsächlich kürzere Prosa, nachzulesen auf: http://www.skklnt.wordpress.com

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Joshua Schößler (Foto: Julia Hauck)

ANNIKA SCHEFFEL, 1983 in Hannover geboren, ist Prosa- und Drehbuchautorin. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Stipendium der Drehbuchwerkstatt München und dem Förderpreis zum Grimmelshausen-Preis für ihren 2010 erschienen Debütroman BEN (kookbooks). Im Februar 2013 erschien ihr neuer Roman Bevor alles verschwindet (Suhrkamp). Für ihr aktuelles Romanprojekt Hier ist es schön wurde sie 2015 mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet. Annika Scheffel lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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IN GUTER NACHBARSCHAFT #13 ist eine Kooperation mit Schillers Gartenhaus (Friedrich-Schiller-Universität Jena) mit freundlicher Unterstützung des Hessischen Literaturforums im Mousonturm e.V.

27.6. – Bayreuth – In guter Nachbarschaft zu Gast bei Sübkültür

In guter Nachbarschaft goes Franken! Am 27.6. sind Peter Neumann und Mario Osterland zu Gast bei Sübkültür in Bayreuth. Sie lesen aus ihren aktuellen literarischen Arbeiten, stellen die Lesereihe vor und sprechen mit den Kulturschaffenden vor Ort über Organisation, Förderung und Entwicklung alternativer Kulturprojekte.

27. Juni 2017 – Forum Phoinix Bayreuth (Kämmereigasse 9 1/2, 95444 Bayreuth)

Beginn: 20 Uhr

Vorab sprach Mario Osterland mit Anja Zeilinger. Sie lebt als Kulturschaffende in Bayreuth und Berlin, führt eine Pop-Up-Galerie im fränkischen Raum und ist eine der Organisatorinnen von Sübkültür.

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Anja Zeilinger (Foto: privat)

Mario Osterland: Liebe Anja, was für ein Projekt ist Sübkültür?

Anja Zeilinger: Wir organisieren sehr unterschiedliche Veranstaltungen – eigentlich alles, was uns sonst in Bayreuth fehlt. Das sind Filmabende, Konzerte und Lesungen, aber auch Kunst-Performances oder Diskussionsrunden. Ein Schwerpunkt liegt auf selbst gestalteten Abenden mit Beteiligung des Publikums: Wir geben ein Thema vor, und die Leute bringen Objekte, Musik, Filmclips oder Anderes mit und präsentieren ihre Geschichten dazu. Da gab es schon Themen wie Absagen, Schimmel, 100 Jahre DADA und aktuell heute: Sex, Aufklärung und Rollenverständnisse in verschiedenen Kulturen. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern eine immer spannende Aufnahme von kulturellen Phänomenen. Weitergehend machen wir mit dieser unabhängigen Reihe natürlich auch Kulturpolitik, wir fördern regionale Kulturschaffende aller Art.

M.O.: Welche kulturpolitische Arbeit leistet ihr in Bayreuth?

A.Z.: Zunächst übernehmen wir eine Nachwuchs-Förderung, die es hier sonst kaum gibt. Natürlich kommen bei uns auch Profis auf die Bühne, aber ebenfalls junge oder wenig erfahrene Künstler*innen oder Autor*innen, die außergewöhnliche Ideen verwirklichen möchten. Wir zahlen daher auch immer ein Honorar. Außerdem vergeben wir jedes Jahr in Kooperation mit dem Bayreuther Kurzfilm-Festival „Kontrast“ einen Sonderpreis, letztes Jahr haben wir zudem drei kleine Anschubstipendien vergeben. Letztlich haben wir hier eine feste Institution für das Außergewöhnliche und Abseitige etabliert. Unsere Räumlichkeiten stellen aktuell noch eine Zwischennutzung dar, wir arbeiten aber ganz offiziell mit dem Kulturamt und dem Bauamt daran, hier nach der nötigen Sanierung ein dauerhaftes Kunst- und Kulturhaus zu verwirklichen.

M.O.: Wie stark seid ihr als Förderer der Kulturszene selbst abhängig von Fördermitteln? Wie akquiriert ihr beispielsweise die Mittel für Stipendien und den Filmpreis?

A.Z.: Wir haben bisher keine öffentlichen Gelder aus Stadt- oder Landesmitteln erhalten, aber uns ehrlich gesagt auch nicht darum bemüht. Verschiedene Einzelveranstaltungen wurden durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert, aber unsere hauptsächliche Finanzierung läuft über den Getränkeverkauf und die Mitgliedschaften. Wir sind als Verein organisiert und haben etwa vierzig Jahresmitglieder, und die Gäste erwerben statt eines Eintrittspreises eine Monatsmitgliedschaft für 2€. Das reicht tatsächlich!

M.O.: Hört sich an, als ob die Reihe in Bayreuth ganz gut angenommen wird. Welches Feedback bekommt ihr?

A.Z.: Von unseren Gästen natürlich positives, sonst würden sie ja nicht kommen… Generell sind wir nach vier Jahren auch denjenigen ein Begriff, die noch nie bei uns waren. Sicher gibt es Menschen, die mit unserem Stil nichts anfangen können, aber da gibt es keine offenen Konfrontationen. Die konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung zur Etablierung des Kunst- und Kulturhauses spricht für sich. Nun müssen wir uns noch selbst daran gewöhnen, irgendwie etabliert zu sein. Es ist natürlich schön, dass uns das gelungen ist, ohne unsere Identität aufzugeben – das ist auch so eine Befürchtung von unabhängigen Kulturschaffenden, die in der Realität oft gar nicht virulent ist.

M.O.: Trotzdem will man ja etwas Nachhaltiges schaffen, sodass die Reihe dann auch einer gewissen Professionalisierung und Etablierung bedarf, oder?

A.Z.: Natürlich! Professionell im Sinne von gut organisiert und konzeptuell durchdacht waren wir ja auch von Anfang an. Dennoch begann es als ein Abenteuer, und die allgemeine Akzeptanz kam erst mit der Zeit. Viele beklagen, dass Bayreuth durch die Dominanz der Festspiele eine marginalisierte Kulturszene habe. Man kann dafür hier recht ungestört Formate und Initiativen entwickeln, die in anderen Städten vielleicht eher vereinnahmt werden. Ich sehe hier eher Chancen als Hürden.

M.O.: Damit hast du meine nächste Frage schon fast beantwortet, nämlich die nach dem allgemeinen kulturellen Klima in Bayreuth. Von außen bekommt man ja erstmal nur Wagner und die Festspiele mit.

A.Z.: Ja, das ist klar. Man kann sich natürlich daran reiben. Ich sehe es als Herausforderung, selbst Projekte zu verwirklichen. Da sollte man auch ehrlich sein: Es ist gerade durch diese Situation viel leichter als in übersättigten Städten, mit interessanten Ideen ein Publikum zu erreichen. Außerdem gibt es noch andere Gründe für so manchen Mangel. Beispielsweise haben wir keine Kunsthochschule. Das würde natürlich die Situation entscheidend ändern.

M.O.: Wir verfolgen mit In guter Nachbarschaft immer eine kulturelle Vernetzung der Städte Erfurt, Weimar und Jena, was auch recht gut funktioniert. Wie sieht das in den kleineren Städten in Franken aus? Seid ihr beispielsweise im Austausch mit Kulturschaffenden in Bamberg oder Erlangen?

A.Z.: Innerhalb Bayreuths sind wir sehr gut vernetzt und kooperieren häufig, auch mit Veranstaltungsreihen. In größerem Radius hat sich das für uns als Institution bisher nur punktuell ergeben. Durch die Gründung des Kunst- und Kulturhauses ändert sich das gerade.

M.O.: Und es geht über die Bundeslandgrenzen hinaus! Es freut uns sehr, dass wir demnächst eure Gäste sein dürfen. Wie seid ihr darauf gekommen?

A.Z.: Viele Anstöße für unser Programm ergeben sich natürlich durch persönliche Begegnungen und Bekanntschaften, wie unserer. Ich freue mich auf Euren Besuch – unabhängig von Eurer Lesung werden wir uns ja auch als Kulturschaffende wiedersehen. Wird das quasi ein interkultureller Austausch, oder sind sich die regionalen Rahmenbedingungen unserer Projekte ähnlicher, als man denken könnte?

M.O.: Das werden wir an diesem Abend herausfinden. Natürlich bei fränkischem Bier. Kulturreise ist Kulturreise. Danke für das Gespräch, liebe Anja!

 

19.5. – Erfurt – JENNY in guter Nachbarschaft

Im Rahmen der „Langen Nacht der Museen“ in Erfurt holt die Lesereihe In guter Nachbarschaft einmal mehr die junge österreichische Literatur nach Thüringen!

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Freitag, 19. Mai 2017 – kunsthaus erfurt (Michaelisstr. 34, 99084 Erfurt)

Beginn: 20 Uhr

Eintritt: Mit dem Ticket der Museumsnacht frei.

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BLAU, BLAU, BLAU IST MEINE LIEBLINGSFARBE

Vier Autoren aus der vierten Ausgabe der Literaturzeitschrift JENNY lesen

Glamour aus Wien auf Reisen – JENNY gastiert erstmals in Thüringen. Die Zuhörer erwarten Geschichten und Verse von brachialer Liebe, sanfter Entrückung und bizarrer Courage – heftige Körperlichkeiten, vom Fleck weg Gestyltes, bezaubernde Eitelkeiten und brandgefährliche Coolness sind zu erwarten. Kurz gesagt: die hohe Literatur, nur ein bisschen fetziger, mit Schirmchen drin: präsentiert von

Helene Bukowski,

Luca Manuel Kieser,

Oravin

und Frank Ruf.

Ein kleines Redaktionsteam aus Studenten des Instituts für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien gibt ein Mal im Jahr Texte heraus: Neues aus dem deutschsprachigen Raum, Frisches aus der Sprachkunstwerkstatt, Übersetzungen, poetologische Betrachtungen, Interviews. JENNY entsteht in Zusammenarbeit mit dem Grafikdesignbüro studio VIE. JENNY ist blau, neunmalklug, über 100 Seiten stark und schön wie ein Buch.

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Eine Kooperation der Wiener Literaturzeitschrift JENNY mit In guter Nachbarschaft und dem kunsthaus erfurt.

Rückschau: IN GUTER NACHBARSCHAFT #12

Am 28. April fand die zwölfte Ausgabe unserer Lesereihe in Jena statt. Im Rahmen der „Langen Nacht der Museen“ gastierten wir in Kooperation mit dem Kunsthof Jena e.V. und dem Jenaer Kunstverein e.V. in der Galerie im Stadtspeicher.

Im Mittelpunkt stand dabei einmal mehr unsere Idee, ausgehend von der Literatur Nachbarschaftsverhältnisse zu anderen Künsten zu suchen, zu finden, herzustellen und zu pflegen. Bereits im Januar hatten Tim Holland und Moritz Schneidewendt diese Idee erfolgreich für uns in der ACC Galerie in Weimar erprobt.

In Jena ließen wir nun den Frankfurter Dichter Marcus Roloff und den elektroakustischen Klangkünstler Tim Helbig aufeinander treffen. Roloff las unter anderem aus seinem letzten Gedichtband Reinzeichnung, in dem er sich verstärkt mit den Wirkungsweisen bildender Kunst auseinandersetzt, diese poetisch reflektiert und sprachlich erweitert. Um dem Publikum den Einstieg in das recht komplexe Sujet zu erleichtern, eröffnete er seine Lesung mit einem kurzen Essay, der die Arbeitsweise des Dichters illustrierte.

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Mit teilweise selbstgebauten Instrumenten und Effektgeräten stieg Tim Helbig in die Lesung ein, improvisierte Klangbilder, verfremdete und loopte die Stimme Roloffs. So entstand aus dem Zusammenspiel von Lesung und Klangkunst eine vielschichtige Soundcollage abseits der sonst üblichen Auftritte beider Künstler. Das neue Zusammenwirken von Wort und Klang knüpfte zudem an die in den Räumen des Stadtspeichers gezeigte Ausstellung DEKONTEXT an, in der Objekte aus ihrer gewohnten Umgebung isoliert und so einer neuen Bedeutungsebene zugeführt werden.

Zwischen den zwei improvisierten Sets pflegten wir zudem die Nachbarschafts-Tradition des Autorengesprächs. Im Dialog mit Moderator Mario Osterland erläuterte Marcus Roloff kurz seine kreativen Herangehensweisen an bildende Kunst und Literatur. Dabei betonte er, dass die Künste seiner Meinung nach einen Zugang ohne vorausgesetztes Wissen ermöglichen sollten, um das Publikum nicht unnötig vor den Kopf zu stoßen.

Das Publikum im gut gefüllten Jenaer Stadtspeicher entließ beide Künstler mit entsprechend langem Applaus in die Nacht.

„In guter Nachbarschaft“ sagt Danke für einen gelungenen Abend, der ohne die Unterstützung von Kunsthof und Kunstverein Jena so nicht möglich gewesen wäre!

28.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #12 – mit Marcus Roloff und Tim Helbig

In guter Nachbarschaft – die unabhängige Lesereihe in Thüringen – im Rahmen der „Langen Nacht der Museen“ in der Galerie Jenaer Kunstverein e.V.
Ein Abend zwischen Literatur, Klang und bildender Kunst, mit Marcus Roloff und Tim Helbig.
Eine Kooperation mit der Reihe note. word. act. des Kunsthofs Jena.///

Freitag, 28. April 2017 – Jenaer Kunstverein e.V. (Markt 16, 07743 Jena)

Beginn: 20 Uhr

Eintritt: 3,- € (Abendkasse) // Mit dem Ticket der Museumsnacht: frei.

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Im Rahmen der Ausstellung DE.KON.TEXT. treffen der Frankfurter Schriftsteller Marcus Roloff und der Jenaer Klangkünstler Tim Helbig aufeinander. Ein Abend auf der Suche nach Verbindungslinien und Zwischentönen zwischen gegenwärtiger Dichtung, Installations- und Klangkunst.

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Marcus Roloff (Foto: privat)

Marcus Roloff (geb. 1973 in Neubrandenburg), lebt in Frankfurt/Main und hat bisher vier Gedichtbände publiziert. Zuletzt: „Reinzeichnung“ (Wunderhorn, 2015). In seinen Gedichten setzt er sich u.a. mit den Wirkungsweisen bildender Kunst auseinander, sucht und findet Wege ihrer poetischen Reflexion.

Tim Helbig ist ein elektroakustischer Musiker und Klangkünstler aus Jena. Er studierte Medienkunst und -design, sowie elektroakustische Komposition in Weimar. Er ist in verschiedenen musikalischen Genres tätig (u.a. Jazz, Ska, Weltmusik und Elektro). Seine Liveauftritte konzentrieren sich auf das Spielen von selbst entwickelten elektroakustischen Instrumenten. http://timhelbig.de/

Rückschau: watch us grow.

Am 18.2.2017 schlossen sich insgesamt fünf Kulturinitiativen zusammen, für einen gemeinsamen und vor allem vielfältigen Literaturabend in Erfurt; mit Lesungen, Performances und Musik. Die Idee dahinter: fünf Veranstalter lassen fünf Autoren für sich sprechen. Mit dabei waren das hEFt, das HANT – Magazin für Fotografie, der Litart Thüringen e.V. (Literaturfestival Erfurt), unsere Lesereihe In guter Nachbarschaft – und als Gäste unsere Freunde von mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur aus Salzburg.

Ein Abend, der die Vielfalt und den Pluralismus einer freien Kultur- und Literaturszene abbilden möchte, braucht natürlich einen passenden Veranstaltungsort. Wir haben uns sehr gefreut, bei FRAU KORTE im Nordbahnhof zu Gast sein zu dürfen!

Nach einer kurzen Einführung durch die Moderatoren eröffnete die Kieler Autorin Franziska Ostermann, auf Einladung vom HANT-Magazin, den Abend. Ihr Langgedicht „Der Mückentod“ war eine poetische Wahrnehmungsfolge, in der das Publikum der Protagonistin Aurie durch einen Sommertag am Wasser folgte.

Es folgte die gebürtige Erfurterin Franziska Wilhelm, hEFt-Autorin der ersten Stunde, die bereits als Romancière auf sich aufmerksam machte und fester Bestandteil der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz in Leipzig ist. In ihren Texten huldigte sie leidenschaftlich und augenzwinkernd dem Dresdner Autor Michael Bittner und spürte der Orientierungslosigkeit der Nach-Wendejahre im Erfurter Plattenbau nach.

Bevor es in die Pause ging, setzte sich Kinga Tóth auf Einladung unserer Lesereihe hinters Mikrofon. Die ungarische Soundpoetin, die bereits im letzten Jahr bei der „Summer Edition“ in Jena bleibenden Eindruck hinterließ, las und performte aus ihrem aktuellen Gedichtband Wir bauen eine Stadt. Dazu mischte sie die Texte mit einer Geräuschkulisse aus Gesang, Knister- und Klopfgeräuschen, die sie live mit einer Loop-Station wiedergab.

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Nach der Pause eröffnete Josef Kirchner den zweiten Teil des Abends und stellte kurz das in Salzburg beheimatete Label mosaik vor, das mittlerweile nicht mehr nur als Zeitschrift, sondern auch als Verlag und Veranstalter in Erscheinung tritt. Für mosaik las die Augsburgerin Alke Stachler aus ihrem Buch Dünner Ort poetische Prosaminiaturen. Aufmerksam folge das Publikum den sorgsam gesetzten Worten und Wendungen, die einen gefühlvollen und überzeugenden Ich-Du-Dialog erzeugten.

Zuletzt trat der Musiker und Schauspieler Michael Donth ans Mikro. Er las und sang auf Einladung des Litart Thüringen e.V. eine Cut-Collage aus Arno Schmidts Aus dem Leben eines Fauns. „Die Sache ist nicht unkompliziert“, gab er zu. Dennoch bedurfte es weder bei ihm noch beim Publikum einer Anlaufzeit, um sofort in den Text hineingezogen zu werden. Begeistert folgte das Publikum u.a. den Schmidtschen Lobpreisungen Wielands – ebenso wie den unterhaltsamen Schmähungen Goethes. Kein Wunder, dass im sehr gut besuchten FRAU KORTE der Abend mit viel Applaus endete.

Zu den zahlreichen anschließenden Gesprächen über Literatur und das Kulturschaffen in und außerhalb Thüringens ließ DJ Holm J∅rgensen mit chilltem Elektro und House die Köpfe zufrieden nicken.

In guter Nachbarschaft sagt im Namen aller Beteiligten „Vielen Dank!“ an die Autoren, FRAU KORTE und das Publikum.